Personalmangel im Krankenhaus?

Enkelin kritisiert Versorgung der Großmutter in Dachauer Klinik

Dachau - Herumliegende, benutzte Kanülen, Staub und Blutflecken am Boden, Pfleger, die sich nicht ausreichend kümmern: Tanja Labriola übt Kritik an der Versorgung ihrer Großmutter im Helios-Amper-Klinikum. 

Die Vorwürfe, die Tanja Labriola gegen das Helios-Amper-Klinikum in Dachau erhebt, sind gravierend: Über mehrere Stunden hinweg haben sich die Pflegekräfte nicht um ihre 82-jährige Großmutter gekümmert. „Wenn ihre Windel voll war, wurde sie erst nach Stunden gewickelt“, sagt die 26-jährige Enkelin. Sie geht sogar noch weiter: „Ich würde nie wieder einen Angehörigen in diese Klinik geben.“ Vor wenigen Tagen verstarb ihre Großmutter im Dachauer Klinikum – an einer Lungenentzündung. Ihr Tod ist allerdings nicht mit den pflegerischen Maßnahmen in Verbindung zu bringen. 

Die hygienischen Umstände im Krankenhaus seien eine Katastrophe, kritisiert die Dachauerin. Sie ist selbst Alten- und Krankenpflegerin und erzählt verärgert: „Im Bett waren lauter Blut- und Kotflecken. Außerdem lagen einfach Kanülen mit Blut im Zimmer herum.“ Auf Anfrage verweist die Pressesprecherin des Amper-Klinikums, Romana Bronner, darauf, dass sich das Klinikum wegen der Schweigepflicht zu Einzelheiten des Falles nicht äußern könne. „Wir bedauern sehr, dass die Angehörige mit der Pflege ihrer Großmutter in unserem Klinikum unzufrieden war.“ Außerdem schreibt sie: „Seitens des Klinikums stellen wir hohe Ansprüche an die Pflege und Versorgung unserer Patienten.“ 

Wegen einer Lungenentzündung war Labriolas Großmutter Mitte August in das Helios Amper-Klinikum gekommen. Zehn Tage lang war sie dort untergebracht. „In dieser Zeit haben sie nur einmal das Zimmer sauber gemacht“, sagt Labriola. Denn der Staub und die Blutflecken am Boden seien über mehrere Tage hinweg geblieben. Darüber hinaus klebten Essensreste am Beistelltisch. Außerdem wurde ihre 82-jährige Großmutter durch einen Schlauch mit Sauerstoff versorgt, der „aber meistens neben der Nase hing“, sagt Labriola. 

Darüber hinaus kritisiert die 26-Jährige die pflegerische Betreuung in der Dachauer Klinik. Denn ihre Großmutter war bettlägerig, hatte Parkinson und Pflegestufe eins – sie war auf Hilfe angewiesen. Pflegestufe eins bekommen Menschen, die in den Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität mindestens zweimal täglich mehr als 45 Minuten Hilfe brauchen. 

Eine Schwester fängt zu weinen an, als sie darauf angesprochen wird

Die bekam ihre Großmutter allerdings auf der Station 3A im dritten Stock nicht, sagt Labriola: „Der Service hat das Essen und die Getränke einfach hingestellt. Es stand aber nicht griffbereit, und niemand hat meine Oma gefüttert.“ Die Großmutter habe die Pflegekräfte zwar um Hilfe gebeten, wurde aber immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen, so Labriola: „Später ist aber nie jemand gekommen – das ist das Traurige.“ Deshalb habe sie sich mit ihrer Mutter und Schwester abgewechselt, um die Großmutter selbst zu füttern. Außerdem nahmen sich die Pflegekräfte keine Zeit, ihrer Oma in den Rollstuhl zu helfen: „Sie hatte gar keine Möglichkeit, dass sie sich bewegen konnte.“ 

Schließlich sprach die 26- jährige Alten- und Krankenpflegerin eine Schwester auf die Missstände auf der Station an. „Sie fing zu weinen an und sagte, ich soll mich bei der Information beschweren, da großer Personalmangel besteht.“ Für Tanja Labriola ist das eine wenig tröstliche Aussage, denn in ihren Augen spart das Helios Amper-Klinikum an den falschen Stellen: „Das ist einfach menschenunwürdig, was da passiert.“ 

Klinik-Pressesprecherin Romana Bronner betont wiederum: „Wir nehmen die Beschwerde sehr ernst und gehen ihr nach.“ Die Klinikleitung bot Labriola außerdem ein persönliches Gespräch an.

Anna Schwarz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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