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Auf und vor den Bühnen war der Polizeieinsatz beim Festival Riding Higher ein Thema.

Zivilen Einsatz verhindert?

"Riding Higher": Polizei fühlt sich schikaniert

Odelzhausen - Polizeidirektor Thomas Rauscher wirft den Organisatoren des Riding-Higher-Festivals vor, „die polizeiliche Arbeit im Keim erstickt“ zu haben. Doch die wehren sich.

Update vom 29. Juli:Die Vorwürfe der Polizei im Zusammenhang mit dem Riding-Higher-Festival wurden von unseren Usern heftig diskutiert. Eine Auswahl an Stimmen zum Riding-Higher-Festival haben wir bereits zusammengestellt! 

Polizei: Es wurde zu massiv vor uns gewarnt

Sprecher Ludwig Gasteiger sagt, man habe lediglich ein wenig zivilen Ungehorsam gezeigt. Rauscher ist aber der Meinung, dass zu massiv vor seinen Beamten gewarnt wurde - und sie deshalb den Einsatz frühzeitig abbrechen mussten.

Schon eine Woche vor dem Festival waren die Organisatoren mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit gegangen, die Polizei plane einen massiven, unverhältnismäßigen Einsatz mit 45 Beamten in Zivil. Als dann die Besucher am Freitagnachmittag kamen, wurden ihnen Handzettel mit dem gleichen Hinweis ausgehändigt. Und während das Festival lief, „wurde die Präsenz der Polizei auf dem Festivalgelände mehrfach mittels Lautsprecher an alle Festivalbesucher bekanntgegeben“, teilte Thomas Rauscher mit. Der Leiter der Polizeiinspektion Dachau schrieb selbst in einer Pressemitteilung: „Es wurde die polizeiliche Arbeit im Keim erstickt.“ Denn die Durchsagen haben dazu geführt, dass seine Beamten schnell enttarnt worden seien.

Ludwig Gasteiger, Sprecher des veranstaltenden Vereins „Move Together“, räumt zwar ein, dass Handzettel und Durchsagen auch zu „einigen unschönen, paranoiden Szenen“ geführt hätten. So sei der eine oder andere normale Besucher zu Unrecht verdächtigt worden, ein ziviler Polizeibeamter zu sein. Im Großen und Ganzen sei das Festival aber - wie immer - sehr ruhig abgelaufen, und auch die Polizisten auf dem Gelände seien „sehr zurückhaltend“ aufgetreten, lobt Gasteiger.

Die Polizei beendete jedenfalls ihren Einsatz frühzeitig und packte unverrichteter Dinge im Laufe des Freitagabends ihre Sachen. Auch der Aktionsstützpunkt am Odelzhauser Feuerwehrhaus wurde abgebaut. Denn: Drogen wurden nicht gefunden, weder bei den Besuchern selbst, noch in den Fahrzeugen, die die Polizei auf der Anfahrt untersuchte. Doch genau das war laut dem Polizeichef der Grund für den großen personellen Einsatz gewesen: „Bei der letzten Riding-Higher-Veranstaltung war Rauschgiftkonsum aufgefallen.“

Doch auch hier hat der Festivalveranstalter eine gänzlich andere Meinung: „Das kann ich überhaupt nicht bestätigen“, sagt Gasteiger. Er ist im Landkreis als stellvertretender Geschäftsführer des Kreisjugendrings und als Grünen-Kreisrat bekannt. „Es kann schon sein, wie auf anderen Festivals auch, dass leichte Rauschmittel wie Marihuana auftauchen. Aber die Polizei war ja schon die letzten Male da, und da gab es nie etwas.“

Gasteiger bleibt dabei: Der verdeckte Großeinsatz - der dann keiner mehr war - sei eine „Diffamierung einer bestimmten Gruppe Kulturschaffender“. Deshalb habe man zwar die Mitarbeiter und die Besucher darauf hingewiesen, sich den Polizisten gegenüber „freundlich und kooperativ zu verhalten - gleichzeitig wollten wir die Unverhältnismäßigkeit aber schon deutlich machen“. Durchsagen und Handzettel wertet Gasteiger in dieser Hinsicht als „ein gewisses Maß an zivilem Ungehorsam“.

Dazu gehörte auch, dass er sich am Eingang zunächst den Dienstausweis jedes Beamten zeigen ließ und jeweils den Namen notierte. Ein Bändchen ums Handgelenk, wie die normalen Besucher, bekamen die Beamten aber nicht - obwohl sie den Eintritt auch bezahlen wollten. „Dann hätten sie auch gleich die Uniform anziehen können“, so Michael Richter, Sprecher der Dachauer Polizei. Es seien sogar Verhandlungen mit dem Veranstalter nötig gewesen, dass überhaupt Beamte auf das Gelände gelassen wurden, „obwohl der Veranstalter gesetzlich verpflichtet ist, der Polizei Zutritt zu gewähren“, schimpft Thomas Rauscher. „Wir haben nur unser Recht als Hausherr eingefordert“, kontert Ludwig Gasteiger.

Die Präsenz der Beamten wurde dann auch noch von dem einen oder anderen Musiker auf den Bühnen thematisiert. „Na ja, das können wir halt nicht beeinflussen“, sagt Gasteiger, „da hat vielleicht der eine oder andere schon schlechte Erfahrungen in dieser Richtung gemacht“.

Letztlich drehte sich alles um die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes der 45 zivilen Beamten. Der Verein Move-Together argumentiert, man sei ja „zur Hälfte ein Dorffest“ und bekomme auch aus der örtlichen Bevölkerung („vom Bauhofleiter bis zum Bürgermeister“) die Rückmeldungen, dass alle das Ganze überzogen finden. Die Polizei findet dagegen ihre Präsenz „auf einem Festivalgelände mit ca. 2000 Besuchern“ nicht ungewöhnlich. Polizeiliche Präsenz, gerade bei Verdachtsmomenten, sei auf Festivals üblich, so Rauscher.

Er deutet im Übrigen noch ein anderes Motiv dafür an, dass die Arbeit seiner Kollegen unmöglich gemacht wurde: „Warum reagiert der Veranstalter so? Muss man hier zum Schluss kommen, dass er ganz genau weiß, was auf seinem Festival-Gelände abläuft, und er deswegen die polizeilichen Maßnahmen boykottiert?“

(tor)

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