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Warum auf dem Radlweg, wenn's doch eine Straße gibt...

Streitpunkt im Verkehr

Wenn Radler die Radlwege meiden

Dachau - Radfahrer auf der Landstraße – und direkt daneben ein Radweg: Darüber ärgern sich viele Autofahrer. Die Rechtslage ist klar: Wo ein offizieller Radweg vorhanden ist, muss dieser auch benutzt werden. Doch eine Umfrage bei Radsportlern und Behörden zeigt, dass es so einfach nicht ist.

Das Radwegenetz im Landkreis Dachau wird mehr und mehr ausgebaut – und trotzdem bleiben geteerte Radwege ungenutzt – vorwiegend von Rennradfahrern. Aber trotz unterschiedlicher und durchaus auch nachvollziehbarer Argumentation aus Sicht der Polizei, der Verkehrswacht oder der Fahrradclubs steht eines fest: Für alle Verkehrsbeteiligten steht die allgemeine Sicherheit im Vordergrund.

Wann müssen Radwege eigentlich benutzt werden – und wann nicht? Grundsätzlich gibt es eine Benutzungspflicht für Radwege, wenn diese als solche kennzeichnet sind (siehe Kasten). Karl-Heinz Kellerer, stellvertretender Sachgebietsleiter Verkehr der Polizeiinspektion Dachau, ist von den Radwegen im Landkreis Dachau überzeugt: „Wir haben sowohl inner- als auch außerorts größtenteils gut ausgebaute Radwege.“ Aber Radrennfahrer fahren oft auf der Straße daneben. „Sie bringen als Ausrede gerne vor, dass auf den gemeinsamen Fuß- und Radwegen auch ältere Leute oder Kinder unterwegs sind und ihr Sport unter deren Behinderung leide, weil sie eben lieber auf der Straße fahren wollen“, weiß Kellerer. Das Risiko, auf der Straße zu fahren, nähmen sie dafür auch gerne in Kauf.

Auch in den Orten passiere oft viel, da sogenannte „Geisterradler“ oft auf der falschen Straßenseite fahren würden. „Dass ihnen auf der eigenen Seite ein Rad entgegenkommt, darauf sind die Autofahrer nicht vorbereitet. Ganz davon abgesehen ist es außerdem eine Ordnungswidrigkeit“, sagt der Verkehrsexperte. Deshalb empfiehlt er ganz allgemein, die Radwege zu benutzen.

Ähnlich sieht die Lage Beate Rexhäuser von der Grund- und Mittelschule Erdweg. Sie ist gleichzeitig Fachberaterin für Verkehrs- und Sicherheitserziehung des gesamten Dachauer Landkreises und bereitet junge Schüler auf das Radfahren vor. Durch ihren geschulten Blick zu diesem Thema fallen ihr auch immer wieder Rad- und Rennfahrer auf, die die Radwege wegen langsamerer Benutzer vernachlässigten und sich deshalb auf den Straßen großer Gefahr aussetzten. „Darunter leidet natürlich die Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche“, gibt Rexhäuser zu bedenken.

Eine etwas andere Sichtweise hat der Vorsitzende des Radsportvereins Soli Dachau, Wolfgang Moll. Er gibt zwar zu, dass sich die Radwege in und um Dachau in den letzten Jahrzehnten „enorm verbessert“ haben und der Radfahrer deshalb keine Veranlassung zur Beschwerde hätte, jedoch seien manche zu eng oder müssten ordentlicher sein: „Es kommt vor allem im Frühjahr und Herbst durchaus vor, dass die Pflege der Radwege eher stiefmütterlich behandelt wird.“ Das sei der Hauptgrund dafür, dass manche Radler auf die Straße ausweichen würden, allerdings aber auch eine Ausnahme: „Ich halte unsere Mitglieder schon dazu an, die Radwege zu benutzen, wenn möglich“, sagt der Soli-Vorsitzende.

Allerdings haben bei starker Behinderung durch Laub oder Schnee die Straßen Vorrang, so Moll: „Dann ist für alle Straßenbenutzer natürlich das Gebot der Sicherheit am höchsten.“ Dazu gehöre auch zu wissen, dass der Radfahrer im Straßenverkehr eben der Schwächere sei und man sich dementsprechend verhalten solle.

Hans Schoger vom Vorstand des ADFC Dachau spricht ein anderes Problem an: Die Radwege seien oft zu holprig, um sicher befahren zu werden. Seiner Meinung nach seien die Radwege im Landkreis nur zu 70 Prozent zufriedenstellend. Dazu komme, dass die Radwege zum Teil zu kurvig oder über hohe Anstiege geführt würden: „Die Bajuwarenstraße wäre ein Beispiel dafür. Das ist dann vielen zu mühsam, weshalb sie sich eher der Gefahr auf der Straße aussetzten“, erklärt Hans Schoger. Auch die Schotterwege am Amper/Ammerweg und zwischen Ampermoching und Hebertshausen seine grenzwertig. Er persönliche halte seine Radlerkollegen auch dazu an, nicht auf gefährlichen Straßen zu fahren. „Das stößt aber leider oft auf taube Ohren."

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