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Der optimistische Held Candide (Ansgar Wilk) mit seiner angebeteten Kunigunde (Lisa Wittemer), umgeben von Rosen.

Lesung des Hoftheaters auf Schloss Lauterbach

Ein argloser Held, der nach einer Odyssee in seinem Garten zurückkehrt

Lauterbach – Ein Sommerabend auf Schloss Lauterbach zum Genießen: Mit einer Lesung aus einem Klassiker der Weltliteratur, dem Roman „Candide oder wo finde ich die beste aller möglichen Welten“ von Voltaire, erschienen im Jahre 1759, bescherte das Hoftheater Bergkirchen den Besuchern erneut einen außergewöhnlichen Abend.

Es war die zweite Veranstaltung im Innenhof des Schlosses der Familie von Hundt als Rahmenprogramm anlässlich des Musikalischen Theatersommers 2016, veranstaltet vom Hoftheater Bergkirchen in Zusammenarbeit mit Robert und Ingrid Scheingraber. 

Vor der zauberhaften Kulisse der beleuchteten Schlossfassade entführten Christina Schäfer, Lisa Wittemer, Ansgar Wilk und Herbert Müller, die fasziniert lauschenden Zuhörer in die Welt des arglosen Helden Candide. Aus seinem Heimatschloss in Westfalen wird er verbannt. 

So tritt er voller Zuversicht seine abenteuerliche Reise an, auf der er Erdbeben und von Menschenhand verursachten Katastrophen ausgesetzt ist. Sein Lehrer Pangloss (Herbert Müller), der von grenzlosem Optimismus beseelt ist, versucht, ihm die beste aller Welten näherzubringen, „die zum besten aller Zwecke geschaffen sind“. Dabei sind, wie es heißt, „alle Ereignisse miteinander verknüpft“. 

Candide (Ansgar Wilk) verliebt sich in die wunderschöne Kunigunde (Lisa Wittemer), doch ihr Glück währt nur kurze Zeit. Auch sie muss sich auf die Flucht begeben, erfährt Demütigungen und Qualen, wird gleich an zwei Männer verkauft, einen Juden und einen heiligen Mann der Kirche. Nicht weniger tragisch ist die Geschichte der geheimnisvollen Alten (Christina Schäfer), der Tochter eines Papstes, die ebenfalls Höllenqualen ausgesetzt ist. 

In seiner Satire prangert Voltaire mit Witz, Ironie und beißendem Spott den überheblichen Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg und Sklaverei an. Er verspottet das optimistische Menschenbild des deutschen Philosophen Wilhelm Leibniz (1646-1716). Candide muss erfahren, dass die an den Menschen begangenen Grausamkeiten überall gleich sind, ob im alten Europa im Krieg zwischen Preußen und Franzosen oder in der vermeintlich besseren neuen Welt. In Surinam werden Menschen gequält, um den Preis, „dass wir in Europa Zucker essen können“. So ist das eben: „Das Unglück des Einzelnen begründet das Wohl der Gesamtheit.“ 

Candide kehrt nach seiner Odyssee zurück in sein beschauliches Westfalen, um den Garten zu bestellen und heiratet seine inzwischen ziemlich hässliche Kunigunde. Die letzte Frage gilt Voltaire, dessen meterhohes Portrait Ulrike Beckers auf die Schlossfassade projiziert hat: „Warum wurde der Mensch geschaffen?“ Die Antwort: „Um den Garten zu bestellen und das Maul zu halten.“ Mit eingespielten Ausschnitten aus eigenen Kompositionen und Stücken anderer Orchester setzte Max I. Milian musikalisch spannende Akzente.

Ingrid Koch

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