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„Wir hatten ein ausgefülltes Leben!“ Wolfgang Seehaus mit seiner Frau Ingrid.

Wolfgang Seehaus wird 80

Ein umtriebiger Geist kommt langsam zur Ruhe

Karlsfeld - Es gibt kaum einen Bereich in Karlsfelds gesellschaftlichem Leben, der nicht durch Wolfgang Seehaus beeinflusst wurde. Am Donnerstag feierte Seehaus seinen 80. Geburtstag.

Wolfgang Seehaus war und ist nach wie vor sehr engagiert. Er ist aktives Mitglied im Kunstkreis Karlsfeld, den er 1977 zusammen mit Dieter Kleiber-Wurm gegründet hat. Außerdem hat er die Leichtathletik-Abteilung des TSV Eintracht Karlsfeld mit aufgebaut und war zwei Jahre als Jugendleiter tätig. Seehaus gelang die Verbindung von Kirche, Kunst und Gesellschaft in der Gegenwart durch mehrere Kunstausstellungen in der Korneliuskirche. Das 1,40 Meter hohe Ökumene-Kreuz „Für die Menschen dieser Welt“, das im Gemeindesaal der Korneliuskirche hängt, stammt von ihm.

Die Förderung von Kindern und Jugendlichen lag Seehaus immer besonders am Herzen. Daher unterstützte er die Karlsfelder Muckerl-Bühne schon seit mehr als 20 Jahren und baute für sie Requisiten und Bühnenbilder. Auch das Karlsfelder Ferienprogramm konnte immer darauf bauen, dass mindestens ein Programmpunkt von Wolfgang Seehaus übernommen wurde.

Der Designer, Bildhauer, Zeichner und Maler wurde vor 80 Jahren in Gummersbach geboren. Seit 1966 lebt er in Karlsfeld. Seehaus ist verheiratet, hat zwei Töchter, vier Enkelkinder und auch schon eine Urenkelin. Nach einer Schlosserlehre studierte er an der Werkkunstschule in Wiesbaden Metallgestaltung, arbeitete danach fünf Jahre als Modelleur beim Autohersteller Ford, dann 27 Jahre lang als Diplomdesigner bei BMW.

Die Schönheit und Funktionalität von Karossen hat Wolfgang Seehaus sein ganzes Leben lang fasziniert. Daher war er auch an der Entstehung der Serie „Art-Cars“ beteiligt, für die seit 1975 herausragende Künstler aus aller Welt BMW-Automobile ihrer Zeit gestalten.

Anfang der 70er Jahre baute er ein Modell für einen Rennwagen, mit dem Mario Andretti später in Indianapolis an den Start ging. Für den Deutschen Bob- und Schlittenverband entwarf Seehaus einen Zweier-Bob, der wegen seines futuristischen Designs in der Neuen Sammlung der Pinakothek der Moderne in München ausgestellt ist.

Doch auch der umtriebigste Geist kommt irgendwann zur Ruhe. Zumindest hat man bei Wolfgang Seehaus das Gefühl, dass er zur Ruhe kommt. Wenn auch vielleicht nicht ganz freiwillig. Im Juli ist er gestürzt und hat sich am Knie verletzt. Zusätzlich macht ihm der Rücken zu schaffen. Vor Kurzem erst ist Seehaus aus der Reha am Chiemsee zurückgekommen. „Jetzt geht es mir schon wieder etwas besser, darüber bin ich sehr froh“, erzählt er. „Wir haben das alles gemeinsam durchgestanden“, betont seine Frau Ingrid Seehaus, 79.

Das nächste große Projekt steht auch schon wieder an, dieses Mal hat es aber nichts mit der Gemeinde Karlsfeld oder der Kunst zu tun, sondern ganz privat mit dem Leben des Ehepaars Seehaus. Das Haus, in dem das Paar lebt, ist mittlerweile viel zu groß und zu unpraktisch, da es sehr viele Treppen hat. Daher ziehen sie im Februar in eine Wohnung. „Es fällt uns sehr schwer auszusortieren und zu entscheiden, was mit in die neue Wohnung darf und was nicht. Vor allem natürlich bei den Kunstwerken meines Mannes, die hier überall im Haus und im Garten rum stehen“, erklärt Ingrid Seehaus. „Als Künstler kann man sich nicht entscheiden, welches Kunstwerk man lieber mag“, ergänzt ihr Mann.

„Wir hatten ein sehr ausgefülltes Leben, doch jetzt müssen wir etwas kürzer treten. Die Gesundheit ist schließlich das Wichtigste“, findet Wolfgang Seehaus. Und seine Frau ist zuversichtlich, dass es mit der Gesundheit auch wieder bergauf geht. „Der Wohnungswechsel bringt auch wieder neue Perspektiven und man kann sich von alten Lasten befreien und auf Neues konzentrieren. Ich würde zum Beispiel gerne noch viel reisen.“

Am Wochenende wartet dann ein großes Fest auf die Familie, der Geburtstag des Familienoberhauptes wird gebührend gefeiert. „Auch wenn ich jetzt nicht mehr so aktiv sein kann wie früher. Das Künstlergen wird in unserer Familie weiter gereicht“, freut sich Wolfgang Seehaus.

Eigentlich so gut wie jedes der Kinder und Enkelkinder des Ehepaares hat dieses Gen mit bekommen. Kulturwissenschaften und Architektur gehören zu den Studiengängen der Nachkommen, manche sind selbst Künstler oder sind beim Theater aktiv. Wolfgang Seehaus: „Ich denke gerne an die Zeit zurück, als ich noch aktiver war, aber es befriedigt mich sehr, zu sehen, dass meine Familie sich auch für Kunst interessiert. So lebt das weiter."

Stefanie Ritter

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