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Rudi Merkel hat sein Leben den Menschen am Tennisplatz zu verdanken, die weiter gegen seinen Tod ankämpften. 

Lebensrettung auf dem Tennisplatz

Er war fast tot - doch seine Freunde kämpften weiter

Haimhausen - Rudi Merkel lag mitten auf dem Tennisplatz und war nach einem Infarkt so gut wie tot. Doch seine Mitspieler gaben den 69-Jährigen nicht verloren. Er hat überlebt.

Der letzte Ball ist geschlagen, das obligatorische Shakehands erfolgt. Das Doppeltraining der Herren-50-Tennismannschaft des SV Haimhausen (Kreis Dachau) an jenem kalten Abend Ende Mai ist vorüber. Stefan Gutzeit (53), Albert Meister (61) und Edi Hentschel (56) packen die Schläger in die Taschen. Doch wo bleibt der Rudi?

Als sie sich umdrehen, liegt ihr Mitspieler Rudolf Merkel mitten auf dem Platz im roten Sand. Bewegungslos. Die Teamkollegen denken an einen Scherz des 69-Jährigen. Doch dann begreifen sie: Es muss etwas Schlimmes passiert sein.

Sie brüllen hinüber zu ihrem Teamkollegen Oliver Bartzsch (52), der auf einem Nebenplatz steht. Bartzsch ist Allgemeinmediziner und gibt seinen Spezln sofort Anweisungen: Gutzeit rennt zum Klubhaus, wo ein Defibrillator an der Wand hängt, Hentschel beginnt mit einer Herzdruckmassage.

Freund beugt sich zu ihm hinab und erschrickt: Das Gesicht ist blau

Bartzsch selbst beugt sich zu Rudi Merkel hinab und erschrickt. Das Gesicht seines Freundes ist komplett blau, die Augen ohne jeglichen Glanz. Schwerer Herzinfarkt. Der Rudi ist tot, denkt Mediziner Hentschel in diesem Augenblick. Doch die Männer geben nicht auf. Edi Hentschel pumpt weiter wie ein Verrückter, Oliver Bartzsch setzt den Defibrillator an: Schuss – nichts passiert. Noch ein Stromschlag – dann spürt der Helfer plötzlich einen Puls. Rudi Merkel lebt! „Er bekam langsam wieder etwas Farbe und atmete“, sagt Oliver Bartzsch.

Die drei Freunde und der Defibrillator: Edmund Hentschel, Oliver Bartzsch und Stefan Gutzeit (v.l.) mit dem lebenrettenden Gerät, mit dem sie ihren Freund zurück ins Leben holten.

Aus den Augenwinkeln erkennt er, wie drei Rettungswagen auf den Tennisplatz zusteuern. Dr. Bartzsch kann seinen Freund an die Notärztin übergeben, der es gelingt, den Patienten zu stabilisieren. Später erfahren sie: Sechs Minuten hatten sie um Rudis Leben gekämpft, und sechs Minuten brauchte das First-Responder-Team, um nach Haimhausen zu kommen.

Rudi Merkel wird auf die Intensivstation des Amper Klinikums Dachau gebracht. Drei Tage liegt er im künstlichen Koma, zehn Tage muss er insgesamt im Krankenhaus bleiben, dann darf er nach Hause. Bis heute hat er seine Wohnung nicht verlassen können. „Ich fühle mich noch immer sehr schlapp“, sagt der 69-Jährige, der Probleme mit dem Herzmuskel hat.

Nur 50 Prozent überleben solch einen Herzinfarkt

Rudi Merkel hatte immens viel Glück und Pech zugleich. Glück, weil er vermutlich keine Folgeschäden davontragen wird. „Nur 50 Prozent überleben solch einen Herzinfarkt überhaupt und gar nur zehn Prozent ohne Einschränkungen“, weiß Dr. Oliver Bartzsch. Pech hatte Rudi Merkel, weil er wenige Tage nach dem Unglückstag einen routinemäßigen Gesundheits-Check absolvieren wollte. Gut möglich, dass der Hausarzt sein Herzleiden erkannt hätte.

Es sind zwei Gründe, warum Rudi Merkel den Infarkt so gut überstanden hat. Der eine: Der äußerst drahtige, schlanke Mann ist topfit. Nie hatte er ernsthafte gesundheitliche Probleme. Er war als Jugendlicher ein erstklassiger Fußballspieler und kickte beim FC Bayern München an der Seite von Franz Beckenbauer und „Katsche“ Schwarzenbeck. Später lief er Marathon, und seit 40 Jahren hat er sich dem Tennis verschrieben. Der 69-Jährige ist eine Stütze seiner Herren 50, obwohl er bedeutend älter ist als seine Mitspieler und Gegner.

Den zweiten Grund nennt Rudi Merkel selbst: „Ich habe großartige Freunde.“ Für Rudis Retter sind die dramatischen Minuten auf dem Tennisplatz allgegenwärtig. „Das Zusammenspiel von uns allen ist entscheidend gewesen“, meint Oliver Bartzsch, und: „Gott sei Dank hatten wir den Defi.“ „Es ist ein unglaublicher Stress, wenn du siehst, wie ein sehr guter Freund so daliegt“, sagt Edi Hentschel, seit vielen Jahren Rudi Merkels Doppelpartner.

Seit dem Wochenende weilt Rudi Merkel gemeinsam mit seiner Frau Doris für drei Wochen in einer Reha-Einrichtung in Bad Wiessee. Sollte er wieder ganz gesund werden, will er unbedingt wieder mit seinen Freunden Wettkämpfe bestreiten. Die Herren 50 des SV Haimhausen spielen in der Bezirksklasse. Für Rudi Merkel aber sind sie Weltklasse.

Thomas Zimmerly

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