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2018 ist Schluss: Physiotherapeutin Melpomeni Stefanidou hat schon die Kündigung.

Werkausschuss sagt ja zu den Plänen

Das Hallenbad bleibt eine Preisfrage

Der Entwurf gefällt. Die zu erwartenden Kosten weniger. Bei der Diskussion um den Bau des neuen Hallenbads ging es wieder mal ums liebe Geld. Und um eine Bürgerpetition für den Erhalt der Physiotherapie.

Sollen die Stadtwerke das alte Hallenbad aus den 70ern mit marodem Dach sanieren oder gleich ein neues bauen? Diese Frage hat der Werkaussschuss des Dachauer Stadtrats eigentlich schon vor rund vier Jahren geklärt. Und entschloss sich für einen Neubau. Nun stellte Architekt Wolfgang Gollwitzer den Vorentwurf mit einem Sportbecken aus acht Bahnen, Sprudelbecken, Kinderbecken, Wasserrutsche, einem großzügigen Saunabereich mit anschließendem Saunagarten, Dampfbad und Ruheräumen vor. Doch dieser Entwurf ließ Norbert Winter (Bürger für Dachau) erneut an dem Beschluss des Werkausschusses aus dem Jahr 2012 zweifeln, ein neues Hallenbad zu bauen. Ironisch meinte er: „In Anbetracht der prall gefüllten Taschen von Stadt und Stadtwerken sollten wir uns überlegen, was wir mit einer Sanierung des alten Hallenbads bezwecken könnten.“

Denn die Kosten für den Neubau des geplanten Schwimmbads mit angegliedertem Entspannungsbereich sind höher als bisher erwartet: „Mit 11,7 Millionen kommen wir nicht aus, wir brauchen minimum 13,5 Millionen, schön wären natürlich 18 Millionen“, erklärte Architekt Wolfgang Gollwitzer. Da murmelte Claus Weber (FW): „Oder gleich 20 Millionen.“

Damit fiel der Startschuss für eine rund eineinhalbstündigen Debatte vor allem darüber, wie viel das geplante Bad nun kosten dürfe und welche Funktionen es wirklich haben muss. Denn nachdem die Stadtwerke eine Förderung von der Regierung von Oberbayern beantragen wollen, müssen sie nun auch die Förderrichtlinien für ein Schulschwimmbad einhalten. Das heißt zum Beispiel: mehr Duschen oder Umkleiden bauen als zuvor geplant.

Auch die genauen Abrisskosten für das alte Hallenbad und die damit entstehenden Renaturierungskosten seien noch unklar. Außerdem nagen die Wünsche der Bürger, die sich im Rahmen einer Umfrage ergaben, am Budget: Sprungturm, Sprudelbecken, Saunabereich und -garten haben ihren Preis.

Und auch mit der Förderung der Regierung von Oberbayern „bleiben wir immer noch auf 64 Prozent der Kosten sitzen“, so der kaufmännische Stadtwerkeleiter Robert Haimerl. Deshalb regte Stadtrat Peter Gampenrieder (ÜB) an: „Ich habe schon ein bisschen Bauchweh, wenn wir mit über 10 Prozent des Budgets von 11,5 Millionen starten. Wir müssen uns Möglichkeiten ansehen, wo wir noch ein bisschen abspecken können.“ Konkrete Vorschläge dafür gab es allerdings nicht.

Haimerl betonte später: „Einsparen hieße zum Beispiel keine Rutsche, keinen Sprungturm oder keine Sauna – und zu sagen, so können wir das Hallenbad nicht bauen.“ Grundsätzlich gab es indes viel Lob für den Vorentwurf des Architekturbüros aus den Reihen von CSU, FDP, ÜB, SPD, Bündnis für Dachau und Grünen.

Dabei überraschte vor allem die geplante „Y-Form mit abgerundeten Kanten“. Sowohl Dach- und Wandkonstruktion sollen darin aus Holzleim gebaut werden und ergeben lamellenartige Holzbögen, die sich die Dachkonstruktion entlang spannen.

Auf eine entsprechende Nachfrage von Claus Weber (FW) erklärte Architekt Gollwitzer, dass sich das Holz bei seinen Projekten bewährt habe, da Chloride dieses Material nicht angreifen und die Luftfeuchtigkeit im Bad zentral gesteuert wird.

Auch die aus Aluminium bestehende Außenfassade des neuen Hallenbads war umstritten. Christine Unzeitig (CSU) machte sich Sorgen wegen der hohen Sonnenreflektion. Jürgen Seidl (FDP) kritisierte: „Die Außenhaut aus Aluminium finde ich sehr gewagt und gewöhnungsbedürftig.“ Die Alternative aus Titanzink läge aber preislich um einiges höher, so Architekt Wolfgang Gollwitzer und versicherte im Übrigen: „Ich bin ganz sicher, dass es nicht billig aussehen wird.“

Das neue Hallenbad ist und bleibt also eine Preisfrage. Norbert Winter (Bürger für Dachau) wollte daher nicht locker lassen und legte Zahlen aus dem Jahre 2012 vor, bei dem die Stadtwerke von einer Sanierung des alten Hallenbads von rund fünf Millionen und dem Neubau von rund acht Millionen ausgingen. Allerdings wäre in dieser von Winter vorgeschlagenen Sanierung des Hallenbads vor allem die Renovierung der Dachkonstruktion miteinberechnet worden, nicht aber die Sanierung der Umkleidekabinen oder des undichten Sportbeckens, das derzeit notdürftig zusammengepresst wird. Daher erklärte OB Florian Hartmann (SPD): „Ich hoffe, dass wir noch mit dem alten Hallenbad durchkommen, bevor da eine Sanierung kommt.“

Schließlich stimmten alle Stadträte, mit Ausnahme von Norbert Winter, für den Vorentwurf des Architekturbüros – die wirklichen Kosten für das geplante Hallenbad sind damit aber noch lange nicht geklärt.

Im Werkausschuss stimmten die Stadträte auch über eine Bürgerpetition ab, die sich „gegen die Verkleinerung des Saunabereichs und Erhaltung der Physiotherapie am Hallenbad, wie sie jetzt ist“, einsetzte. OB Florian Hartmann betonte, dass sich der Saunabereich nicht verkleinere, sondern von aktuell 298 auf 389 Quadratmeter sogar vergrößere. Allerdings sei eine Physiotherapiepraxis im neuen Hallenbad überhaupt nicht mit eingeplant.

Rund 200 Bürger haben den Antrag unterschrieben, um den Saunabereich und die Physiotherapie von Physiotherapeutin Melpomeni Stefanidou am Hallenbad zu retten. Vergeblich. Die Stadträte stimmten gegen die Bürgerpetition.

Hauptgrund: Die Einrichtung einer Physiotherapiepraxis im neuen Hallenbad würde die Stadtwerke weitere 500 000 Euro kosten. Bereits im vergangenen September bekam Melpomeni Stefanidou ein Schreiben von den Stadtwerken, dass sie die gemietete Physiotherapiepraxis und den Saunabereich bis 2018 aufgeben muss, weil die Stadtwerke in Zukunft den Saunabereich im neuen Hallenbad selbst betreiben will. 

Anna Schwarz

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