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Ihr Zuhause ist zu teuer geworden: In der Wohnung von Nicole Bornhausen sieht es schon nach Aufbruch aus. Dabei würde die 81-Jährige so gern bleiben.

Wenn das Leben zu teuer wird

Vertrieben aus der Boom-Region

Karlsfeld - So lange wie möglich im Heimatort leben, am besten in den eigenen vier Wänden – das wünschen sich fast alle Senioren. Auch Nicole Bornhausen. Doch die 81-Jährige muss wegziehen, weil sie sich das Leben in Karlsfeld nicht mehr leisten kann. Traurige Realität für viele alte Menschen.

Zweimal in der Woche fährt Nicole Bornhausen nach Unterschleißheim, um dort in der Volkshochschule Unterricht zu halten. Französisch natürlich, ihre Muttersprache. Tut sie das, um eine Aufgabe zu haben, oder aus Spaß an der Freude sogar? Nicole Bornhausen widerspricht sofort: „Nein, nein, ich tue das, um mir etwas dazuzuverdienen.“ Anders wäre Nicole Bornhausen nicht über die Runden gekommen. Wenn die Karlsfelderin sagt, dass sie ihr ganzes Leben gearbeitet habe, so ist das wörtlich zu nehmen. Im Dezember wird Nicole Bornhausen 82.

Nicole Bornhausen sitzt am Wohnzimmertisch in ihrer 56-Quadratmeter-Wohnung und erzählt in perfektem Deutsch, nur der französische Akzent ist geblieben. Ihr Sohn Peter werkelt derweil, schraubt Regale auseinander, packt Umzugskartons. Er hilft der Mutter, die im hohen Alter noch einmal umzieht. Nach Angers in Frankreich geht es, zu ihrer Schwester. „Es kam für mich nie in Frage wegzugehen“, sagt Nicole Bornhausen. Doch das Leben in Karlsfeld, inmitten der boomenden Region, ist zu teuer geworden für die Rentnerin.

Seit 1960 schon lebt die in Paris geborene Nicole Bornhausen in Deutschland. Ihr Geld verdiente sie vor allem als Übersetzerin, für den Bayerischen Rundfunk sprach sie Nachrichten auf Französisch. Vor einigen Jahren noch wohnte sie in Schwabing, entschied sich dann zum Umzug nach Karlsfeld. Die Wohnung in dem 18-Parteien-Haus dort war zwar wesentlich kleiner, die Miete aber eben auch wesentlich günstiger.

Eine Weile lebte Nicole Bornhausen ihr bescheidenes Leben mit ihrer kleinen Rente, der Unterstützung ihres Exmanns und den paar Euro, die sie von der Vhs bekam. Jetzt aber geht die Rechnung nicht mehr auf. 800 Euro warm zahlt die zierliche 81-Jährige für ihre Wohnung. Hinzu kommen die üblichen laufenden Kosten – Versicherungen, Strom, Telefon und vieles mehr. Und auf staatliche Hilfe wie etwa Wohngeld hat sie keinen Anspruch. Nicole Bornhausen: „Mir bleibt nichts zum Leben.“

Die Option, zur zwei Jahre jüngeren Schwester nach Frankreich zu ziehen, ist eine glückliche Fügung. Viele Rentner jedoch, die in einer ähnlichen prekären Situation sind wie Nicole Bornhausen, wissen nicht wohin. Weil solvente Mieter zuziehen und weniger zahlungsfähige verdrängen, geht das Angebot an bezahlbarem Wohnraum gegen Null. Endlich reagieren auch die Gemeinden im Landkreis darauf, der soziale Wohnungsbau ist fast überall Thema, wenn auch konkrete Projekte noch rar sind.

Der Landkreis leistet seinen Beitrag. Gemeinden, die in Kooperation mit der Kreiswohnbaugesellschaft bauen, müssen sich an den Herstellungskosten nicht mehr beteiligen. 2014 war dieser Eigenanteil von 15 auf zehn Prozent gesenkt worden. Dann fiel er komplett weg. „Die Bedingungen für den dringend notwendigen sozialen Wohnungsbau sind so gut wie noch nie“, sagt Landrat Stefan Löwl.

Die Gemeinde Karlsfeld nutzt das schon. Am Heizkraftwerk wird die Kreiswohnbau ein Gebäude mit 66 Sozialwohnungen und 16 Wohnungen für Betreutes Wohnen bauen. Karlsfeld bringt sich mit dem gemeindeeigenen Grundstück ein, hat sonst keine Kosten.

Für Nicole Bornhausen kommt das zu spät. Ende des Monats kehrt sie zurück nach Frankreich. Sie lässt ihre Freunde zurück, ihre geliebte Sammlung von Kunstkatalogen und vieles mehr. Ihre kleine Karlsfelder Wohnung ist schon neu vermietet. Für 100 Euro mehr im Monat.

tol

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