Guten Tag, Deutschland: Mursal (vorne links), Samira und Mohammad (dahinter) sind drei Flüchtlingskinder, die heuer eingeschult worden sind. foto: helferkreis Karlsfeld

Ein wunderbarer Ort

Karlsfeld - „Ich bin der Mohammad. Und wer bist Du?“ Die Besucherin ist Elfriede Peil vom Helferkreis Karlsfeld. Sie erlebt mit, was die Flüchtlingskinder in der Parzivalstraße heute so machen.

„Hallo, guten Morgen“, begrüßt Jibi aus Mali die Besucherin. Mit einem Blick auf die Uhr im Schulungsraum an der Parzivalstraße korrigiert der Bub sich: „Es ist ja schon Nachmittag. Dann sagen wir in Deutschland: Guten Tag.“ Heute haben fünf Buben die Hausaufgabenhilfe angenommen, meistens sind es zehn bis zwölf Kinder. Jeden Tag, von Montag bis Freitag, gibt es dieses Angebot vom Helferkreis. „Das ist manchmal ganz schön anstrengend, sie sind ziemlich lebhaft“, sagt Irmgard Szelag, die zusammen mit Jürgen Eckstein und Erika Mrosewski die Kinder betreut. An diesem Montag ermutigt Irmgard Szelag die Kinder, hält sie zum Arbeiten an und hilft nur bei echten Notfällen. „Aber es macht auch Spaß, und man kann oft lachen.“ Heute gibt es eine Worterkennungsübung als Hausaufgabe. Das Wort „Regen“ kommt vor. „Weißt Du, was das ist?“ Kurzes Nachdenken: „Ja, aber heute scheint die Sonne.“ Und dann soll eine „Nuss“ erkannt werden. Jibi kennt keine Nuss. Aber Erdnüsse? Ein Strahlen geht über sein Gesicht.

Das Team der Hausaufgabenhilfe würde man sich freuen, wenn weitere Helferinnen und Helfer einsteigen: „Dann können wir intensiver mit den einzelnen Kindern lernen. Auch helfende Schüler und Schülerinnen sind gerne willkommen“, sagt Szelag.

Drei Kinder sind dieses Jahr eingeschult worden: die beiden Mädchen Samira aus Tschetschenien, Mursal aus Afghanistan und Mohammady aus dem Senegal. Sie sind voller Stolz - genauso wie ihre Eltern und die deutschen Helfer Irmgard Szelag, Jürgen Eckstein und Erika Mrosewski.

Die Kinder in der Parzivalstraße zu erleben, ist anrührend. „Ich finde es immer wieder toll, wie sie miteinander spielen. Auch wenn es dabei manchmal heftig zugeht“, sagt die Lotsin Evi Wimmer. In Karlsfeld gibt es die Arbeitsgemeinschafts-Lotsen. Ihre Aufgabe ist es, die Flüchtlinge individuell zu betreuen. „Und es gibt einige unserer Jungs und Mädels, die sich ganz nett um die kleineren Kinder kümmern - um alle, völlig unabhängig davon, woher sie kommen, welcher Religion sie angehören oder ob man sich mit Sprache verständigen kann. Sie spielen mit den Kindern, albern rum, trösten sie, wenn es mal Tränen gibt - und die Kinder hängen sehr an ihnen.“

Beim Besuch von Elfriede Peil saust ein kleiner dunkler Bub auf seinem Rad strahlend an ihr vorbei: „Ich gehe schon in die Schule!“ Keine drei Minuten später schiebt er sein Rad und schreit wie am Spieß, rennt den kleinen Hügel hoch, schmeißt sich auf den Boden und lässt sich nur beruhigen, als ihn die Helferin in den Arm nimmt und er sich in drei Taschentüchern ausweinen kann. Was ist passiert? Einige ältere Kinder klären auf: „Er ist zu schnell in die Kurve.“ Und, ganz weise: „Aber der wird schon wieder.“

Das Gelände um die Unterkünfte in der Parzivalstraße ist ein wunderbarer Flecken für die Kinder. Sie können rennen, andere besuchen, Radlfahren und bei Sitzungen des Helferkreises durch das Fenster schauen. Dort gibt es gerade bei eine Powerpoint-Präsentation: „Oh, Fernsehen“, so ihr Kommentar.

Die Heiterkeit dieser Kinder scheint sich auf die Erwachsenen zu übertragen, das spüren sie beim Helferkreis. „Ich liebe diese Atmosphäre! Ich bin ein großer Fan unserer Parzivalstrasse“, sagt Elfriede Peil. „Bei allem, was dort auch immer mal wieder passiert, finde ich es wunderschön, wenn ich abends hinkomme und die Leute sitzen draußen, trinken Tee, spielen Backgammon, jemand spielt Musik.“ Und die Kinder sind irgendwann müde vom Herumsausen und können friedlich schlafen.

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