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Schon hinter Gerüst und Plane verborgen: die Uhr von St. Jakob.

Pfarrei St. Jakob in Dachau sammelt Spenden

Renovierung eines Wahrzeichen - mit Hilfe der Bürger

Dachau - Statt dem gewohnten Glockengeläut schrillen die Alarmglocken. Der Kirchturm von St. Jakob ist alt, marode und rissig. Eine dringende Sanierung tut Not. Deshalb ruft die Pfarrei nun zur Spendenaktion auf.

44 Meter ragt er in die Höhe, er erfüllt die ganze Altstadt mit lautem Glockengeläut, wenn seine goldverzierte Uhr die Stunden schlägt. Mit seinem Zwiebeltürmchen aus Kupfer, das sich mit der Zeit grün verfärbt hat, krönt er die Silhouette der Stadt: der Kirchturm von St. Jakob. 

Eine erste Nennung im Jahre 805 gibt einen groben Anhaltspunkt, wie alt das Wahrzeichen Dachaus, das schon zur bayerischen Landvermessung beigetragen hat, wirklich ist. Nun wird der Turm einer grundlegenden Sanierung unterzogen, da die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Risse in der Mauer, Feuchtigkeit, die von außen eindringt, und marode Treppen- und Leitesteige aus Holz im Inneren des Turms gefährden die Sicherheit von Wartungspersonal, das des Öfteren nach dem ebenfalls angeschlagenen Glockenstuhl sehen muss. 

Bereits 2012 wurde das Verfahren eingeleitet, um rechtzeitig vom erzbischöflichen Baureferat genehmigt zu werden. Gut 1,4 Millionen Euro werden die Reparaturen an Ebenen für Treppen, Leitersystemen sowie der Fassade kosten und etwa anderthalb Jahre dauern. Mit der Aktion „Ein Dachauer Wahrzeichen braucht Ihre Hilfe“ rufen der Kirchenpfleger Franz Blatt und Pfarrer Wolfgang Borm zu Spenden auf. 

Denn die Pfarrei muss 30 Prozent der Kosten – also 424 000 Euro – selbst tragen, die restlichen 987 000 Euro übernimmt das erzbischöfliche Ordinariat. „Um die Kosten zu bewältigen, möchten wir zusätzlich zu unseren Rücklagen mit Benefizveranstaltungen wie zum Beispiel einem Konzert der Chorgemeinschaft, versuchen, noch ungefähr 80 000 Euro an Spendengeldern aufzubringen“, so Borm. Franz Blatt ist zuversichtlich: „Unsere Pfarreimitglieder spenden gut, und auch die Bürgerbeteiligung ist bei solchen großen Projekten meist recht hoch.“ 

Schließlich gehe es nicht nur um den kirchlichen Aspekt, sondern um den Erhalt eines bekannten Wahrzeichens, was alle Bürger betreffe. „Viele Plakate, Broschüren, Bilder und selbst städtische Busse tragen im Logo den Kirchturm von St. Jakob“, weiß der Kirchenpfleger. 

Das Gerüst am Kirchturm steht bereits. Die Renovierungsarbeiten außen haben mit Abwascharbeiten und dem Abtragen des alten Verputzes begonnen, das Kirchenschiff benötigt außen ebenfalls einen neuen Anstrich. Die Maurerarbeiten sollen bis Ende August abgeschlossen sein. Auch die Epitaphien – die Grabplatten außen an der Kirchenmauer – müssen restauriert werden, was zusätzlich 40 000 Euro kosten wird. Einen Zuschussantrag habe man an die Stadt schon gestellt. 

Die größte Herausforderung wartet allerdings bei den Innenarbeiten im Turm: „Das 400 Jahre alte Holz soll beim Neubau der Treppen und Leitern wiederverwendet werden“, sagt Pfarrer Brom stolz. Ein sicherer Leitergang durch den Glockenstuhl bis in die Zwiebel hoch ist geplant. Außerdem soll eine Glocke wegen des Klangs eventuell tiefer gehängt werden. Begehbar wird der Turm aber leider nach wie vor nicht sein, weil es dafür eine zweite Sicherheitstreppe geben müsste, für die kein Platz ist. 

Andere Details wie die Bleiumrandung außen am Turm und die Verblechung müssten bei der Reparatur auch berücksichtigt werden. Ende November solle das Gerüst dann auf die Südseite gegenüber des Rathauses verlagert werden. Im Frühjahr 2017 folge dann die Nordseite, bevor die Arbeiten voraussichtlich im Oktober 2017 ganz fertiggestellt werden.

 „Eine Sanierung des Inneren der Kirche danach steht bei uns auch schon auf dem Programm“, kündigte der Kirchenpfleger an. Diese wird nochmals etwa um eine Million Euro kosten. „Aber eins nach dem anderen“, schmunzelt Franz Blatt. Zuerst werde nun für die äußere Schönheit der Kirche gesorgt. Denn eines steht fest: Ohne den gepflegten Kirchturm von St. Jakob wäre die Dachauer Silhouette nicht die selbe.

Susanne Just

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