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Die 95-Jährige mit ihrem Erstlingswerk: „Droben am 62. Breitengrad“.

In Eigenregie

Autobiografie zum 95. nachgedruckt

Karlsfeld - Sie hat viel erlebt und fast alles aufgeschrieben. Zu ihrem 95. Geburtstag hat Margret Suppan-Ankomah ihre Erinnerungen nachgedruckt.

Ganz zum Schluss des Treffens wird Margret Suppan-Ankomah noch einmal leidenschaftlich. Nämlich dann, als es um die heutzutage fast schon übliche geringe Beteiligung bei Wahlen geht. „Man muss die Chancen sich zu beteiligen nutzen, egal wie gering sie erscheinen“, erklärt sie mit Nachdruck. Dass man ihre Worte ernst nimmt, ist die 95-jährige Karlsfelderin gewohnt, schließlich begegnet man selten jemandem mit ähnlich viel Lebenserfahrung. Dazu kommt, dass sie in der NS-Zeit, und später in der DDR, zwei Regime ohne echte demokratische Wahlen hautnah miterlebt hat.

Da sie so viel erlebt hat, hat Margret Suppan-Ankomah auch enorm viel zu erzählen. Man hört ihr gerne zu und es wundert nicht, dass sie mit ihren Erlebnissen zwei, größtenteils autobiografische, Bücher füllen konnte.

Eines davon hat sie nun anlässlich ihres 95. Geburtstages, für sich und Freunde, nachproduzieren lassen. Auf eigene Faust, mithilfe ihrer Freundin aus dem Karlsfelder Literaturkreis, Ingrid Hagenbücher. Der Verleger des 2003 erschienen Werks „Gelebtes Hüben und Drüben“, war nicht mehr zu erreichen. Deshalb handelten die beiden Damen in Eigenregie.

Das Buch behandelt unter anderem Suppan-Ankomahs Zeit im damaligen Leningrad (heute Sankt Petersburg) und die zahlreichen Reisen, unteranderem nach China, sowie weitere Stationen ihres Lebens.

Geboren 1921 in Landwehrhagen bei Kassel, verschlug es die medizinisch-technische Assistentin 1946 in die damalige Sowjetunion. Die Sowjets hatten damals großflächig in sogenannten „Spezialistenaktionen“ Fachkräfte mobilisiert.

Nach ihrer Rückkehr 1953 arbeitete sie zwei Jahre lang in verschiedenen Universitätskliniken in der damaligen DDR, bevor sie nach einem genehmigten Westaufenthalt in Kassel nicht zurückkehrte. „Die DDR betrieb schon eine Art Freiheitsentzug und der Westen war für mich so etwas wie ein Sehnsuchtsort“, erzählt die Karlsfelderin. Auf die Frage, wie ihr Arbeitgeber im Osten auf ihren plötzlichen Abgang reagiert hat, antwortet Suppan-Ankomah mit einem Lächeln: „Die wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und konnten nichts machen. Weg ist schließlich weg.“

Danach verschlug es die Frau unter anderem nach Kempten, Bielefeld und Ulm. „Grob alle vier Jahre bin ich umgezogen, aber immer mit Grund. Vor allem, weil ich beruflich weiterkommen und mich weiterbilden wollte.“ 1970, mit 49 Jahren, begann sie nochmal ein Studium als medizinische Dokumentarin. Später arbeitete sie dann in München für die Gesellschaft für Strahlenforschung und Umweltschutz.

Die längste Zeit lebt Margret Suppan-Ankomah nun schließlich in Karlsfeld, in einer Wohnung im fünften Stock – ohne Aufzug. „Ungeschickt in meinem Alter“, wie sie selbstironisch anfügt. Am schönsten, sagt sie, sei die Zeit mit ihren Ehemännern gewesen, die jeweils beide vor ihr verstarben. Der eine sogar bereits 1943 im Krieg.

Ihr Appell zu mehr politischer Beteiligung ganz am Ende des Gesprächs zeigt: Politik war ihr immer wichtig, und auch heute ist sie noch sehr am aktuellen Geschehen interessiert. Am meisten ärgerte sie in jüngster Zeit die Annexion der Krim. Sie hatte sich die Insel fest als Urlaubsziel ausgesucht.

Die jungen Leute ruft sie zu mehr Versöhnung und Verständnis auf. Für sich selber hat sie keine großen Wünsche mehr: Die Hundert strebe sie nicht mehr zwingend an. Sie wolle nur, dass „alles möglichst glatt über die Runden geht.“ Aljoscha Huber

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