Eine aufwändige Kunst: Bis zu zehn verschiedene Druckplatten wurden geschnitzt, wie hier: „Beim Kochwirt“. fotos: mik

Die Bewegung im Holz

Dachau - Holzschnitte, wohin das Auge reicht: Klare Linien, einfache Motive, bunte Farben: Die Gemäldegalerie zeigt Farbholzschnitte der Künstlerfreunde Walther Klemm und Carl Thiemann, zwei Meister dieser Kunst.

Gleich an drei Orten in der Dachauer Altstadt können Besucher aktuell die Kunst des Holzschnittes erleben. Im Schloss eröffnete erst kürzlich der bekannte Maler Baselitz seine Ausstellung mit großformatigen Holzschnitten, in der Neuen Galerie werden seit Mai Holzschnitte von zwei zeitgenössischen jungen Künstlern gezeigt - beides moderne Holzschnitt-Kunst. Doch die Gemäldegalerie zeigt die alte Kunst. Die Ausstellung „Walter Klemm und Carl Thiemann - Zwei Meister des Farbholzschnitts“ widmet sich den zwei Männern, die etwa 1908 nach Dachau kamen.

Die beiden wurden in Karlsbad geboren und gingen gemeinsam zur Schule. Unabhängig von einander schlugen sie eine künstlerische Laufbahn ein. Thiemann kam aus eher ärmlichen Verhältnissen und studierte 1905 in Prag Landschaftsmalerei. Klemm, der aus einer gut bürgerlichen Familie stammte, studierte in Wien Kunstgeschichte und besuchte dort auch die Akademie. Klemms prägende Figur war Emil Orlik, der um 1900 nach Japan reiste und dort die Technik des Farbholzschnitts lernte. Orlik brachte Klemm die Technik bei.

Carl Thiemann und Walther Klemm trafen sich schließlich 1905 zufällig in Prag auf der Straße wieder. Im Gespräch bemerkten sie Gemeinsamkeiten. Ein Entschluss wurde gefasst: Sie wollten sich ein Atelier teilen. Sie gaben sich ihr Wissen gegenseitig weiter. So kam es, dass auch Thiemann mit Farbholzschnitten in Berührung geriet. Sie experimentierten, probierten, tauschten sich aus, berieten sich und brachten damit die Technik des Holzfarbschnitts zur Vollendung. 1908 zogen die Künstler gemeinsam in die Künstlerkolonie Dachau.

In der Ausstellung sind Werke aus dieser Zeit, aber auch aus der Zeit danach zu sehen, als sich die Wege der beiden wieder trennten. Tiere, wie Vögel, Momentaufnahmen von Straßenansichten, Häusern, Wegen und Blumen waren die häufigsten Motive der Beiden. Teilweise mit bis zu zehn verschiedene Farben druckten die Künstler, wie die Ansicht auf das damalige Gebäude des Kochwirts in der Altstadt.

Was dies für ein Aufwand ist, und wie Holzschnitte überhaupt entstehen, können Besucher im ersten Stock der Gemäldegalerie erfahren. „Für jede Farbe benötigt es eine eigene Holzplatte, die neu geschnitzt werden muss“, erklärte die Kuratorin der Ausstellung, Elisabeth Boser, den Besuchern der Vernissage im April. Laien erkennen auf den ersten Blick schwer, welche Bilder von Klemm und welche von Thiemann stammen. Doch es gibt feine Unterschiede. „Klemm ging es vor allem um die Bewegung“, sagte Boser. Dafür habe er monatelang beispielsweise die Bewegungsabläufe eines Pelikans studiert, um diesen schließlich aus dem Gedächtnis in die Holzplatte zu ritzen. „Thiemann dagegen legte Wert auf das Dekorative im Motiv, er betonte die Linien“, führt Boser weiter aus.

Irgendwann schien für Klemm der Farbholzschnitt ausgereizt. Er bediente sich schließlich dem Schwarzweißholzschnitt, durch den er mehr Dramatik ausdrücken konnte. Klemm wurde nach und nach immer expressiver und widmete sich schließlich mehr und mehr Radierungen. Auch diese Entwicklung ist in der Ausstellung zu erkennen. Thiemann dagegen wandte sich nie vom Jugendstil und vom Farbholzschnitt ab. 1913 trennten sich die Künstlerfreunde auch geografisch, da Klemm eine Professur in Weimar angeboten bekam. Thiemann blieb in Dachau bis zu seinem Lebensende.

„Die Ausstellung ist traumhaft schön“, sagte ein Gast. Und tatsächlich könnten auch „Kunstbanausen“ etwas an der Ausstellung finden. Denn der Schwan ist ein Schwan, die Straße eine Straße und die Blume eine Blume: Die klaren Motive und festen Linien brauchen keine große Interpretation oder philosophische Dichtung, sondern sind einfach schön anzuschauen.

(mik)

Die Ausstellung „Walter Klemm und Carl Thiemann - Zwei Meister des Farbholzschnitts“ ist noch bis 15. August in der Gemäldegalerie zu sehen. Eine Kombiführung durch die Sonderausstellung und die „Außen- und Innenansichten“ Holzschnitte von Jan Brokof und Susanne Hanus in der Neuen Galerie findet am Sonntag, 26. Juni, von 14 bis 15.30 Uhr statt. Treffpunkt ist bei der Gemäldegalerie Dachau.

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