1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau

Festival unter Polizeibeobachtung

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Viele Festivalteilnehmer übernachten auf dem Gelände der Sandgrube bei Höfa – hier ein Foto aus dem Jahr 2012. Foto: Manfred Sailer
Viele Festivalteilnehmer übernachten auf dem Gelände der Sandgrube bei Höfa – hier ein Foto aus dem Jahr 2012. Foto: Manfred Sailer

Odelzhausen - Die Polizei spricht von einem normalen Einsatz, der Veranstalter des Reggae-Festivals „Riding Higher“ am nächsten Wochenende von einem Belagerungszustand.

Als die Polizei beim Veranstalter des beliebten Festivals „Riding Higher“, das am 24./25. Juli wieder in der Sandgrube nahe Höfa stattfinden wird, anrief, fiel der aus allen Wolken. Man benötige 45 Eintrittskarten für Beamte in Zivil, die Zutritt für alle Bereiche des vom Verein „Move-Together“ seit vielen Jahren veranstalteten Benefiz-Events ermöglichen, lautete die Anfrage. „Das hat bei uns natürlich hellen Aufruhr erzeugt“, sagt Ludwig Gasteiger, einer der Organisatoren. Die Befürchtung: Eine derart massive Polizeipräsenz rücke die Veranstaltung, die Organisatoren und die Besucher in ein schlechtes Licht. Sie sei auch völlig unverhältnismäßig. Denn das Festival habe sich den Ruf eines Dorf- und Kulturfestes erarbeitet, das bei einer Beschränkung auf 2000 Besucher „entspannt und familien- und kinderfreundlich“ sei.

Das zuletzt 2012 veranstaltete Musik- und Kulturfestival unterstützt den Bayerischen Flüchtlingsrat und diverse Initiativen für eine gute Integrationspolitik und Willkommenskultur. Aufgrund der langfristigen Vorbereitung und der angenehmen Gäste sei es in den vergangenen Jahren zu keinerlei Handgreiflichkeiten oder anderen Vorkommnissen gekommen, betont auch Ralf Scheck vom Verein Come-Together. Der Jugendschutz werde konsequent umgesetzt, frühzeitig wurde auch Kontakt mit dem Jugendbeamten der Polizei Dachau aufgenommen.

Scheck: „Auch wenn eine gewisse Belästigung der Anwohner durch Lärm nie ganz auszuschließen ist, bestehen beste Beziehungen zur Gemeinde Odelzhausen und ihren Bürgern. Den über 100 ehrenamtlichen Organisatoren geht es bei ihrem monatelangen Engagement nicht ums Geldverdienen, sondern um eine feine Mischung aus guter Stimmung für die Gäste und Unterstützung für wohltätige Projekte - insbesondere für die Arbeit mit Flüchtlingen und in Not geratenen Menschen.“

Für die Großaktion mit 45 Beamten in Zivil und einem Aktionsstützpunkt in Odelzhausen gibt es keine Verdachtsmomente, wie gestern auf Nachfrage auch Dachaus stellvertretender Polizeichef Albert Kapitza bestätigte. Details des Einsatzes wollte er weder bestätigen noch dementieren, nur so viel: „Es handelt sich um einen ganz normalen Einsatz wie bei anderen ähnlich gelagerten Veranstaltungen auch. Wir wollen nichts kaputtmachen, sondern einfach nur unsere Arbeit tun.“

Das sehen die Veranstalter ganz anders: Sie gehen nach Rücksprache mit Anwälten von einer Unverhältnismäßigkeit dieser Aktion aus und überlegen sich sogar juristische Schritte. Scheck: „Die Schäden für das ehrenamtliche Engagement sind unermesslich. Der massive Angriff auf die Willkommenskultur und Integrationsbemühungen im Landkreis Dachau wird überdies Stadt und Land Dachau in ein sehr schlechtes Licht rücken. Wie in den vergangenen Jahren werden die Veranstalter freundlich und im Rahmen der geltenden Gesetze mit der Polizei kooperieren. Angesichts der gewaltigen Konsequenzen fordern sie die Polizei jedoch auf, diese unverhältnismäßige Großaktion zu beenden.“

Unterstützung bekam der Verein Move-Together gestern schon vom „Runden Tisch gegen Rassismus Dachau e.V.“, der die Polizei bittet, auf den geplanten Großeinsatz zu verzichten.

„Das als familienfreundlich bekannte Musik- und Kulturfestival wird seine Erlöse unter anderem dem Bayerischen Flüchtlingsrat und der Organisation ,Café 104‘ zukommen lassen, das sich um Flüchtlinge kümmert, die ohne eigenes Verschulden ihren Aufenthaltsstatus verloren haben. Riding Higher unterstützt somit Menschen, die Opfer von Gewalt, Rassismus und Intoleranz geworden sind“, betont Sprecher Sören Schneider. „In den vergangenen Jahren verlief das Benefizfestival in entspannter Atmosphäre und in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Polizei. Es ist nicht nachzuvollziehen, woher der plötzliche Vertrauensverlust seitens der Polizei kommt.“ Das geplante machtvolle Polizeiaufgebot erscheine unverhältnismäßig. (tor)

Auch interessant

Kommentare