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Nigelnagelneu erstrahlt das Augustiner Chorherrenmuseum seit der Eröffnung 2014. Das Heimatmuseum hat sogar schon einen Preis gewonnen. 

Regionalkonferenz im Augustiner Chorherren Museum 

Das Heimatmuseum - ein Auslaufmodell?

Die Entwicklung der nichtstaatlichen Mussen war Thema bei einer Regionalkonferenz in Indersdorf. Klar wurde: Die Heimatmuseen haben es schwer. Genau genommen die Ehrenamtlichen, die sich darum kümmern. Manch einer fühlt sich sogar als Auslaufmode

Der Austausch untereinander war das Hauptziel im Augustiner Chorherrenmuseum bei der Regionalkonferenz für Museumsentwicklung im westlichen Oberbayern. Vertreter zahlreicher nichtstaatlicher Museen aus der Region versammelten sich dort, und Bernd Sibler, Staatssekretär des bayerischen Kultusministerium, und Dr. Astrid Pellengahr, Leiterin der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, sprachen über die Herausforderungen.

Auch im Landkreis Dachau werden mehrere nichtstaatliche Museen betrieben: Vom Brauereimuseum in Altomünster über das Bauernhausmuseum in Ebersbach bis hin zum Bankmuseum der Volksbank Raiffeisenbank in Dachau. Sibler nannte das 2014 eröffnete Indersdorfer Chorherrenmuseum einen „sehr guten Tagungsort“ für die Konferenz: Es erhielt vergangenes Jahr den Bayerischen Museumspreis für herausragende ehrenamtliche Führung. „So ein Preis fällt nicht vom Himmel“, erklärte Sibler. „Durch ein Heimatmuseen wird Identität geschaffen. Die Museen erzählen die lokale Geschichte, so findet man die eigenen Wurzeln.“ Regionale Museen bräuchten den Vergleich zu Museen in Großstädten nicht zu scheuen.

Trotzdem gebe es auch für Vorzeigemuseen wie das in Indersdorf zahlreiche Herausforderungen. „Wenn die Euphorie des Anfangs vorbei ist, geht man zum Normalbetrieb über“, sagte Sibler. Dann sei der „Idealismus der Honeymoon-Phase“ vorbei. Es müssten immer neue Aktivitäten für den Alltag geschaffen werden. Erstrebenswert seien „Flitterwochen über die ganze Zeit“.

Anton Wagatha, Vorsitzender des Heimatvereins Markt Indersdorf und Museumsdirektor des Chorherrenmuseums, hofft, dass das in Indersdorf gelingen kann. „Wir haben schon vieles in Planung, damit es immer wieder etwas Neues in unserem Museum gibt und wir die Menschen hierher locken können.“ Für Jahre im Voraus seien Wechselausstellungen geplant.

Anderen Herausforderungen, denen sich die bayerischen nichtstaatlichen Museen gegenübergestellt sehen, sind laut Dr. Astrid Pellengahr zum Beispiel die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Trägern und Barrierefreiheit. „Sich auch in Managementstrukturen auszukennen wird zunehmend wichtiger“, erklärte Pellengahr. Auch eine angemessene moderne Museumspädagogik sei zentral. Gerade das Netzwerk zwischen den Museen müsse gestärkt und eine enge Zusammenarbeit gefördert werden. Obwohl Sibler das ehrenamtliche Engagement für die Museumslandschaft lobte, meinte Pellengahr: „Hauptberufliche haben mehr Schlagkraft.“ Doch angestellte Fachkräfte können sich die wenigsten Heimatmuseen leisten.

Hanni Zeller, Leiterin des Hutter-Museums in Großberghofen und Vorsitzende der Hutter-Heimatsammlung, versteht all diese Problematiken. „Heute gibt es andere Ansprüche an die Darstellung von Museen, zum Beispiel nicht zu wissenschaftliche und komplexe Texte. Da hat auch das Hutter-Museum noch Änderungsbedarf.“ Es werde jedoch schon seit einem Jahr die archäologische Abteilung umgestaltet. „Wir arbeiten dafür mit einem Archäologen zusammen, den uns die Landesstelle empfohlen hat“, sagt Zeller. Auch die Museumspädagogik werde umgearbeitet.

Im Hutter-Museum seien die Besucherzahlen jedoch nicht sinkend, so Hanni Zeller. „Aber eine gewisse Menge wird trotzdem nicht überschritten, weil wir zu selten offen haben. Wir bräuchten mehr Öffnungszeiten, aber in unserem Rahmen schaffen wir das nicht.“ Dafür sei die Gruppe an Ehrenamtlichen einfach zu klein.

Laut Pellengahr sind auch Schulklassen „Besucherpotenzial, das nicht ausgeschöpft wird“. Der Museumsbesuch müsse in den Lehrplan passen. Tatsächlich kommen immer weniger Schulklassen auch nach Großberghofen. Gründe hierfür sieht Zeller im steigenden Druck der Schulen unter den Lehrplänen. „Auch den Heimatkundeunterricht gibt es nicht mehr so wie früher“, weiß Zeller. „Da wird das Regionale nicht mehr so herausgebracht.“ Auch kommen Lehrer oft aus ganz anderen Regionen Bayerns und wissen nicht mehr so viel über die Gegend, so Zeller.

Die Ehrenamtlichen des Hutter-Museums geben sich trotzdem größte Mühe, Menschen in ihre Ausstellungen zu locken. „Um Menschen anzuregen, zu kommen, haben wir oft neue Ausstellungen und Events“, berichtet Zeller. Diesen Sommer zum Beispiel geht es um das Thema „Schreibkultur“ mit einem Workshop zur deutschen Schrift, zugeschnitten auf den Besuch von Schulklassen. „Da kann man dann ausprobieren, wie es sich zum Beispiel mit einem Gänsefüller schreibt.“

Die Museen in der Region arbeiten viel zusammen. „Da sind wir Vorreiter“, sagt Zeller. Vertreter der zehn „Museen Dachauer Land“ treffen sich drei- bis viermal im Jahr und stellen sich nach außen hin zusammen dar, zum Beispiel beim Tag der Regionen oder auf einer gemeinsamen Website. Auch Dr. Astrid Pellengahr ist überzeugt: „Eine Website ist wichtig, um den Museumsbesuch schmackhaft zu machen.“

Letzendlich sehen Hanni Zeller und Anton Wagatha die Regionalkonferenz als sehr gutes Kommunikationsforum, bei dem man mit den Museumskollegen und der Landesstelle reden konnte: „Wir wissen, wenn wir etwas brauchen, können wir immer zum Hörer greifen und bei der Landesstelle anrufen“, sagt Wagatha.

Aber nicht alle Museen im Landkreis fühlen sich von der Landesstelle ausreichend unterstützt. Dr. Alois Kammermeier vom Bauernmuseum in Ebersbach sagt: „Ich fühle mich im Stich gelassen.“ Seit 25 Jahren betreibt er das Museum privat. „Aber aus Altersgründen, ich bin 90 Jahre alt, kann es nicht mehr länger bestehen.“ Entweder, der Landkreis überlegt sich eine Lösung, „oder die Sammlung wird in alle Winde zerstreut“. „Aber so, wie ich ein Auslaufmodell bin, ist auch das Museum ein Auslaufmodell“, bedauert Kammermeier. „Die bäuerliche Kultur interessiert heute niemanden mehr.“

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