Fallou wird abgeschoben

Morgens um sieben kam die Polizei

Karlsfeld – Der Karlsfelder Asylhelferkreis ist geschockt über die Abschiebung von Fallou M., die erste in der Traghallenunterkunft.

Der 31-jährige Afrikaner war in Karlsfeld sehr beliebt. Er arbeitete im gemeindlichen Bauhof, büffelte fleißig Deutsch. Für seine Kollegen und die Helfer gilt er als Beispiel für gelungene Integration. Das aber zählte für die Behörden nicht.

Morgens um 7 Uhr kam die Polizei in den Bauhof der Gemeinde, wo Fallou seit dem 18. April einen Ein-Euro-Job hatte, und holte ihn ab. Fallou M. durfte in seiner Wohnung in der Parzivalstraße noch seine Habseligkeiten mitnehmen, dann ging es ab zum Flughafen, mit dem Ziel Mailand.

„Eine Abschiebung nach dem Dublin-Verfahren“, sagt Fabian Baur, Sprecher des Helferkreises. In der Dublin-III-Verordnung haben sich 2013 die EU-Staaten sowie Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz darauf verständigt, dass Flüchtlinge ihre Asylanträge in dem Staat zu stellen haben, in den sie zuerst eingereist sind. Sind sie in einem anderen Land, kann dieser Staat sie in das Erstland zurückführen. Als Senegalese kommt M. außerdem aus einem so genannten sicheren Herkunftsland mit geringen Erfolgsaussichten im Asylverfahren. „Ich finde, dass es keine dieser sicheren Herkunftsstaaten geben darf, da unser Asylrecht nicht Länder, sondern Menschen im Blick hat“, so die Meinung von Fabian Baur.

Fallou M. war in Italien registriert worden, bevor er nach Deutschland kam und dort seinen Asylantrag stellte. Nach einem ersten Gespräch beim Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge soll der 31-Jährige zu einem zweiten Gespräch geladen worden sein. Die Einladung dazu hat er angeblich nicht bekommen, ebensowenig das Einschreiben mit der Abschiebungsanordnung.

„Was nutzt das eigentlich, was wir hier tun? Deutsch lehren, Fahrradfahren lehren, Integration durch Arbeit – und dann einfach weggeschoben“, meint Baur. Die Integrationslotsen aus dem Helferkreis halten den Kontakt zu Fallou M. „Er ist sehr traurig. Er vermisst uns alle sehr. Er weiß, dass seine Zukunft hier nicht sicher war, dass Senegalesen nicht viele Chancen in Deutschland haben. Aber er bedankt sich bei allen sehr für die Hilfe, die er bekommen hat“, sagt Baur.

Der Senegalese bemühte sich sehr, war sechsmal die Woche im Deutschkurs. „Er war korrekt, höflich, immer um andere bemüht“, sagt Helferkreissprecher Baur. Die Kollegen im Bauhof schätzten den 31-Jährigen, weil er „recht gut deutsch konnte, sehr fleißig und immer pünktlich war“, so Bauhof-Leiter Anton Wallner. „Fallou hat das gemacht, wozu wir sonst nicht kommen: in den Außenanlagen Papier aufklauben, solche Reinigungstätigkeiten. Wir hätten ihn auf jeden Fall gerne länger behalten."

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