Herzensprojekt: Das im Bau befindliche „Schneckerl“ (Wasserkraftschnecke) mit Andrea von Haniel und Hund Körbi. foto: sh

Ein Schneckerl für 22 Haushalte

Haimhausen - Andrea von Haniel nennt sie liebevoll ihr „Schneckerl“. Doch diese Verniedlichung täuscht. Die Wasserkraftschnecke, die die E-Werke Haniel gerade an einem Bach bei der Marienmühle bauen lassen, wird bald 22 Haushalte mit Ökostrom versorgen.

„Auch ein kleines Projekt braucht Zeit und Platz, bis es realisiert werden kann“, meinte Andrea von Haniel an ihrer Baustelle zur ersten Wasserkraftschnecke im Landkreis Dachau. Stolz schaute die Geschäftsführerin der E-Werke Haniel dabei auf das neueste Projekt ihrer Firma an der Abzweigung der Schleusenanlage des Schwebelbachs vor der Marienmühle in Ottershausen. Der Schwebelbach dient als Werkskanal für das Wasserkraftwerk EW 2, das sich in einem Nebengebäude der Marienmühle befindet. Ein nicht unbeträchtliches Bächlein fließt als Nebenarm seitlich vom Schwebelbach ab. Es diente bisher dem Hochwasserschutz und als Biotop, wurde jedoch bisher nicht wirtschaftlich genutzt. „Die Idee, das neben dem Werkskanal abfließende Wasser zur Stromerzeugung zu nutzen, kam vor einigen Jahren von unserem technischen Leiter Johann Kiendl“, erklärte die Geschäftsführerin.

Der Einbau einer Wasserschnecke (technische Anlage zur Energieumwandlung von Wasserkraft in mechanische Energie) zur ökologischen Stromgewinnung war zwar damals bereits ein Thema, doch aufgrund der hohen Baukosten für das E-Werk Haniel unwirtschaftlich. Nun zeigte sich im vergangenen Jahr, dass die etwa 50 Jahre alte Schleusenanlage dringend einer Erneuerung bedurfte. Damit war das Thema Wasserschnecke wieder auf dem Tisch.

Inzwischen waren bereits Kontakte zu Herstellern geknüpft, und mit dem Eingang der ersten Angebote wurde ein Ingenieurbüro mit den Planungen beauftragt. Im August 2015 war dieser fertig, und im Dezember erfolgte die Anhörung im Landratsamt. „Wir haben von Anfang an alle Beteiligten wie den Bund Naturschutz oder die Fischer mit einbezogen und konnten daher alle Auflagen erfüllen. So wurde das Projekt ohne Einwände im Januar 2016 genehmigt“, erzählte Andrea von Haniel über den Werdegang ihres „Schneckerls“, wie sie ihr Herzensprojekt nennt. Am 21. März war es soweit: Der symbolische Spatenstich signalisierte den Baubeginn. Inzwischen sind alle Abbrucharbeiten der alten Wehranlage erfolgt, die Bodenplatte für die Wasserschnecke ist betoniert und die beiden Seitenwände und die Mittelwand sind gerade in Arbeit.

Die größte Herausforderung für die Baufirma ist, dass im Wasser gearbeitet werden muss. Um überhaupt betonieren zu können, wird ständig einlaufendes Flusswasser, als auch Grundwasser aus dem Flussbett gepumpt. Zwei Besonderheiten werden die neue Anlage auszeichnen. Die Wasserschnecke wird so langsam betrieben, dass Fische problemlos durchschwimmen können, und die Wehrklappen werden beheizbare Flügelwände erhalten. Damit kann im Fluss mitgeführtes Grundeis, das im Schwebelbach übrigens weit mehr ist als in der Amper, die Wehranlage bei kalten Temperaturen nicht blockieren. Mit einer Leistung von 9 KW wird die Wasserschnecke 78 000 KWh Ökostrom erzeugen und damit etwa 22 Haushalte versorgen.

Siglinde Haaf

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