Kämpft gegen das Vergessen: Lokalmatador Helmut Beilner.    don

Sie sammeln, damit keiner vergisst

Dachau/Schwabhausen - Kein Material über die Nachkriegszeit? Das war gestern. Denn die Geschichtswerkstatt im Dachauer Landkreis, ein Projektzusammenschluss verschiedener Träger, hat fleißig gearbeitet.

Die Geschichtswerkstatt Dachau nimmt ihre Arbeit an einem Punkt auf, an dem es immer schwieriger wird, Informationen aus erster Hand zu erhalten: Die Reihen der Zeitzeugen lichten sich. Dr. Norbert Göttler, damals noch Kreisheimatpfleger des Landkreises Dachau, hat das Projekt initiiert, unterstützt haben es viele.

In der Ausstellung „Kriegsende und Nachkriegszeit im Landkreis Dachau (1945-49)“ kommen die regionalhistorischen Forschungen begeisterter und engagierter Heimatforscher zum Tragen. Sie beleuchten die Situation nach dem Krieg auf Landkreisebene. Dazu war ein Forscherteam um Professor Dr. Helmut Beilner aktiv und hat viele Erinnerungen aus dem heutigen Gemeindegebiet Schwabhausen aufgegriffen, hat Fotos und vieles mehr gesammelt. Das alles kann auf 14 großen Informationsplakaten und in Vitrinen bis 8. Februar zu den üblichen Öffnungszeiten des Schwabhauser Rathauses nachgelesen und besichtigt werden.

Bei der Eröffnung am Freitagabend wollte das kleine Rathausfoyer schier aus allen Nähten platzen. Unter den weit über 100 Gästen waren zahlreiche Kommunalpolitiker wie Bezirkspräsident Josef Mederer, Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath und viele Bürgermeister aus dem Landkreis. In Redebeiträgen berichteten Schwabhausens Bürgermeister Josef Baumgartner, Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler, Projektleiterin Dr. Annegret Braun, vor allem aber Helmut Beilner, der sich selbst als Lokalmatador bezeichnete, vom Werdegang und der Besonderheit dieser Ausstellung, die dank vieler Fördergelder entstehen konnte. Sie wird in den folgenden beiden Jahren in vielen Landkreisgemeinden präsentiert.

Es ist der geschichtliche Lupenblick, der hier gezeigt wird - und die Geschichte des kleinen Mannes. Und nur die Menschen vor Ort können diese Erlebnisse zu Tage fördern, resümierte Dr. Norbert Göttler. Es ist die Geschichte der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die hier hautnah erlebt werden kann, sagte die Leader-Managerin Oberbayern-Nord, Irmgard Neu-Schmid, die von einem innovativen, nachhaltig kulturellen Gesamtwerk sprach. Sie schloss ihre Ausführungen mit einem Goethe-Zitat: „Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“

Mit Helmut Beilner ging die Begeisterung durch: Er lobte sein Team, berichtete von Einzelheiten und gelungener Integration, die in diesem Maße wohl Seltenheitswert hat: 70 Personen aus 19 donauschwäbische Familien haben allein im heutigen Arnbach eine neue Heimat gefunden.

Die Ausstellung Kriegsende und Nachkriegszeit in Schwabhausen kann bis 8. Februar besichtigt werden: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr, Montag und Dienstag 14 bis 16 Uhr. Führungen für Gruppen und Vereine können mit Prof. Beilner (0 81 38/17 32) vereinbart werden. (don)

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