Das Buch. foto: kn

Der Krimi des Mörders

Dachau - Ein Krimi ist für gewöhnlich eine lange Geschichte über die Suche nach dem Mörder. Nicht so in „Herr Petermann und das Triptychon des Todes“, der zweite Krimi des Dachauer Michael Böhm. Darin weiß der Leser von Anfang an, wer der Mörder ist. Und trotzdem: Ist es sehr spannend.

Es ist eine Welt, in der man nicht leben möchte: Eine Welt, in der sich unschuldige Senioren mit dem Kauf eines Fonds gleich noch ihr Todesurteil mitkaufen, in der Versicherungen und Finanzhaie für ihren Gewinn systematisch alte Menschen töten. Diese Welt entwirft der Dachauer Autor Michael Böhm in seinem Kriminalroman „Herr Petermann und das Triptychon des Todes.“

In dieser Welt lässt er seinen Hauptprotagonisten Leo Petermann gegen die Seniorenmörder kämpfen. Petermann ist ein charmanter Privatier, liebt Kunst und Musik und ist Mäzen für ein altes Kloster. Geld hat er genug, schließlich hat er früher mit einer Software-Firma ein Vermögen gemacht. Inzwischen ist längst im Ruhestand, aber als er von den mysteriösen Todesfällen der alten Menschen erfährt, treibt er noch einmal seine begabtesten Hacker zusammen: Sie wollen Computersysteme zerstören, um das perfide Netz der tödlichen Versicherungen zu zerschlagen.

Könnte theoretisch auch die Handlung einer klassischen Heldengeschichte sein: Ein Held kämpft gegen das Böse, zum Schluss gewinnt er, die anderen sterben oder kommen zumindest ins Gefängnis. Ende gut, alles gut. So ist es aber bei Michael Böhms Roman nicht. Denn dort fehlt es auch der Hauptfigur Leo Petermann an Gewissen.

„Herr Petermann und das Triptychon des Todes“ ist bereits das zweite Buch von Michael Böhm, in dem es um Leo Petermann geht. Im Jahr 2013 hatte er das Buch „Herr Petermanns unbedingter Wunsch nach Ruhe“ veröffentlicht. Und schon im ersten Buch wird gleich beim ersten Satz klar, welches Geistes Kind Leo Petermann eigentlich ist: „Morgens beim Rasieren sieht Dr. Leo Petermann in das liebenswürdig lächelnde Gesicht eines Mörders.“ So beginnt der erste untypische Krimi. Untypisch deshalb, weil es nicht darum geht, einen Mörder zu finden. Stattdessen begleitet der Leser einen eiskalten Mann, der nicht davor zurückschreckt, aus Nichtigkeiten Menschen umzubringen - und sei es nur wegen einer banalen Ruhestörung.

Im zweiten Buch lernt der Leser Leo Petermann noch besser kennen. Er spürt, dass Petermann vielleicht doch Gefühle für seine Mitmenschen hat, dass er vielleicht sogar Mitleid empfinden kann - bis er dann wieder zum skrupellosen Massenmörder wird. Es ist ein Zwiespalt: Einerseits fiebert man mit Petermann mit und hofft, dass sein Plan gelingt, andererseits ist man angewidert von dem eiskalten Mann, der haargenau den Tod anderer Menschen plant und ihnen beim Todeskampf zusieht, ohne nur den Hauch von Unbehagen dabei zu fühlen.

Dieser Gegensatz hat Michael Böhm auch erzähltechnisch umgesetzt: Ein Großteil des Buches ist in der Ich-Perspektive verfasst. Nur bei der Schilderung der Morde gibt es einen Wechsel in die Er-Perspektive. Ein Kniff, der die Gegensätzlichkeiten im Buch stärker betont. „Herr Petermann und das Triptychon des Todes“ ist ein Krimi, in dem es nicht darum geht, den Täter zu finden und auch nicht darum, die Gerechtigkeit wiederherzustellen, die Welt zu verbessern. Es geht darum, in die Psyche eines Mörders einzutauchen, in einer Welt, in der niemand leben möchte.

Ein Krimi-Preis für Böhm?

Der Schriftsteller Michael Böhm wurde im Jahr 1947 im Taunus geboren und schreibt seit seiner Jugendzeit. Nun lebt er in Dachau. Neben den Petermann-Romanen hat er unter anderem zwei Erzählungen unter dem Titel „Hirtmoor-Chronik“ und die Kriminalromane um „Homer“ verfasst. Sein neuester Roman ist jetzt für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Kriminalroman nominiert. Der Preis ist nach dem Schriftsteller Friedrich Glauser, der zu den ersten deutschsprachigen Krimiautoren gehörte, benannt. Er gilt als einer der wichtigsten Krimipreise im deutschsprachigen Raum und ist mit 5000 Euro dotiert. Das Syndikat, eine Vereinigung deutscher Krimiautoren, verleiht den Preis. Sie würdigt Böhms Werk so: „Feine Ironie begleitet Petermanns Taten. Subtil und leise, köstlich zu lesen.“ Ob Böhm den Preis gewinnt stellt sich heute auf der Criminale in Marburg heraus.

Claudia Schuri

Das Buch:

„Herr Petermann und das Triptychon des Todes“ wurde im Bookspot-Verlag veröffentlicht (ISBN: 9783956690181).

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