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Endlich gefunden: Hedwig Schneider (M.) ist die Lebensretterin von Vittorio Colombo. Monika Schmidberger (r.) und Maurizio Cornali waren monatelang auf der Suche nach ihr. Den grauen Schal hatte sie in der Nacht vergessen.

"Das ist unser rettender Engel"

Vittorio Colombo hat endlich seine Lebensretterin gefunden

Sie hat ihm Mitte April das Leben gerettet – seitdem ist Vittorio Colombo auf der Suche nach seinem „rettenden Engel". Alles, was er von der Frau hatte, war ein grauer Schal. Doch dank eines Zeitungsartikels kann sich der 70-jährige Italiener nun endlich bei seiner Lebensretterin bedanken.

 

Eigentlich holt sie nie die Zeitung ins Haus, so früh erledigt das sonst ihr Mann. An diesem Morgen schon. Und Hedwig Schneider staunt nicht schlecht, was sie dort auf der Titelseite liest: Ein Mann sucht seine Lebensretterin. Alles, was er von ihr hat, sei ein grauer Schal. Hedwig Schneiders Schal. Denn sie war es, die dem Mann Mitte April das Leben gerettet hat. Erzählt hat sie damals aber niemandem, was in jener Nacht geschah.

Es ist Mitternacht, als Hedwig Schneider in Günding um eine Kurve fährt – und erschrickt: Etwa 15 Leute stehen mitten auf der Straße, wirken völlig aufgelöst. Hedwig Schneider weiß sofort: Da stimmt was nicht. Sie überlegt keine Sekunde, hält an, versucht rauszufinden, ob jemand Hilfe braucht. Da sieht sie Vittorio Colombo liegen. Leblos, ohne Puls liegt der 70 Jahre alte Mann mitten auf der Fahrbahn. Schneider legt ihm ihren blauen Schal unter den Kopf. Die gelernte Krankenschwester beginnt sofort mit der Herzdruckmassage, merkt irgendwann: Der Mann hat wieder einen Puls. Der Rettungsdienst trifft ein, Hedwig Schneider zieht sich zurück, lässt ihren Schal auf der Straße und fährt nach Hause.

Dass sie in dieser Nacht wohl jemandem das Leben gerettet hat, behält die herzliche blonde Frau für sich. Doch gibt es keinen einzigen Tag, an dem sie nicht an diese Nacht zurückdenkt. „Ich wusste doch nicht, ob ich ihm überhaupt was Gutes getan habe. Ich hab’ mich immer gefragt, wie es ihm wohl geht“, sagt sie heute.

Bis zu dem Tag, an dem sie die Dachauer Nachrichten aus dem Briefkasten holt und merkt: Da sucht mich jemand. Vittorio Colombos Familie wollte unbedingt die Frau finden, die dem Italiener bei seinem Deutschlandbesuch das Leben gerettet hat, will endlich Danke sagen. Hedwig Schneider fällt ein ganzer Kieslaster voller Steine vom Herzen. Endlich weiß sie: Der Mann hat überlebt. Aus unserem Zeitungsartikel erfährt sie: es geht ihm sogar richtig gut. Zuerst ist das alles, was sie braucht, um zufrieden zu sein, ist viel zu bescheiden für Lobesreden. Erst Tage später meldet sie sich doch. Möchte dem alten Mann die Freude machen, sich bedanken zu können.

Vittorio Colombo konnte im April zum ersten Mal seit 30 Jahren seinen Neffen und dessen Familie in Dachau besuchen. Nach einem gemeinsamen Abendessen im Gasthaus Groß brach der 70-Jährige plötzlich auf dem Heimweg auf der Straße zusammen. Jetzt ist er wieder zu Hause bei seiner Familie in Apulien und hört zum ersten Mal die Stimme seiner Lebensretterin.

Hedwig Schneider steht bei Colombos Familie in Dachau im Wohnzimmer, die Angehörigen umarmen sie, drücken sie fest. „Da ist er ja, unser Rettungsengel“, sagt Monika Schmidberger und lacht. Sie greift zum Telefon, stellt Vittorio Colombos Stimme auf Lautsprecher. Der alte Mann spricht schnell, laut, kräftig, lacht viel und sagt mehrfach „Bella Donna“ (schöne Frau). „Der war doch eigentlich schon tot“, sagt Hedwig Schneider. Sie schüttelt ungläubig den Kopf, kann nicht aufhören zu lächeln. „Und jetzt klingt er so voller Elan. Das ist unbeschreiblich schön.“

Colombos Familie weiß: Ohne Hedwig Schneider wäre der herzliche alte Mann nicht mehr in ihrer Mitte. Die Feldgedingerin hat dem Mann nicht einfach das Leben gerettet, sie hat ihm eine zweite Chance geschenkt. Nur weil sie sofort mit der Herzdruckmassage begann, wurden seine Organe weiter mit Sauerstoff versorgt – der Grund, wieso der 70-Jährige heute wieder ganz der Alte ist. Fast. Der Mann, der sich zu Hause um seine Frau kümmert, ist nun auch wieder ganz eng mit seiner Tochter zusammengewachsen. „Das Verhältnis der beiden ist jetzt plötzlich noch viel enger“ erzählt Monika Schmidbauer dankbar.

Vittorio Colombos größter Wunsch ist es, einmal seine Lebensretterin, die Bella Donna, in die Arme zu schließen. Der Fußballfan, der am liebsten mit seinem Neffen darüber streitet, ob nun Inter oder AC Mailand der bessere Klub ist, hat nun auch seine Liebe zu Deutschland entdeckt. Er kann nicht fassen, wie nett das Team im Dachauer Krankenhaus zu ihm war, dass es dort extra einen Übersetzer für ihn gab. Deshalb sagt er am Ende des Telefonats im Bezug auf das morgige EM-Viertelfinale: „Ich drücke Italien genauso die Daumen, wie Deutschland“.

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