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Zecken

Der Landkreis Dachau ist neues Zecken-Risikogebiet

Blutsauger im Anmarsch

Der Landkreis Dachau ist als neues Risikogebiet für die durch Zecken übertragene Infektionskrankheit FSME benannt worden. Der Leiter des Dachauer Gesundheitsamtes rät zu langer Kleidung, gründlichen Kontrollen – und zur Impfung.

Der Landkreis Dachau ist zum ersten Mal als Risikogebiet für die durch Zecken übertragene Infektionskrankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) benannt worden. Ein Kreis wird vom Robert-Koch-Institut als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen der letzten 14 Jahre signifikant höher als eine Erkrankung pro 100 000 Einwohner innerhalb eines Intervalls von fünf Jahren lag.

Ausschlaggebend für die Einstufung als Risikogebiet war laut dem Leiter des Gesundheitsamtes Dachau, Dr. Hans Bergemann, das Jahr 2011, in dem im Landkreis bei vier Menschen eine Erkrankung durch den FSME-Erreger gemeldet wurde. Insgesamt fünf Menschen waren als infiziert gemeldet. Die Gesamtzahl an Erkrankungen in den vergangenen 15 Jahren lag bei zehn, wobei in den Jahren 2001 bis 2006 kein einziger Fall gemeldet wurde. Auch in den Jahren 2013 und 2014 lagen weder Erregernachweise noch tatsächliche Erkrankungen für den Landkreis vor, lediglich 2015 erkrankte eine Person an FSME.

Oft ziehen sich die Betroffenen, so Bergemann, den Virus auch gar nicht im Landkreis zu: „Leute sind mobil“, sagt der Amtsarzt des Gesundheitsamtes. Manchmal fahren sie in einen anderen Landkreis und werden dort von einer infizierten Zecke gebissen, gemeldet wird die Infektion dann trotzdem im eigenen Landkreis. So wurden im Jahr 2011 vermutlich nur drei der fünf Infektionen wirklich im Landkreis Dachau erworben.

Tatsächlich ist es kaum verwunderlich, dass der Dachauer Landkreis nun auch ein Risikogebiet für FSME ist. Die drei angrenzenden Landkreise Aichach-Friedberg, Freising und Pfaffenhofen a. d. Ilm sind alle solche Risikogebiete, so wie fast der gesamte Freistaat und Baden-Württemberg. Nur vereinzelt, wie in München, einigen schwäbischen Landkreisen und in der Voralpenregion gibt es noch Landkreise, die nicht als Risikogebiet eingestuft werden. „Die Gebiete werden sich weiter ausbreiten. Zecken halten sich nicht an Landkreisgrenzen“, so Bergemann. Als Ursachen für die weitere Ausbreitung benennt Bergemann zum Beispiel milde Winter, durch die die Zeckenpopulation wächst, und dass in der heutigen Zeit Krankheiten immer mehr auf den Grund gegangen werde und deshalb auch mehr Infektionen festgestellt würden.

Doch was bedeutet die Einstufung als Risikogebiet genau für die Menschen des Landkreises? „Wer in einem Risikogebiet wohnt und bei wem die Exposition besteht, wer also im Grünen unterwegs ist, für den gilt eine Impfempfehlung“, erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes. Bergemann empfiehlt jedem, der beruflich oder in seiner Freizeit viel draußen ist, sich impfen zu lassen. „In Gehölzen und Gräsern warten die Zecken auf den Blättern und schnappen sich den nächsten Warmblüter“, erklärt er. Betroffen seien zum Beispiel besonders Forstarbeiter, Jäger oder Menschen mit Hunden, die viel Zeit im Freien verbringen. Trotz einer Impfung sei es jedoch empfehlenswert, noch durch passende Kleidung wie lange Hosen und geschlossene Schuhe vorzubeugen, denn gegen andere Krankheiten wie Borreliose, die auch von Zecken übertragen werden, gibt es keine Impfung.

Aber Dr. Bergemann weiß natürlich auch: „Bei 30 Grad wird kaum jemand diese Empfehlung befolgen, da muss man realistisch sein.“

Nachdem man draußen war, sollte man sich sofort nach Zeckenbissen absuchen, denn: „Den Stich spürt man nicht“, erklärt der Amtsarzt. „Die Zecke macht das perfekt.“ Wer trotz vorbeugender Maßnahmen eine Zecke findet, kann erst einmal ruhig bleiben, denn Zecken sondern den FSME-Virus nicht sofort ab, es dauere eine Zeit, bis er in den Blutkreislauf gelangt. „Die Zecke sollte mit einer Pinzette möglichst bald entfernt werden. Dafür packt man die Zecke so hautnah wie möglich und zieht sie hinaus“, beschreibt Bergemann. Vor Strategien wie der Anwendung von Klebstoff warnt er: „Bei diesem Stress kann es passieren, dass die Zecke eine Würgeerscheinung bekommt und den Virus verfrüht absondert.

Eva Lang

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