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Sie haben schon bessere Siedlerfeste erlebt: Festwirt Burkhard Greiner mit seiner Frau Birgit, Gerhard Proske, und Festreferentin Christa Berger-Stögbauer (v.l.).

60. Siedlerfest Karlsfeld

Getrübte Stimmung nach dem Jubiläum

Karlsfeld - Das Jubiläum, ausgerechnet. Weder die Veranstalter von der Siedlergemeinschaft Karlsfeld-Nord noch Festwirt Burkhard Greiner sind zufrieden mit dem 60. Siedler- und Seefest. Es kamen einfach zu wenig Leute. Die Konkurrenz durch König Fußball war ein Grund für den schwachen Besuch. Aber es gibt noch andere Faktoren. 

War’s womöglich sogar ein Verlustgeschäft? Burkhard Greiner, Wirt auf vielen bayerischen Volksfesten und seit 1999 auch jedes Jahr in Karlsfeld auf dem Platz am See, muss die Frage unbeantwortet lassen. Noch liegen nicht alle Abrechnungen vor. Was Greiner weiß: An Getränken hat er diesmal rund 21,5 Prozent weniger als 2015 abgesetzt, an Speisen um 10,75 Prozent weniger. „Das macht Mindereinnahmen von umgerechnet 44 670 Euro“, teilt Greiner bei einem Pressegespräch zur Siedlerfestbilanz mit.

Noch schlimmer verlief das Fest nach Greiners Worten für die Schausteller. Die hätten ihm von Einbußen bis 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr berichtet. Gerhard Proske, Vorsitzender der Nord-Siedler, hofft indes auf eine „Schwarze Null“ für seinen Verein. Auch er kann noch kleine detaillierte Abrechnung vorlegen.

Anders als in den meisten Städten und Gemeinden hat das Karlsfelder Volksfest einen privaten Veranstalter, wenngleich die Gemeinde unterstützt, wo sie kann. Die Siedlergemeinschaft Nord kann das Fest Jahr für Jahr nur stemmen, weil sich nahezu alle Mitglieder an der Organisation und Vorbereitung beteiligen, viele haben schon lange feste Aufgaben. Die Leitung hat ein achtköpfiger Festausschuss mit Christa Berger-Stögbauer an der Spitze, sie ist seit 14 Jahren Festreferentin.

Christa Berger-Stögbauer hat schon viele Siedlerfeste gesehen und vor allem mitorganisiert. Sie weiß, wovon sie spricht, und sie weiß, wovon das Gelingen des Fests abhängt. Das Fest fand heuer vom 24. Juni bis zum 3. Juli statt. Am Monatsende sitze bei vielen der Geldbeutel nicht so locker. Das größere Problem aber war der beinahe tägliche Regen. „Wir leben vom schönen Wetter“, betont Berger-Stögbauer.

Besonders schlecht war der erste Sonntag. Es regnete, am Abend spielte die Fußballnationalmannschaft ihr EM- Viertelfinale gegen die Slowakei. Dafür blieb wenigstens der Feuerwerks-Freitag trocken. Das Farbenspektakel über dem See ist und bleibt die Attraktion schlechthin. Jahr für Jahr kommen laut Proske rund 30 000 Besucher an diesem Abend. Insgesamt hat das Karlsfelder Siedler- und Seefest an den zehn Tagen zwischen 80 000 und 90 000 Besucher.

Diese Zahlen wurden diesmal nicht erreicht. Besonders auffällig: Während sich bei den Volksfesten in Indersdorf und Dachau junge Leute zwischen 15 und 25 zu Tausenden in Lederhose und Dirndl amüsieren, bleibt die Jugend in Karlsfeld weitgehend fern. Das macht Christa Berger-Stögbauer ratlos. Eigens fürs jüngere Publikum hatte man die Showband Skandal aus Bayern für den ersten Freitag engagiert. Jetzt überlegt man weiter, wie das Fest für junge Besucher attraktiv gemacht werden könnte.

Das Siedlerfest weiter in den Sommer zu verlegen, um eher besseres Wetter zu haben und obendrein den im Zwei-Jahres-Turnus stattfindenden großen Fußballturnieren zu entgehen, ist keine Option. Zum einen wegen der vielen anderen Volksfeste in der Region, die dann stattfinden, zum anderen wegen Terminproblemen mit den Schaustellern.

Und Public-Viewing, um die Fußball-Fans ins Zelt zu locken? Festwirt Greiner winkt ab. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.

Bleibt der Erfolg aus wie in diesem Jahr, dann geht das tief nach stressigen Wochen der Vorbereitungszeit und Nächten mit drei Stunden Schlaf während der besonders arbeitsintensiven Festtage. „Manchmal denkt man, es geht nicht mehr“, gesteht Christa Berger-Stögbauer. Die Sache ganz zu lassen kommt jedoch nicht in Frage.

2017 wird also das 61. Karlsfelder Siedler- und Seefest stattfinden. Dann garantiert ohne Fußball. Und hoffentlich ohne Regen

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