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Manche sind schon süchtig nach dem Handyspiel, aber immerhin bewegen sie sich an der frischen Luft: Auf dem Rathausplatz tummeln sich viele Pokémon – und Pokémon-begeisterte Jugendlichen.

Handyspiel „Pokémon Go“ in der Dachauer Altstadt

Auf Monsterjagd in Dachau

Sie starren auf ihre Handys, bewegen sich dabei in Zeitlupe vorwärts und jagen virtuelle Monster: Viele junge Dachauer befinden sich derzeit im Pokémon-Fieber. Sie bevölkern die Altstadt nahezu rund um die Uhr, ziehen weiter zum Friedhof – manche jagen sogar am Steuer.

Es wimmelt in der Altstadt. Vor Taubsis, Hornlius und Rattfratzen. So heißen die kleinen japanischen Pokémon-Monster, die überall in der Altstadt auftauchen – allerdings nur virtuell sichtbar durch das Spiel „Pokémon Go“ für das Handy. Ein regelrechtes Pokémon-Go-Fieber ist in Dachau ausgebrochen. Mit ihren Smartphones machen sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene auf die Suche nach den 151 verschiedenen Monstern, um möglichst viele einzufangen, trainieren und gegeneinander kämpfen zu lassen. Kurz: Die Spieler wollen der beste „Pokémon-Trainer“ der Welt werden.

In der Dachauer Altstadt sind besonders viele versteckt. Dort haben die Spielentwickler viele der so genannten „Pokéstops“ – mehr oder weniger „sehenswerte“ Orte – auf der virtuellen Spielkarte installiert. Ein solcher Ort ist der Brunnen am Rathaus. Rund 25 Menschen saßen etwa am Montagabend um den Brunnen herum am Rathausplatz verteilt und starrten auf die Bildschirme ihrer Handys. Warum? Im Pokémon-Go-Spiel hatte in diesem Moment jemand ein so genanntes „Lockmodul“ eingesetzt. Das ist eine Art Köder, damit die Monster namens Taubsi und Co. vermehrt an den Brunnen gelockt werden – natürlich nur virtuell auf dem Handy.

Auch die Dachauer Pokémon-Trainerin Vanessa trifft sich dort mit ihren Freunden. „Ich spiele das Spiel, weil man auch mal rauskommt“, erklärt die 18-Jährige und blickte immer wieder auf ihren Handybildschirm. Auf den Handys ihrer Freunde ist ebenfalls der Rathaus-Brunnen auf der virtuellen Karte zu sehen. Genau dort tauchen auch die Pokémon auf. „Ein wildes Karpador erscheint“, heißt es bei Vanessas Kumpel Paul. Das Spiel projiziert das rote fischähnliche Monster über die eingebaute Handy-Kamera in die Umgebung, und siehe da: Auf dem Handybildschirm ist ein roter Fisch zwischen dem Biergarten vom Zieglerbräu und dem Rathausplatz zu erkennen. Ein Wurf mit dem virtuellen „Poké-Ball“ – und schon gehört das „Karpador“ dem 24-jährigen Paul.

„Die Spieler sind ja nicht zu übersehen“, sagt Zieglerbräu-Wirtin Andrea Schneider über die Menschenansammlungen am Rathausplatz. So stehen dort stellenweise bis zu 50 Spieler mit hängenden Köpfen und sammeln die virtuellen Monster, den Blick stets auf das Handy geheftet. „Faszinierend ist auch, zu welchen Zeiten sie dort stehen“, staunte Schneider. Von 10 Uhr in der Früh bis 1 Uhr in der Nacht, manchmal seien auch schon am Vormittag ganz offenbar Schüler unter den Spielenden. „Manche setzen sich auch in unseren Biergarten, weil die Stühle bequemer sind – bestellen wollen sie aber nichts“, erzählt Schneider. Aber die Spieler seien am Ende ganz handzahm, wenn sie ihre Plätze räumen müssen. Der Umsatz des Zieglerbräus sei durch die Pokémon Go-Spieler weder erhöht noch gesunken. „Es ist schon ganz lustig, die Wahnsinnigen zu beobachten“, meint Schneider scherzend.

Manche Pokémon-Trainer zieht es bereits weiter: Vor dem Stadtfriedhof hat eine Gruppe junger Männer nämlich einen neuen Köder gesetzt. „Innerhalb von drei Minuten sind jetzt alle Leute hierher gekommen“, wundert sich einer der Spieler, der lieber unerkannt bleiben will. Denn er und seine Freunde betreiben eher „Pokémon Drive“, fahren also mit dem Auto durch Dachau, um Pokémon zu fangen.

Der 17-jährige Schüler Michael aus Dachau kommt aber mit dem Fahrrad an den Friedhof, natürlich auf der Suche nach Pokémon. Im Gepäck: das Handy. „Ich fahre mit dem Fahrrad, damit meine Pokémon-Eier schneller schlüpfen.“ Aus den Eiern schlüpfen kleine Monster, wenn die Spieler mehrere Kilometer zurücklegen.

Wer aber während des Auto- und Radfahrens Pokémon Go spielt, aufs Handy schaut anstatt auf den Straßenverkehr, muss mit 60 Euro Bußgeld, einer Anzeige und einem Punkt in Flensburg rechnen. „Bei einem Unfall sind die Folgen deutlich gravierender“, erklärt Polizeisprecher Scheid. Bisher gab es im Landkreis laut Björn Scheid allerdings noch keine Zwischenfälle aufgrund des süchtig machenden Pokémon-Spiels. Fahrradfahrer müssen mit einer Geldstrafe von 25 Euro und einer Verwarnung rechnen, wenn sie mit dem Handy am Lenker erwischt werden.

Völlig legal ist dagegen die letzte Disziplin: Pokémon-Kämpfe. Dazu gibt es im Spiel Kampfarenen, die ebenfalls zu Pilgerstätten werden. In der Altstadt ist auf der virtuellen Spielkarte beispielsweise die Gaststätte Bakalikon als Arena eingezeichnet. Für Pokémon-Trainer Paul heißt das: Er schickt ein Pokémon zum Kämpfen in die Arena, um das gegnerische Pokémon zu besiegen. Nach wenigen angespannten Minuten jubelt er: „Geschafft!“ Er hat den Gegner besiegt und die Arena eingenommen. Und ist dem Ziel des Spiels, Pokémon-Meister zu werden, ein Stückchen näher gekommen. 


Maxi Pichlmeier

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