Burnout: Interwiew mit Ursula Hannemann von der Dachauer Caritas

Dachau - Der Druck im Job wird immer größer. Mitarbeiter fühlen sich ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen und bringen weniger Leistung - Diagnose: Burnout-Syndrom. Eine Expertin erklärt, was das eigentlich ist und was man tun kann.

Die Sozialpädagogin Ursula Hannemann betreut im Sozialpsychiatrischendienst der Caritas Dachau auch Menschen mit Burnout, und sie erklärt, wie man Burnout erkennt und wieso es wichtig ist, sich schnell Hilfe zu holen.

Was ist Burnout eigentlich?

Burnout ist ein körperlicher und psychischer Erschöpfungszustand. Grund sind meist hohe Anspannung und Stress im Privaten und auch hohe Belastung und zu wenig Anerkennung am Arbeitsplatz. Der Übergang zur Depression ist oft fließend. Aber es ist leichter von einem Burnout zu sprechen, das ist inzwischen gesellschaftlich anerkannt. Es kann eine Chance bieten etwas zu ändern, vor allem für Männer, weil es beim Burnout um hohe Leistungen und Scheitern geht.

Bei welchen Anzeichen muss ich mir Sorgen machen?

Burnout ist ein Warnruf. Irgendetwas im Leben ist nicht mehr im Gleichgewicht. Es beginnt mit Müdigkeit, Erschöpfung und Überforderung. Betroffen sind meist Menschen, die sich stark engagieren - die richtig ranklotzen, weil ihnen ihre Arbeit wichtig ist. Sie können sich dann aber kaum mehr aufraffen und motivieren und vernachlässigen dann auch andere wichtige Bedürfnisse. Dann beginnt eine richtige Burnout-Spirale: Sie distanzieren sich und werten ihre Arbeit ab, ziehen sich zurück und werden gereizt. Schließlich stumpfen sie ab und schaffen ihre Arbeit kaum noch, fühlen sich leer und werden depressiv. Wer unter Burnout leidet, versucht, durch mehr anzustrengen den Erschöpfungszustand zu kompensieren und wird noch ausgebrannter.

Wie lässt es sich therapieren?

Wichtig ist, sich nicht zu schämen und sich Hilfe zu suchen. Mit einem Außenstehenden kann man ehrlich anschauen, welche Lebensbereiche aus den Fugen geraten sind. Der Betroffene muss herausfinden, welche Bedürfnisse er in den Lebensbereichen Arbeit, Privatleben und Familie, Gesundheit und Hobbies vernachlässigt hat. Er wird Muster erkennen von zu hohen Selbstansprüchen, einem labilen Selbstwertgefühl oder die Tendenz, sich selbst zu überfordern. Wer unter Burnout leidet, darf sich nicht zurückziehen, braucht Lebenshilfe von Beratungsstellen, therapeutische oder ärztliche Hilfe.

Was bringen Anti-Stress Maßnahmen in Firmen, wie Yoga-Kurse und Massagen?

Alles, was die Widerstandskraft fördert, ist gut, gerade Sport. Wenn jemand erkrankt ist, kann ein Yogakurs nicht weiterhelfen. Aber gemeinsame sportliche Aktivitäten am Arbeitsplatz können im Vorfeld sehr positive Wirkungen haben, weil sie Stress abbauen.

Was können Chefs sonst tun, um ihre Angestellten vor einem Burnout zu bewahren?

Stress macht krank. Sollte der Grund für die Erkrankung mit der Arbeit zusammenhängen, dann kann der Chef den Zeitdruck nehmen, Arbeitsanforderungen und Schulungen überdenken. Vor allem aber sollte er keine ständige Erreichbarkeit fordern und die Arbeit der Mitarbeiter wertschätzen.

Was große Firmen in Dachau und im Umland tun, um ihren Beschäftigten einen möglichst stress- und druckfreien Job zu ermöglichen, lesen Sie in der Printausgabe der Dachauer Nachrichten. (ros)

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