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War im Jahr 2013 zu Gast in Dachau: Elefantenkuh Benjamin mit dem Circus Luna. 

Diskussion um Tierschutz

So kontrollieren die Amtstierärzte Wildtiere im Zirkus

Dachau - Soll es in Zirkussen große Wildtiere zu sehen geben oder nicht? Einige Städte haben ein Verbot erlassen – Dachau nicht. Amtstierärztin Dr. Anita Sprick-Sanjosé erklärt, wie die Tierschutz-Anforderungen kontrolliert werden.

 Seit Jahren fordern Tierschützer ein generelles Wildtier-Verbot für Zirkusse, nun auch der Bundesrat. Kommunen dürfen entscheiden, ob sie Zirkusse mit Wildtieren auf kommunalen Grundstücken gastieren lassen, wie das Verwaltungsgericht München entschieden hat.

Der umstrittene Circus Luna hatte vor dem Gericht Klage eingereicht, als die Stadt Erding ihm verbot, dort mit seinen drei Krokodilen und fünf Dromedaren aufzutreten. Der Zirkus ist schon früher aufgefallen: Vergangenes Jahr tötete Elefantenkuh Benjamin einen Fußgänger in Baden-Württemberg – Tierschützer halten die Einzelhaltung von Elefanten nicht für artgerecht. Nach dem Urteil steht fest, dass die Stadt Erding rechtmäßig entschieden hat, da laut bayerischer Gemeindeordnung eine Kommune zum Ausdruck bringen darf, was die örtliche Bevölkerung sehen will.

Das Urteil könnte auch für die Stadt Dachau interessant sein, wo häufiger Zirkusse gastieren. Selbst der Circus Luna, der nun nicht mehr in Erding auftreten darf, war im Herbst 2013 zu Gast, erst vergangenen Dezember und Januar war der Circus Baldoni, der ebenfalls Wildtiere hält, in Dachau. Zu diesem Anlass hat sogar das „Aktionsbündnis Tiere gehören nicht in den Circus“ eine Demonstration veranstaltet, denn: Tierschützer wie die Tierschutzorganisation PETA sind sich sicher, dass Kunststücke im Zirkus eine Qual für Wildtiere sind.

Damit dies nicht der Fall ist, kontrolliert das Veterinäramt des Landratsamtes Zirkusse, die im Landkreis auftreten wollen. Noch bevor ein Zirkus überhaupt die Genehmigung erhält, zu kommen, werde seine Eintragung in der tierschutzrechtlichen Datenbank für Zirkusse in Augenschein genommen, erklärt die Leiterin des Veterinäramtes, Dr. Anita Sprick-Sanjosé.

Wenn der Zirkus dann vor Ort ist, werde von Mitarbeitern des Veterinäramtes direkt kontrolliert, ob die Mindestanforderungen des Tierschutzes erfüllt werden. Die Kriterien variieren je nach Tierart, wichtig sei die Unterbringung der Tiere: zum Beispiel die Größe der Räumlichkeiten, der Gesundheits- und Pflegezustand der Tiere, ihre Versorgung mit Futter sowie die tierärztliche Versorgung. Wenn diese Mindestanforderungen nicht erfüllt werden, würde dafür gesorgt, dass die Mängel so weit wie möglich beseitigt werden. „Wenn die Verstöße gravierend sind, dann darf das Tier nicht auftreten“, erklärt Dr. Anita Sprick-Sanjosé. Wird der Verstoß auch nach Fristsetzungen nicht behoben, „sind wir gezwungen, das Tier wegzunehmen.“

Große Probleme habe es im Landkreis mit der Erfüllung der Mindestanforderungen jedoch noch nicht gegeben, es gehe eher um kleinere Probleme, zum Beispiel bei der Klauen- und Hufpflege. Ob die Mindestanforderungen ausreichend streng sind? „Meine Meinung ist leider nicht ausschlaggebend“, bedauert die Leiterin des Veterinäramtes. „Wir können nichts verlangen, was rechtlich keine Grundlage hat – damit sich etwas ändert, muss die Politik Gesetze schaffen.“

Viele Politiker sehen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen kritisch: Grünen-Stadtrat Helmut Esch sagt: „Es ist sehr fragwürdig, wie Reisezirkusse ihre Tiere ordentlich halten können.“ Wichtig sei seiner Meinung nach, dass gut kontrolliert wird, wie die Tiere im jeweiligen Zirkus gehalten werden.

Doch die Kontrollen sind für das Veterinäramt gar nicht so einfach: „Ein Zirkus wandert ja“, erklärt Dr. Anita Sprick-Sanjosé. „Er ist meistens nur zwei, drei Tage an einem Ort.“ Das mache die Kontrollen der verschiedenen Behörden sehr schwierig, denn für die grundsätzliche Erlaubnis, auftreten zu dürfen, sei die Behörde, wo der Zirkus seine feste Adresse hat, zuständig – doch auch da ist er ja kaum.

Auch darüber hinaus klappen die Kontrollen nicht immer optimal: Als der Circus Baldoni das letzte Mal in Dachau war, war es dem Veterinäramt „aus personellen Gründen“ nicht möglich, einen Mitarbeiter zur Überprüfung der Mindestanforderungen zu schicken. Doch die Leiterin ist sich sicher: „In den letzten Jahren gab es bei uns keine großen Probleme, da war sicher nichts Gravierendes.“ Und selbst wenn Verstöße vorliegen, so einfach lässt sich ein Tier auch nicht aus dem Zirkus nehmen: „Wo bringt man die Tiere dann unter?“, fragt Dr. Sprick-Sanjosé. Die Suche nach einer geeigneten Bleibe brauche ihre Zeit, denn Zoos wollen Zirkustiere meistens nicht bei sich aufnehmen.

Zirkusse mit Wildtieren in Dachau ganz zu verbieten, sieht Stadtrat Helmut Esch allerdings auch nicht als die Lösung allen Übels. „Da werden die mitbestraft, die sich ordentlich um den Tierschutz bemühen. So würde etlichen Zirkussen die Lebensgrundlage entzogen“, weiß er. Auch sehe er zum Beispiel Kleintiere im Zirkus „nicht so dramatisch“ wie Großtiere – das müsse im Einzelfall abgewägt werden.

Aber das ist ja dem Anschein nach gar nicht so einfach. Vielleicht ist es also ganz gut, dass dem Veterinäramt im Moment keine Anmeldungen von Zirkussen im Landkreis vorliegen.

Eva Lang

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