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Gleichberechtigt im Berufsverkehr? Autofahrer und Radler auf der Münchnerstraße.

Ein Selbsttest auf der Münchner Straße

Ist es wirklich besser?

Dachau - Die Jungen Freien Wähler um Markus Erhorn und Sebastian Leiß haben den Umbau der Münchner Straße mit Worten wie „wirre Dachauer Verkehrspolitik“, „Scheinlösung“ und „wenig durchdacht“ kritisiert. Stimmt das? Unser Mitarbeiter Aljoscha Huber hat den Praxistest gemacht. 

Die Zahl der Fahrspuren der Münchner Straße in Dachau ist ungefähr von der Ampel auf Höhe der Bäckerei Denk bis zur Ampel auf Höhe des Tengelmanns von zwei Spuren auf eine reduziert worden. Zudem sind mehrere Fußgängerinseln sowie Fahrradstreifen dazugekommen. Die Jungen Freien Wähler um Markus Erhorn und Sebastian Leiß kritisieren mit scharfen Worten dieses Verkehrskonzept der Stadt. Zurecht? Unser Mitarbeiter Aljoscha Huber testete die Situation auf der umstrittenen Einkaufsmeile der Unteren Stadt:

Als ich mit meinem Auto an einem Donnerstagmorgen um 7.30 Uhr von der Ludwig-Thoma-Wiese her kommend um die Kurve biege, ist die Schlange vor der Ampel schon deutlich zu sehen. Auf Höhe der Metzgerei Blank beginnt der Stau dann so richtig, und ein Vorwärtskommen ist nur im Schneckentempo möglich. Die erste und auch die zweite grüne Ampelphase auf Höhe der Bäckerei Kistenpfennig verpasse ich, weil ein anderer Wagenlenker einen Parkplatz sucht. Früher hätte ich hier überholen können, das geht jetzt nicht mehr. Folge: zwei gestresste Verkehrsteilnehmer – der Einparker und ich.

Doch der Stress wird noch größer. Der Parkplatzsucher weicht auf den Fahrradstreifen aus, offensichtlich ohne auf einen von hinten kommenden Radler zu achten – und bekommt vom Zweiradfahrer prompt einen Rüffel. Immerhin: Der Fahrradstreifen wird zumindest um diese Uhrzeit eifrig von denen genutzt, für die er gedacht ist. Und doch: Viele Radler fahren weiterhin auf dem Fußweg.

Der prüfende Blick auf die Stoppuhr verrät: So lange habe ich doch nicht gewartet. Genau drei Minuten vom Bäcker Denk bis zum Hotel Central – klingt erstmal ordentlich. Zumindest subjektiv ist der Stau nicht länger als vor dem Umbau, und die Neuerungen wie die Fußgängerinseln oder der separate Radkorridor scheinen zwar Zeit zu brauchen, werden aber mehr und mehr genutzt.

In den Geschäften entlang der Münchner Straße nachgefragt, wird allerdings Kritik laut: „Es gibt gefühlt mehr Unfälle, und die Verkehrsinseln werden ignoriert. Die Leute gehen einfach so über die Straße“, sagt etwa eine Verkäuferin der Metzgerei Blank. Eine Mitarbeiterin der Bäckerei Rackl ergänzt: „Ich glaube nicht, dass es mehr Stau gibt als vor dem Umbau. Es ist aber auffällig, dass der Fahrradweg kaum angenommen wird. Die meisten radeln nach wie vor auf dem Gehweg.“

Eine Dame, die ihr Fahrrad auf dem Fußweg schiebt, erklärt das Problem: „Die Autofahrer nehmen oft keine Rücksicht und fahren auf dem Radweg.“ Deshalb schiebe sie lieber. Die Verkehrsinseln zur leichteren Überquerung der Straße findet die Dame hingegen „praktisch“.

Ich persönlich finde die Umgestaltung der Straße, trotz aller Probleme sinnvoll: Warten mussten Autofahrer vor dem Umbau auch schon, und mit den eingeführten Neuerungen sind nun alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt repräsentiert.

Um 8 Uhr ist die Münchner Straße dann recht leer, die große Welle an Pendlern ist abgeebbt. Die Zeit von der Bäckerei bis zum Hotel beträgt jetzt bei günstiger Ampelschaltung knapp zwei Minuten – Spitzenwert –, natürlich unter Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit.

ahu

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