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Bergers „Karawane“ entwickelte sich schnell zum Verkaufshit. Als die ersten 500 Exemplare zusammengeleimt waren, gratulierten die Mitarbeiter.

50. Todestag von Hans Berger

Der Schöpfer der Karawane

Er war ein Pionier in der Campingbewegung: Hans Berger. Von 1932 an betrieb er in der Rothschwaige die Faltboot-, Zelt- und Wohnwagenfabrik Sport Berger. Heute vor 50 Jahren starb er im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt.

Rothschwaige – „Ich weiß noch, es war der Nachmittag des 30. September, ein Freitag. Meinem Vater war es schon am Vorabend nicht gut gegangen. Der Arzt hatte ihn untersucht, wollte ihn aber wegen des Risikos nicht transportieren“, erzählt Hans Bergers Tochter Margarete Holbe-Berger. Noch während der Arzt am Nachmittag nach seinem Patienten schaute, starb Hans Berger. „Ich stand auch am Bett. Es war ein Schock.“ Zumal erst acht Jahre zuvor ihre Mutter gestorben war.

Das Foto von Hans Berger hing auch im Verkaufsraum der ehemaligen Fabrik in der Rothschwaige.

Nachdem Hans Berger nur eine Tochter hatte, führte die damals 32-Jährige zusammen mit ihrem Mann das Lebenswerk ihres Vaters weiter. „Mein Vater war ein Unternehmer mit vielen Ideen und ein herzensguter Mensch.“ Zudem war er Autodidakt. Denn der geborene Münchner hatte in seiner Jugend in München eine Banklehre absolviert. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er bei einer Firma für Elektrogeräte. Zugleich gründete er mit dreien seiner Faltbootfreunde die Bayerische Faltbootwerft (BAFAWE). „Damals hat das Faltbootgeschäft geboomt“, erinnert sich Margarete Holbe-Berger. Doch nach ein paar Jahren, 1924, gingen die vier Freunde auseinander, Hans Berger gründete im Alter von 27 Jahren seine eigene Firma in München. „Diese entwickelte sich gut. Der Verkauf erfolgte über Messen und Kataloge“, berichtet Holbe-Berger. Als es für die Firma in München zu eng wurde, zog diese in die Rothschwaige. „Parallel zu den Faltbooten hat mein Vater Zelte entwickelt. Denn es wollten immer mehr Faltbootfahrer am Fluss oder See bleiben und dort übernachten.“

Das Sortiment von Sport Berger wurde breiter, bald gab es unter anderem auch Rucksäcke und Ski. „Mitte der 30er Jahre hat sich dann das Wohnwagenthema immer weiter vorgeschoben“, berichtet Holbe-Berger. Ihr Vater baute 1935 einen Faltwohnanhänger mit dem Namen „Hausdabei“. Es war der erste Wohnwagen, der in Deutschland in größerer Serie hergestellt wurde. Einen Verkaufshit landete Berger zwei Jahre später mit seinem Modell „Karawane“: Der Wohnanhänger war nur 490 Kilogramm schwer und konnte auch von zugschwachen Autos befördert werden. „In der Zeit ist an jedem Tag ein Wohnwagen fertig geworden“, sagt Holbe-Berger. Rund 80 Mitarbeiter waren damals bei Sport Berger beschäftigt.

Dann kam der Zweite Weltkrieg. „Er hat alles abgewürgt.“ Doch nach dem Krieg ging es weiter: „Unser erster Auftrag waren 500 Badehosen aus angeliefertem Tarnstoff für die amerikanischen Soldaten in Bayern.“ Danach lief die Produktion von Zelten, Schlafsäcken und anderen Camping-Artikeln wieder an. Nachdem Margarete Holbe-Berger die Firma 1966 übernommen hatte, ging bis 1980 alles sehr gut. Sport Berger war auf Camping, Trekking und Outdoor-Utensilien spezialisiert – die Firma florierte, denn die Branche wuchs ständig. Auch der ehemalige Karlsfelder Bürgermeister Fritz Nustede kaufte regelmäßig ein. „Wir haben dort zum Beispiel den Camping-Kocher für unsere Wochenendfahrten gekauft“, erinnert er sich. Später erwarb er wichtige Artikel für seinen Garten. Auch Ilsa Oberbauer vom Karlsfelder Heimatmuseum war Stammkundin. „Es war natürlich sehr schön, ein Spezialgeschäft direkt vor Ort zu haben. Und wir waren alte Camper!“

Doch je mehr Menschen ihre Freizeit fernab von Fünf-Sterne-Hotels und Pauschalreisen verbrachten, desto mehr Firmen entstanden. „Das war ein richtiger Boom, der Markt wurde immer enger“, berichtet Margarete Holbe-Berger. Um den Umsatz zu halten, musste die Karlsfelderin immer mehr Geld unter anderem in Werbung investieren. Und „irgendwann ging es nicht mehr“. 1995 musste die Mutter dreier Söhne den Betrieb schließen. „Das ist mir sehr schwer gefallen.“ Auch in der Gemeinde fehlte das Unternehmen. „Es wurde in Karlsfeld schon sehr bedauert, als das Geschäft verkauft wurde“, erinnert sich Ex-Rathauschef Nustede.

Die Firma Berger übernahm der Investor Ulrich Dausien, Gründer der bekannten Outdoor-Marke Jack Wolfskin. Doch nach etwa zwei Jahren verkaufte dieser das Unternehmen wieder – an die Firma des Namensvetters Fritz Berger, jahrelang der stärkste Konkurrent von Hans Berger. „Das war der zweite Nackenschlag für mich“, bekennt Holbe-Berger. Im Rückblick hätte sie eher handeln müssen. „Ich wollte die Firma so gerne weiterführen und an einen meiner Söhne übergeben.“ Doch das war nicht mehr möglich. „Ich denke heute noch darüber nach, was ich anders hätte machen sollen.“ Dennoch war ein „geordneter Abschluss möglich, die Mitarbeiter wurden abgefunden“, berichtet Holbe-Berger, die heute noch auf dem ehemaligen Firmengelände in der Rothschwaige wohnt.

Vor 50 Jahren, an dem Tag, an dem Hans Berger unerwartet starb, wurde auch der letzte Berger-Wohnwagen abgeholt – Hans Berger hatte den Wohnwagenbau einstellen müssen und wollte sich auf seine anderen Produkte beschränken. „Diese Entscheidung war ihm sehr schwer gefallen, denn es war ja sein Lebenswerk.“ Mit dem letzten Wohnwagen ging auch er.

(sue)

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