Das Bild aus dem Familienarchiv Gaugers zeigt Martin Gauger 1936 in Berlin.

Das Unheilvolle nicht vergessen

Dachau - Martin Gauger war der einzige namentlich bekannte Jurist, der es 1934 ablehnte, den Amtseid auf Adolf Hitler zu leisten. Am 15. Juli 1941 wurde Martin Gauger in der Euthanasie-Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet. In der Versöhnungskirche wurde nun seiner gedacht.

Gauger stand ab 1935 im Dienst der „Bekennenden Kirche“ in Berlin. Seit 1938 war er bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern angestellt. Die bayerische Kirchenleitung beendete im Juni 1940 das Dienstverhältnis. Gaugers Mutter hatte die Landesbischöfe Hans Meiser und Theophil Wurm gebeten, sich dafür einzusetzen, dass ihr Sohn ein ordentliches Gerichtsverfahren bekomme. Doch Gaugers Kirche schwieg. Auch noch Jahre danach und als Hitler schon längst tot war, schwieg sie weiter. So skizzierte Pfarrer Björn Mensing in einem Trauergottesdienst zum 75. Todestag in der Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Gaugers Leben.

Erst 2006 hatte Landesbischof Johannes Friedrich gegenüber der inzwischen verstorbenen Schwester Gaugers, Hedwig Heiland, namens der Vereinten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands ( VELKD ) und des Landeskirchenrats der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sein Bedauern über das Versagen der Kirche gegenüber Dr. Gauger ausgesprochen.

„Seine Kirche aber schwieg“, eine Ausstellung des Berliner Antikriegsmuseums, wurde nun im neu sanierten Ausstellungsraum der Versöhnungskirche nach dem Gedenkgottesdienst eröffnet. Die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel , ehrte Martin Gauger in der Messe mit einer Rede. Mit der Erinnerung an ihn können wir heute „nichts mehr gut machen“, beginnt Preidel. „Aber wir können mit unseren Worten, Gesten und Gedächtnisritualen dafür sorgen, dass das Unheilvolle nicht vergessen wird und uns diejenigen gegenwärtig bleiben, die das Unrecht beim Namen nannten“. Heilung sei nur „auf dem Weg des erinnernden Durcharbeitens möglich“, sagte Preidel. „Heilung wird nicht möglich, wenn sich der Nebel der Gleichgültigkeit und der Geschichtsvergessenheit über die Dinge legt“, betonte sie.

Gerhard Gauger, ein Neffe des Ermordeten, richtete im Anschluss an den Gottesdienst Grußworte an die über 100 Gäste der Versöhnungskirche. Er erklärte, dass nicht nur die Kirche geschwiegen habe. Nach dem Krieg sei auch in der Familie mit den Kindern nicht über das Schicksal des ermordeten Onkels gesprochen worden. „Es war mehr schweigen als reden“, sagte Gerhard Gauger, der elf Jahre nach dem Tod seines Onkels geboren wurde. Er erzählte: „Als sich 2006 der damalige bayerische Landesbischof Johannes Friedrich bei meiner Tante Hedwig entschuldigte, war das für die Familie fast wie eine Erlösung.“

(mik)

Die Ausstellung

mit Texten und Bildern aus Martin Gaugers Leben wird bis Ende Februar gezeigt. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind: montags von 11 bis 13 Uhr, dienstags bis samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12 bis 13 Uhr.

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