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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

Rätselraten um Motiv für Sex-Überfall

Karlsfelder Sexualstraftäter wieder vor Gericht 

Nach der Attacke auf eine Putzfrau bleiben die Gründe offen: Wollte der Angeklagte, ein 51 Jahre alter Mann aus Karlsfeld, nur wieder in den Knast? oder empfand er Lust bei der Tat?

Er habe die Putzfrau nur angegriffen, um wieder in den Knast zu kommen, „weil ich draußen nicht zurecht gekommen bin.“ Das sagte der mehrfach wegen schwerer Sexual- und Gewaltdelikte vorbestrafte 51-Jährige vor dem Landgericht Regensburg. Der ursprünglich aus Karlsfeld stammende Mann hatte am Abend des 20. Dezember letzten Jahres eine 60-jährige Putzfrau in Regenburg angegriffen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen sexuell motivierten Überfall. Doch der Angeklagte bediente offenbar auch den psychiatrischen Gutachter Professor Dr. Michael Osterheider mit verschiedenen Varianten seiner Motivlage bedient.

Im Rahmen einer früheren Untersuchung hatte der 51-Jährige hingegen erklärt, er habe die Frau für eine Bekannte gehalten, „weil ich meine Brille nicht aufhatte“, und sie deshalb von hinten umklammert. „Er ist sehr manipulativ“, meinte Osterheider, der den Angeklagten weiterhin für gefährlich hält. Dem 51-Jährigen wird vorgeworfen, der 60-jährigen Regensburgerin am Singrün gefolgt zu sein, sie von hinten gepackt und zu Boden gebracht zu haben „in der Absicht, unter Anwendung von Gewalt sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen“, heißt es in der Anklageschrift. Er soll sich auf das Opfer geworfen und seinen geöffneten Mund ihrem Gesicht genähert haben. Die Frau hatte Todesangst, schrie und wehrte sich aus Leibeskräften. Als Wachleute, die bei der nahen Flüchtlingsunterkunft Dienst taten, aufmerksam wurden, flüchtete der Mann. Er wurde jedoch von den Sicherheitskräften gefasst und der Polizei übergeben.

Der aus Karlsfeld stammende Angeklagte, der selbst als Kind Opfer väterlicher Gewalt wurde, saß 23 Jahre seines Lebens wegen diverser Delikte, darunter zwei brutale Vergewaltigungen, im Gefängnis, in der Psychiatrie und in Sicherungsverwahrung. Selbst wegen sexueller Übergriffe gegen seine Tochter wurde einmal ermittelt, das Verfahren jedoch eingestellt. Nach erneuter Haft wegen Raubes kam er im Juni 2015 frei – mit einem strengen Auflagenpaket: Er muss ständig eine elektronische Fußfessel tragen, darf keinen Alkohol trinken und muss regelmäßig die psychotherapeutische Fachambulanz für Sexualstraftäter in Nürnberg besuchen. Zuletzt lebte er in einem Übergangs-Wohnheim mit 24-Stunden-Betreuung in Regensburg.

Zu Dr. Osterheider sagte der Angeklagte am Dienstag, er habe gedacht, er habe „keine Chance mehr im Leben“ in Freiheit. Ein „herber Rückschlag“ sei gewesen, als einer seiner Facebook-Kontakte einen alten Zeitungsartikel über seine Sexualstraftaten in den 90er Jahren ins Netz stellte. Daraufhin sei er gemobbt worden. Er habe eine Namensänderung angestrebt. Niedergeschlagen habe er da zu einem Freund gesagt: „Ich muss gar keine Frau vergewaltigen, sondern sie nur zu Boden werfen. Das reicht für Sicherungsverwahrung.“ Nach drei Bier und einem Schnaps sei er am Singrün auf die Putzfrau gestoßen, die vor ihm ging, und habe sein Vorhaben umgesetzt, mit dem Ziel, erneut hinter Gitter zu kommen. Sexuelle Bedürfnisse verneinte der Angeklagte.

Osterheider brachte ein weiteres, mögliches Motiv für den Übergriff ins Gespräch: Plausibel sei auch, dass der Angeklagte sich der Frau „bemächtigen“ wollte, um durch diese Machtausübung sexuelle Befriedigung zu erlange. Was auch immer hinter der Tat stand, blieb offen.

Osterheider bescheinigte dem Angeklagten eine „dissozial egozentrische und psychopathische Persönlichkeitsstruktur“, die ihn immer wieder zu Straftaten motiviere. Er habe „infantil-narzisstische“ Züge und „agiert Impulse aus“. Auch in Zukunft seien von ihm Straftaten wie in der Vergangenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, „da keine verinnerlichte Reue und kein Erkennen, was er anderen zufügte“ vorlägen. Der 51-Jährige sehe die Schuld für seine Misere bei anderen. Allerdings, gab der Gutachter zu bedenken, habe er sich in den letzen Jahren bemüht, die Auflagen zu erfüllen, Hilfe gesucht und gewisse Fortschritte erzielt. Der Prozess dauert an.

Marion von Boeselager

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