Ein neuer Bewohner wird in der Ruckteschell-Villa empfangen: (v.l.) Kulturamtsleiter Tobias Schneider, OB Florian Hartmann, Bildhauer Gideon Gomo, Künstlerin Claudia Flach, Künstlerin Katrin Schürmann und Kulturreferent Claus Weber. foto: hab

„Kunst ist eine Sprache, die jeder versteht“

Dachau - Die Ruckteschell-Villa in der Münchner Straße beherbergt bis Oktober einen neuen Stipendiaten: den Bildhauer Gideon Gomo aus Zimbabwe. Er will mit seinen Skulpturen aus Stein, Kupfer, Holz und anderen Materialien vor allem das Leben in all seinen Facetten widerspiegeln.

Seit Anfang August wohnt Gideon Gomo aus Zimbabwe in einer der zwei Atelierwohnungen der Ruckteschell-Villa. Diese werden bis zu einem halben Jahr an Stipendiaten aus aller Welt vergeben: „Meistens sind es Musiker, die im Schnitt drei Monate bleiben, zum Beispiel hatten wir schon Musiker aus Schweden und Südamerika zu Besuch“, erklärt der Kulturamtsleiter der Stadt Dachau, Tobias Schneider. Die Kunst- und Musikvereine aus dem Landkreis können Künstler für das Stipendium vorschlagen, der Kulturausschuss fällt dann die Entscheidung, wer in die Villa einziehen darf. Diesmal hat sich mit dem 33-jährigen Zimbabwer ein bildender Künstler gefunden, der das Künstlerhaus bis Oktober bewohnen wird - eine Rarität, findet Tobias Schneider: „Musiker haben es da organisatorisch meist etwas leichter. Sie geben Konzerte und können so Geld einnehmen, Gideon muss erst seine Werke schaffen und dann versuchen, sie zu verkaufen.“ Deshalb gebe es auch einen kleinen Zuschuss für den Lebensunterhalt des Bildhauers. Gomo wird auf jeden Fall an einem Workshop und an Ausstellungen der Künstlervereinigung Dachau (KVD) teilnehmen.

Bereits vor zwei Jahren war Gideon Gomo zum ersten Mal in Dachau. Über Kristin Diehl aus Niederroth, die sich mit Bildhauerei aus Zimbabwe beschäftigt und viele der afrikanischen Künstler unterstützt, wurde der Kontakt zur Dachauer Künstlerin Claudia Flach und damit zum Kulturamt hergestellt. Auf diese Weise ist Gomo nach Dachau gelangt: „Die Stadt hat mich gleich fasziniert. Geschichtsträchtig und inspirierend, so hat Dachau auf mich gewirkt“, sagt der Bildhauer.

Nachdem er an einem College in Zimbabwe Kunst studiert und die Grundlagen des Zeichnens erlernt hatte, zog es ihn zur Bildhauerei: „Skulpturen können alles ausdrücken, mehr noch als Zeichnungen. Die Bildhauerei ist für mich die ultimative Kunstform.“ Seit 2004 erschafft er Mensch- und Tierskulpturen sowie abstrakte Objekte aus Kupfer, Stein, Marmor, Holz, Knochen und anderen Materialien. Die Beschaffenheit des Materials sei bei jedem einzelnen Kunstwerk von zentraler Bedeutung: „Meistens suche nicht ich das Material aus, sondern das Material wählt mich. Das mag vielleicht etwas seltsam klingen, aber je nachdem, welche Inspiration man in sich trägt, kann diese durch ein bestimmtes Material optimal zum Ausdruck gebracht werden.“ Obwohl Steine von ihrer Beschaffenheit eigentlich hart und kalt sind, haben sie für ihn nicht zwingend diese Eigenschaften: „Es kommt immer darauf an, was man damit macht - dann kann Stein auch sehr warm und einladend wirken.“

Da er durch seine College-Bildung einen universellen Zugang zur Kunst gefunden hat, seien seine Werke keinesfalls typische Shona-Kunst: „Es ist nicht meine Absicht, typisch afrikanische Kunst zu schaffen.“ Der Einfluss ist aber zumindest bei einem Stück, das er eigens für die Dachauer Schlossausstellung am 28. August geschaffen hat, nicht zu verkennen: Einen schwarzen Stein aus seinem mineralreichen Heimatland hat er so bearbeitet, dass er wie eine afrikanische Maske anmutet.

Gomo ist nach Dachau gekommen, um sich selbst zu finden. Wenn man die Kunst zu seinem Beruf gemacht hat, braucht man viel Inspiration. Er sei voll von inneren Ideen, die er hier ausleben könne: „Für mich ist das schon fast etwas Spirituelles“, so Gomo. Seine 29-jährige Frau, die selbst auch Künstlerin ist, ist momentan mit dem vierjährigen Sohn in Graz, für eine Ausstellung - sie kommen aber bald zu Besuch. Als Gomo seine Herzensdame damals auf dem College in Zimbabwe kennengelernt hat, haben sich die beiden auf Anhieb verstanden.

Das Verstehen und Fühlen ist Gomo auch heute nicht nur in der Liebe, sondern auch bei seiner Kunst das Wichtigste: „Kunst ist eine Sprache, die jeder spricht und versteht.“

(sj)

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