+
Auch das gehört zu ihrem Job: Christine Rechl berät Nico und Nadine zum Thema Schullaufbahn.

Jugendsozialarbeit an der Mittelschule Karlsfeld

Vertrauensperson mit Diplom

Karlsfeld - Meist sind es die kleinen Probleme, die junge Leute in der Schule haben. Doch manchmal muss Christina Rechl in harten Fällen helfen. Sie ist Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule Karlsfeld

14 Uhr, Mittelschule Karlsfeld. Es ist ruhig, nur noch vereinzelte Schüler befinden sich im Gebäude. Christina Rechl (36) sitzt in ihrem kleinen, überschaubaren Büro. Sie ist motiviert, möchte erzählen und legt gleich los: „Ich bin Diplom-Sozialpädagogin und habe in Bamberg studiert. Seit 2011 bin ich in Karlsfeld tätig, habe vorher Erfahrungen an verschiedenen Schulen in Bayern sowie in Hannover sammeln können.“

In der Mittelschule Karlsfeld ist Rechl als Schulsozialarbeiterin tätig. „Dieses Jahr sind 306 Schüler eingeschrieben, für die ich alleine zuständig bin. Pro Jahr kümmere ich mich um 15 bis 20 massivere Einzelfälle. Gemäß Sozialgesetzbuch bin ich speziell für förderbedürftige Jugendliche zuständig.“ Obwohl sich durch diese Einschränkung Rechls Arbeitspensum konkretisiert, „bräuchte es mich manchmal vier Mal“.

Problematisch sei das Fehlen der Jugendsozialarbeit in der Grundschule. Rechl ist davon überzeugt, dass kompetente Ansprechpartner viele Fälle abfangen könnten und Schülern rechtzeitig helfen würden.

Die Jugendsozialarbeit (JAS) begann 2008 als Pilotprojekt mit dem Ziel, 1000 Schulen bayernweit zu betreuen. Mittlerweile hat sich die JAS etabliert und wird staatlich gefördert. „Voraussetzung ist, die gesetzten Richtlinien streng einzuhalten“ betont Rechl.

Zu ihrem Aufgabenbereich erläutert Rechl, dass sie „versucht, den Gang zum Jugendamt zu vermeiden; wenn dies nicht möglich ist, leiste ich Unterstützungsarbeit“. Ihre Kompetenzen sind reduziert: „Ich kann zum Beispiel keine Obhutnahme durchführen.

Umso wichtiger ist es, gut vernetzt zu sein und mit den zuständigen Behörden und Ansprechpartnern einwandfrei zusammenzuarbeiten.“ Nicht nur Jugendamt, Arbeitsamt und Polizei sind für Rechls Arbeit bedeutend, sondern ebenso die Jugendarbeit (Streetwork) Karlsfeld, Pro Familia und eine Anzahl von Ärzten.

Christina Rechl leistet viel Beziehungsarbeit, was Voraussetzung ist, „um ein vertrauensvolles Verhältnis zu schaffen und im Anschluss schwerwiegende Themen loszuwerden“.

Das Arbeitsfeld der Jugendsozialarbeiterin ist umfassend. Sie leistet Gender- und Aufklärungsarbeit, bemüht sich um interkulturelles Verständnis, verstärkt den Selbstfindungsprozess vieler Jugendlicher, ist Ansprechpartnerin für die Probleme und Belange der Schüler und muss schließlich das Krisen- und Problempotential rechtzeitig erkennen sowie die ihr anvertrauten Fälle priorisieren.

Vor zwei Jahren kam ein zehnjähriges Mädchen zur Jugendsozialarbeiterin. Es hat lange gedauert, bis sich das Mädchen öffnete und Rechl anvertraute, dass sie in ihrer Patchwork-Familie aufgenommen wurde, um im Haushalt auszuhelfen, ohne ausreichend Nahrung und Geborgenheit zu bekommen. Der Fall ging unmittelbar an das Jugendamt, das dafür sorgte, dass das Mädchen in anonymer Obhut untergebracht wurde.

Ebenso dramatisch die Geschichte eines Teenagers aus dem nahen Osten, der als unbegleiteter Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland kam. Fast seine gesamte Familie war von Terroristen getötet worden. Der Junge ist hochtraumatisiert und hat Ausfallerscheinungen. Und er soll sich weiterhin behaupten, wenn er beschimpft und angepöbelt wird. Gleichzeitig muss er einen Spagat zwischen westlicher und eigener Kultur schaffen und ist, wie jeder Jugendliche, mit Regeln und Normen konfrontiert. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Rechl und dem Jugendamt hat er Chancen, sich zu integrieren und weiterzuentwickeln.

Ein weiterer Fall, der Rechl seit zwei Jahren beschäftigt, betrifft ein Mädchen, das mit 16 vom Gymnasium in die 10. Klasse der Mittelschule kam. Die Jugendliche hatte nicht nur gute Noten, sondern wurde schnell integriert, sie kümmerte sich sogar um Belange und Probleme ihrer Mitschüler. Doch peu à peu schwenkte das positive Klima dermaßen um, dass die 16-Jährige gemobbt wurde. Dies führte zu suizidalen Tendenzen sowie zu selbstverletzendem und depressivem Verhalten.

Auf eigenen Wunsch wurde die 16-Jährige in eine psychosomatische Klinik eingewiesen, mit zunächst sichtbarem Erfolg. Eine Weiterbehandlung lehnte sie leider ab. Aufgrund ihrer besonderen Situation erhält sie, trotz Volljährigkeit, sämtliche Hilfen bis hin zur finanziellen Unterstützung vom Jugendamt. Rechls Beitrag hierfür war federführend.

„Der Bedarf an Jugendsozialarbeit war immer vorhanden“, sagt Rechl. Früher hätten sich die Schüler andere Vertrauenspersonen ausgesucht. „Die Gesamtüberforderung an sich, der zeitliche und finanzielle Druck, der auf Eltern und Kinder lastet, und der Leistungsdruck der Schüler führt oft zu psychisch hoch belasteten Kindern“, hat die Sozialpädagogin beobachtet. Sie selber findet die Einführung der Jugendhilfe an der Schule notwendig und ist davon überzeugt, dass diese Institution in der Mittelschule Karlsfeld gut angenommen wird.

„Ja, mein eigenes Kind würde ich bedenkenlos hier an der Schule einschreiben“, so Rechl, „weil die Zusammenarbeit verschiedener Instanzen, die Informationswege sowie die Eltern- und Lehrerbeziehungen gut funktionieren“.

Maria Boutsoli

Auch interessant

<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" fuchsia</center>

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" fuchsia

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" fuchsia
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas

Kommentare