Alleinlebende Frauen sind im Landkreis Dachau oft betroffen

Die Armut der Rentnerinnen

Landkreis - Die Lücke zwischen der Rente von Frauen und Männern ist im Landkreis Dachau größer als im oberbayerischen Schnitt. Die alleinlebenden Renterinnen trifft es besonders hart: Viele sind arm.

Über 65-jährige Frauen im Landkreis Dachau bekommen im Schnitt 770 Euro Rente im Monat. Doch Frauen, die nur aus dem eigenen Verdienst eine Rente beziehen, erhalten nur 604 Euro. Männliche Rentner erhalten mit durchschnittlich 1111 Euro über 500 Euro mehr – damit bekommen Einzelrentnerinnen weniger, Männer jedoch sogar mehr Rente als der oberbayerische Schnitt von 1026 Euro.

Diese Zahlen hat die Staatsregierung auf Anfrage der SPD mitgeteilt. Sie belegen, dass die Rentenlücke im Landkreis zwischen Frauen und Männern noch größer als im oberbayerischen Schnitt.  

Den Grund für die geringen Renten vor allem bei alleinstehenden Frauen sieht Wolfgang Gartenlöhner, Leiter des Landratsamtes für Seniorenangelegenheiten, darin, dass „früher viele Frauen nicht gearbeitet haben“. Auch Stefanie Otterbein vom VdK in Dachau bestätigt, dass die Armut in Alter und bei Krankheit gerade Frauen treffe: „Besonders schlimm wird es, wenn der Mann als ,Ernährer’ wegfällt, oder bei alleinstehenden Frauen.“ Vor allem Rentnerinnen suchen Rat beim VdK. Denn eine derart niedrige Rente ist sehr belastend. MdL Martin Güll ist überzeugt: „Davon kann niemand leben.“

Ein Problem für die Betroffenen seien, so Annemie Hiebsch vom Landkreisseniorenbeirat, vor allem die teuren Wohnungen in Dachau und Karlsfeld. Auch wenn eine alleinstehende Frau Pflege im Alter brauche oder laufende Arztkosten bewältigt werden müssten, entstehen oft Geldsorgen. Wolfgang Gartenlöhner weiß, dass deshalb viele Rentner auch im Alter noch Minijobs ausüben: Sie arbeiten im Gastrobereich, im Friseursalon oder mähen den Rasen. „Aber wenn man nicht mehr gesund ist und nicht arbeiten kann, dann hat man ein Problem“, erklärt er.

Dass im Landkreis besonders alleinstehende Frauen von Altersarmut betroffen sind, weiß aber nicht nur die Statistik – auch Stellen in Dachau, die den Rentnerinnen Hilfe bieten, bestätigen: „34 alleinstehende Rentnerinnen kommen zu uns in die Tafel, aber nur elf alleinstehende Männer in Rente“, sagt Edda Drittenpreis, Leiterin der Dachauer Tafel. Dabei sei die Dunkelziffer derer, die nicht kommen, groß: 179 Rentner gebe es in Dachau, die eine Grundsicherung beantragen und zur Tafel kommen könnten, es aber nicht tun. Schuld daran sei nicht nur das komplizierte Antragsverfahren, auch das Schamgefühl der Senioren stellt eine große Hemmschwelle dar.

„Die alten Leute haben im Krieg gelernt zu sparen“, so Drittenpreis. Und deshalb versuchen sie sich lieber, selbst über Wasser zu halten.

Die Scham verschlimmert die Situation nur noch. Denn es gebe nicht nur die finanzielle, sondern auch die gesellschaftliche Altersarmut, wie Gartenlöhner erklärt. Und diese Menschen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen seien, „die sind noch ärmer dran“, so Gartenlöhner. In seiner Abteilung versuche er nicht nur, Senioren mit Geldsorgen finanziell zu helfen, es gibt auch die Möglichkeit, beispielsweise kostenlose Theaterkarten zu erhalten.

Denn auch mit der Grundsicherung „macht man keine großartigen Sprünge“, wie er weiß. Ihn verärgert es, dass die Renten immer niedriger werden. „Wer eingezahlt und erwirtschaftet hat, der sollte das auch wieder rauskriegen.“ Gartenlöhner verlangt unter anderem höhere Betriebsrenten. Da seien heute viele Ansätze verkehrt.

Dabei prosperiert gerade in Bayern die Wirtschaft: Laut Bericht der Staatsregierung „Soziale Lage“ steht der Freistaat mit seinem starken Wirtschaftswachstum sehr gut da: „die Vorstufe zum Paradies“, so Landtagsabgeordneter Güll. Ein Paradies – „nur eben nicht für alle“, meint Güll. Wichtig sei es deshalb, Frauen Anreize zu geben, den Wiedereinstieg in den Beruf zu finden, etwa mit dem Ausbau der Kinderbetreuung.

Bange ist Gartenlöhner vor der Zukunft: „Heute existieren noch viele Partnerschaften, aber in 20 bis 30 Jahren wird es viele Singlehaushalte geben.“ Außerdem komme dazu, dass die Älteren immer mehr werden und die Einzahler immer weniger.

Gartenlöhner prophezeit: „Es muss sich etwas ändern, sonst haben wir bald wirkliche Armut.“

Eva Lang

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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