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Etwa 250 Menschen haben sich vor dem Rathaus zusammengefunden, um gemeinsam zu feiern und zu tanzen.

Verein „Runder Tisch gegen Rassismus Dachau“ feiert sein Positionspapier

Feiern gegen Rassismus

Während die einen für eine Obergrenze werben, tanzen bei den anderen Dachauer Kinder zusammen mit Flüchtlingskindern zur Musik einer australischen Band. Der „Runde Tisch gegen Rassismus Dachau“ hat am Montagabend sein Positionspapier vor dem Rathaus vorgestellt – während gleichzeitig im Thomahaus das derzeitige Asylrecht in Frage gestellt wurde.

Der Verein „Runder Tisch gegen Rassismus Dachau“ hatte vor kurzem einstimmig ein Dokument verabschiedet, „das einen Beitrag zur Versachlichung der Debatte um rassistisches Verhalten leisten soll“, erklärte Sprecher Sören Schneider. Es trägt den Titel „Selbstverständnis und Positionen“ und wurde in den vergangenen fünf Monaten entwickelt (siehe unten). Jetzt feierten die Mitglieder die Veröffentlichung des Papiers mit einem kostenlosen Konzert von Hussy Hicks. Die australische Band, zwei starke Frauen, waren einst Ruckteschell-Villa-Bewohner und kamen nun zurück nach Dachau, um mit ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Zur Musik wurde das Positionspapier in die Menge verteilt. Während fünf Mitglieder des Vereins das Papier vorstellten, war bei den Kindern bereits eine selbstverständliche „Umsetzung“ der „Ziele“ des Runden Tisches zu beobachten: Ohne Berührungsängste und mit viel Freude spielten Dachauer Kinder mit Kindern von Asylbewerbern auf dem Rathausplatz, später tanzten sie gemeinsam zu den Rhythmen von Hussy Hicks – und ein Flüchtlingskind durfte sogar mit auf die Bühne und mittrommeln. Dafür erntete der kleine Bub mächtig Applaus, auch von den professionellen Musikern selbst. Zuvor feierte der Asyl-Chor Bergkirchen sein Debüt. Asylbewerber aus den Bergkirchner Unterkünften und Bergkirchner Bürger sangen – nach nur drei Proben – vor rund 250 Zuschauern zwei Lieder. Die Deutsche Version von „The Lion sleeps tonight“ sowie „We are the World“ bewegte die Masse zum Mitwippen und Klatschen. Zwei Gitarristen und einige Trommler begleiteten den Chor. Projektleiterin Ulrike Mühle war sichtlich stolz auf ihre 40-köpfige Gruppe. Während die Veranstaltung vor dem alten Rathaus zeigte, wie leicht Integration und wie harmonisch das Zusammenleben und Feiern mit Asylbewerbern sein kann, referierte 200 Meter weiter im Ludwig-Thoma-Haus Professor Ulrich Vosgerau für die „Alternative für Deutschland“ zum Thema „Ist das Asylrecht noch zu halten?“ „Es ist Zufall, dass unsere Veranstaltung mit der der AfD zusammenfällt“, sagte Sören Schneider dazu – und ließ sich von der Tatsache nicht weiter stören: Der Runde Tisch gegen Rassismus feierte friedlich weiter. Und, rein zahlenmäßig, hatte seine Veranstaltung deutlich gewonnen: Während im Saal des Ludwig-Thoma-Hauses etwa 60 Bürger dem Vortrag von Vosgerau lauschten, tanzten und klatschten auf dem Rathausplatz etwa 250 Bürger zu den Klängen der Hussy Hicks. Und ganz ohne Widerstand kam die AfD nicht davon. Über 50 Demonstranten, vorwiegend junge Leute, positionierten sich vor dem Ludwig-Thoma-Haus, hoben Transparente mit Sprüchen wie „Stoppt die geistige Brandstiftung“ und riefen laut: „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here“, „Sag es laut, sag es deutlich: Hier sind Flüchtlinge willkommen.“ Beobachtet wurden sie dabei immer von rund 20 Polizisten, die jedoch nur einmal einschreiten mussten und eine Sitzblockade auflösten. 

(mik)

Das Positionspapier: 

In einer Broschüre unter dem Thema „Selbstverständnis und Positionen“ ist die Präambel des Runden Tischs festgelegt, dann wird der Begriff „Rassismus“ definiert, und dessen Erscheinungsform, besonders im heutigenn Deutschland. Unter dem Punkt „Ziele“ wird festgelegt, was der Runde Tisch erreichen will: Er will „zur Schaffung einer solidarischen, friedliebenden, diskriminierungsfreien, von Fairness und Chancengleichheit getragenen Gesellschaft beitragen.“ Mehr Infos gibt es auch im Internet unter dachau-zeigt-zivilcourage.de.

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