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Applaus für die Familie Ayo-Al Sheikh: Vater Abdul Aziz Ayo, Sulaiman Ayo, Yazdan Ayo, Aida Al Sheikh und Dilyar Ayo (v.l.) wurden mit dem Hermann-Ehrlich-Preis ausgezeichnet.

Hermann-Ehrlich-Preis

Diese Familie berührt die Herzen

Dachau - Selten ist eine Preisverleihung so herzberührend. Das Bündnis für Dachau hat gestern den Hermann-Ehrlich-Preis an eine syrische Familie vergeben – als Vorbild für Integration und ehrenamtliches Engagement. Nicht nur die Preisträger, auch viele Besucher kämpften mit den Tränen.

So richtig fassen können sie es noch nicht, als Abdul Aziz Ayo (60), Aida Al Sheikh (51) und ihre Söhne Yazdan (25), Sulaiman (30) und Dilyar (19) vor dem Publikum im Erchana-Saal im Ludwig-Thoma-Haus stehen. Immer wieder schauen sie sich an, sie strahlen, Aida kämpft mit den Tränen. Politiker, Stadträte, Flüchtlingshelfer, Freunde – alle applaudieren minutenlang. Schließlich gibt es sogar Standing Ovations für Familie Ayo-Al Sheikh, eine syrische Flüchtlingsfamilie.

Deren Fluchtgeschichte hat schon viele Kapitel, jetzt ist ein weiteres dazu gekommen: Dieses Mal ein fröhliches, hoffnungsvolles Kapitel. Das Bündnis für Dachau hat ihnen mit 1000 Euro dotierten Hermann-Ehrlich-Preis verliehen. Die Auszeichnung ist nach dem 2011 verstorbenen Sozialpädagogen und Musiker Hermann Ehrlich benannt, der sich für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt hatte. Über die Preisträger hatte eine Jury, bestehend aus Ehrlichs Witwe Margot Heinze-Ehrlich, den Bündnis-Politikern Marion Böhm, Kai Kühnel und Helmut Geißler, dem Historiker Jürgen Zarusky, der Redaktionsleiterin der Dachauer Nachrichten Nikola Obermeier sowie Walter Gierlich von der Süddeutschen Zeitung entschieden.

Die Entscheidung fiel für Familie Ayo-Al Sheikh, weil sie sich nicht nur selbst sehr schnell in Deutschland integriert hat, sondern sich auch noch ehrenamtlich engagiert. „Familie Ayo-Al Shikh wirkt aktiv mit und ist dort präsent, wo andere Menschen Hilfe brauchen“, erklärte Waltraud Wolfsmüller vom Dachauer Asyl-Helferkreis in ihrer Laudatio.

Die Familie stammt aus der Stadt Ras al-Ain nahe der türkischen Grenze und hatte dort lange Jahre ein gutes Leben. Vater Abdul Aziz arbeitet als Rechtsanwalt, seine Frau Aida als Kinderpflegerin. „Die Söhne Sulaiman und Yazdan besuchten als Muslime eine christliche Schule“, sagt Wolfsmüller. Der jüngste Sohn Dlyar konnte nicht zur Schule gehen, er ist seit seiner Geburt blind. In ihrer Heimat setzte sich die Familie seit einem Vorfall im Jahr 2004 für inhaftierte Kurden ein, immer wieder bekam sie deswegen Repressalien zu spüren. Als im Jahr 2011 der Bürgerkrieg ausbrach, floh Aida mit Dlyar nach Deutschland. 2013 kamen Yazdan und der Vater nach, 2015 dann Sulaiman.

Bei der Preisverleihung stellten sich alle in einem kurzen Film vor. Sie sind eine herzliche, fröhliche Familie, die fest zusammenhält. Vielleicht auch deswegen, weil die Zeit der Trennung noch immer nicht vergessen ist: „Bis jetzt habe ich noch immer Angst, meine Familie zu verlieren“, erzählt Aida Al Sheikh. „Jede Nacht kommt dieser Traum wieder.“

Trotzdem können in Deutschland alle wieder ein bisschen positiver in die Zukunft schauen. Dlyar geht ins Blindeninstitut und lernt dort deutsch. Yazdan Ayo, der in Syrien noch Jura studiert hatte, studiert jetzt internationale Wirtschaft. Sulaiman Ayo ist ausgebildeter Zahnarzt und setzt gerade alles daran, um wieder in diesem Beruf arbeiten zu können.

Doch den Familienmitgliedern ist es auch wichtig, für andere da zu sein, zum Beispiel als Übersetzer für Asylbewerber. Die Mutter betreut im Blindeninstitut ehrenamtlich Schüler und kümmert sich im Mutter-Kind-Deutschkurs der Caritas um die Kinderbetreuung. Vater Abdul übersetzt syrische Dokumente und macht eine Fortbildung zum Kulturdolmetscher. Yazdan Ayo hat anderen Flüchtlingen Alphabetisierungskurse gegeben und stellt die Situation syrischer Flüchtlinge in der Öffentlichkeit dar. Sein älterer Bruder Sulaiman engagiert sich als Zahnmediziner beim Malteser Hilfsdienst.

Bei der Preisübergabe wurde eine „Demokratie-Schüssel“ überreicht, ein Kunstwerk der Keramikerin Claudia Flach. Demokratie – für Familie Ayo-Al Sheikh ist das mehr als nur eine lose Worthülse. Für sie ist es ein großes Geschenk. „Ohne Angst die Meinung sagen zu können, ist ein Palast“, betonte Yazdan Ayo in einer Dankesrede. „Ich freue mich einfach, Mensch zu sein und mit anderen Menschen in Frieden und Sicherheit zu leben.“ Mit diesen Worten berührte er nicht nur seine Eltern und seine Brüder, sondern das ganze Publikum. So sehr, dass es zum zweiten Mal Standing Ovations gab. (cla)

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