Er hat einen unsichtbaren Feind besiegt: Michael Kaiser litt an der seltenen Krankheit aplastische Anämie. Nun hat er seine Autobiographie vorgestellt. Foto: habschied

Eine Geschichte von Mut und Hoffnung

Karlsfeld - Michael Kaiser hat eine Überzeugung: Jeder Mensch hat eine Bestimmung, glaubt er. Jeder muss seinen individuellen Weg gehen. Sein Weg hat ihn oft an die eigenen Grenzen geführt. Der 45-Jährige litt an einer seltenen Blutkrankheit. Er hat den Kampf gegen sie gewonnen - und will nun anderen mit seiner Geschichte Mut machen.

„Es könnte traurig werden“, begrüßt Michael Kaiser seine Zuhörer. Er lächelt. Denn eigentlich gibt es keinen Grund. Denn sein Buch handelt von Zuversicht. Vom Kämpfen. Von Mut und Hoffnung. Trotzdem hat er vorsichtshalber ein paar Päckchen Tempotaschentücher dabei. Sicher ist sicher. Die Geschichte, die er erzählen will, geht ihm immer noch sehr nahe. Obwohl er weiß, dass es ein Happy End gibt. Denn es ist seine eigene Überlebensgeschichte. Er hat sie aufgeschrieben, veröffentlicht - und liest sie heute das erste Mal vor. In Gabriele Grimms Buchhandlung Blätterwerk.

Michael Kaiser hatte auf viele Zuhörer gehofft - aber es kamen weit mehr, als er erwartet hatte. Viele Freunde und Bekannte des gebürtigen Karlsfelders, aber auch einige, die von seiner Geschichte gehört hatten und sie nun noch einmal von ihm selbst hören wollten.

Der 45-Jährige hat viele bunte Klebezettel in seiner Autobiographie verteilt. An Stellen, die er vorlesen will. Darüber muss er selbst schmunzeln. „Es ist schwer, etwas wegzulassen“, sagt er. Sein Überlebenskampf füllt viele Seiten. Er lässt sich nur schwer mit wenigen Sätzen zusammenfassen.

Alles begann vor 28 Jahren mit einer ambulanten Zahn-OP. Die Wunde hörte damals nicht auf zu bluten, es ging dem 18-Jährigen schlechter und schlechter. Zehn Tage später lag er auf der Intensivstation, schwebte in Lebensgefahr. Die Diagnose: schwere aplastische Anämie. Eine Krankheit, von der Michael Kaiser noch nie gehört hatte. Sie ist äußerst selten. Die Betroffenen leiden unter Knochenmarkversagen und gleichzeitig unter einer Verringerung der Zellen im Blut. Von einen Tag auf den anderen beschäftigte sich Michael Kaiser nicht mehr mit Teenager-Problemen, sondern musste ums Überleben kämpfen. Nach einem Jahr und fast 300 Liter Blutkonserven sah es so aus, als ob er die Krankheit besiegt hätte - bis die aplastische Anämie 1997 ein zweites Mal ausbrach. Zu einer Zeit, in der Kaiser mit vielen Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte. Sein einziger Halt im Leben waren seine beiden Töchter, sagt er und lächelt seine Jüngste Verena (18) dankbar an. Sie ist heute zu der Lesung ihres Vaters gekommen, durchlebt mit ihm gemeinsam alles ein zweites Mal: Bestrahlungen, Chemotherapie, Knochenmarktransplantation, die vielen schlimmen Wochen des Bangens und Hoffens. Michael Kaisers Wunsch zu leben war stärker als die Krankheit. Sein Körper nimmt das fremde Knochenmark an. Er hat es geschafft - und gelernt, dass Leben zu lieben.

Michael Kaiser war Anfang 30, als er noch einmal von vorne begann. „Es gab keine Ausrede mehr, mein Leben nicht selbst in die Hand zu nehmen und Dinge zu verändern“, sagt er. „Es gab auf einmal keinen plausiblen Grund mehr, Dinge nicht zu tun.“ Er begann eine Ausbildung zum Heilpraktiker, verliebte sich neu - und wurde noch einmal Vater. „Ein medizinisches Wunder“, sagt er. Alle Ärzte hatten ihm gesagt, dass ihn die Behandlung unfruchtbar machen würde.

Michael Kaiser ist glücklich heute. Und er lebt bewusst. „Ich habe gelernt, jede Entscheidung mit ganzem Herzen zu treffen. Ohne mir Hintertürchen offen zu lassen.“ Die Krankheit, sie ist für ihn im Nachhinein ein Geschenk. „Wichtige Dinge passieren nicht zufällig“, ist er überzeugt. Deshalb hat er seine Geschichte aufgeschrieben. Um anderen Mut zu machen, ihren eigenen individuellen Weg zu gehen. Mit allen Hürden, die das Leben bereit hält. (kwo)

Michael Kaisers Buch

„Neues, altes Rauschen“ (ISBN 978-3842356924) ist im Buchhandel und im Internet für 17,90 Euro erhältlich.

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