Was ist passiert? Ein Mädchen (l.) steht neben einem Mann mit Totenkopfgesicht, im Hintergrund sind Bäume, die einen Wald andeuten – und rechts, am Rand, steht noch ein Paar alte Trachtenstiefel, verlassen, die eine dritte Gestalt erahnen lassen... foto: mik

Mystisch, märchenhaft, merkwürdig

Dachau - Eigenartig: Ein Kabinett der merkwürdigen Gestalten, Skulpturen und Fotografien zeigen Ignaz Huber und Mary Schmidt derzeit in der Kleinen Altstadtgalerie.

Ein Mann mit einem roten Umhang, eine Figur, aus dessen Ohr ein Pilz wächst, und eine Gestalt, dem der Tod ins Gesicht geschnitzt scheint: die Holzskulpturen vom jungen Künstler Ignaz Huber haben alle etwas Eigenartiges an sich. Für den 26-Jährigen, der aktuell auf der Akademie der bildenen Künste in Nürnberg in der Bildhauerklasse studiert, ist die Ausstellung in der Kleinen Altstadtgalerie die erste große in Dachau.

Die macht er aber nicht allein: Seine Freundin Mary Schmidt, die er schon auf der Gestaltungs-FOS in München kennenlernte, stellt ihre Fotografien und Kermaik-Skulpturen aus. „Einige der Figuren sind vom Märchen ,Der Goldene Topf’ von E.T.A. Hoffmann aus der Romantik inspiriert“, erklärt Ignaz Huber. In dieser mystischen Geschichte kommen auch allerhand merkwürdige Charaktere vor. Allgemein habe ihm das Mystisch-märchenhafte in der letzten Zeit stark beschäftigt.

Besonders deutlich wird dies bei einer Holzskulptur ohne Titel. Ein Mädchen steht neben einem Mann mit Totenkopfgesicht, im Hintergrund Bäume, die einen Wald andeuten und daneben eine kleine goldene Schale. Am Rand steht noch ein Paar alte Trachtenstiefel, die eine dritte Gestalt erahnen lassen. Doch was ist mit dieser passiert? Die Betrachter haben die Freiheit für eigene Interpretationen.

Trachtenstiefel, das sind eigentlich Dinge, die man aus Hubers Arbeiten kennt. Auf der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei in Berchtesgaden beschäftigte sich der Dachauer hauptsächlich mit Männerdarstellungen in Dachauer Tracht - eine Figur hat es sogar schon ins Dachauer Rathaus geschafft. Auch in der jetzigen Ausstellung sind zwei Männer in Tracht zu sehen, doch diese übersteigen die übliche Größe. „Auf der Akademie ist einfach mehr Platz als im Atelier meines Vaters“, erklärt Huber, Sohn des Kirchenmalers Christan M. Huber. Deshalb sei er dazu übergegangen, auch größere Arbeiten zu gestalten. Dazugekommen sind jedoch ganz kleine Skulpturen: Die Bronzefiguren, die meist Menschengestalten oder Tiere zeigen. „Ich wollte das Material einfach mal ausprobieren“, sagt er.

Die gebürtige Münchnerin Mary Schmidt scheint ebenso ein Faible für kuriose Gestalten zu haben, doch erinnern ihre Figuren weniger an Märchen, sondern vielmehr an Zirkus. So entstand auch der Name der Ausstellung „Kabinett - Goldener Topf“. Mit Keramik modellierte sie beispielsweise die Büste eines „Einweisers“ und die einer „Artistin“. Ihre Fotografien scheinen zufällige Schnappschüsse aus dem Alltag zu sein. Erst ihre Gruppierung, ihr Arrangement und ihr Titel regen zu weiteren Gedanken an. Alle Fotogruppen haben mit dem Leben selbst zu tun. Eine Frau mit ihrem Kind, eine geschnittene Honigmelone, Schwimmflügel und ein trockener Boden, aus dem neues Grün sprießt, nennt die junge Künstlerin „Saft des Lebens“. Die Dreiergruppe „Gefangen im Leben“ beschäftigt sich dagegen mit der Kehrseite. Einzelne Fotos stehen für sich und im Kontext mit dem Arrangement im Raum. So zeigt das Foto „Festwiese“ grünes Gras und klar erkennbar einen Gitterzaun. Der Platzeinweiser mit seinem roten Anzug steht direkt daneben, drum herum hängen gedrechselte, rot glasierte Äpfel von ihrem Freund. Auf der anderen Seite des Fotos steht Hubers schleichender Leopard, der durch nicht weggesägte Holzpartien gefangen scheint. „Freiheit“ ist das Thema dieser perfekt arrangierten Ausstellungsecke. Neben Hubers lebensgroßem Holzmädchen mit Kleid und Schürze steht Schmidts Sahnetorte aus Keramik - nur eines der vielen Beispiele, dass sich hier nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Künstler gefunden haben.

(mik)

Die Ausstellung „Kabinett - Goldener Topf“ in der Kleinen Altstadtgalerie in der Burgfriedenstraße 3 ist noch bis zum 18. Dezember geöffnet. Die Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr.

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