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„Wird gut angenommen“: Johannes Groß hatte die Idee zur Milchtankstelle auf dem Hof in Priel bei Bergkirchen. 20 000 Euro investierte die Familie.

Erfahrungen von vier Landwirten

Rentieren sich die Milchtankstellen?

Landkreis - Rund um die Uhr frische Milch kaufen: Das ist im Landkreis Dachau an vier Milchtankstellen möglich. Lohnt sich das zusätzliche Angebot für die Bauern? Die Erfahrungen der Landwirt sind verschieden.

24 Stunden täglich, an sieben Tagen in der Woche frische Milch, direkt von der Kuh: Ein Angebot, das es im normalen Handel und in Supermärkten so nicht gibt. Doch im Landkreis Dachau können die Verbraucher trotzdem darauf zurück greifen: an Milchtankstellen und an Milchautomaten. Vier Bauern bieten im Landkreis diesen Service an: Die Landwirte Groß in Priel, Kiening in Niederroth, Mall in Indersdorf und der Maisinger Hof in Günding. 

Rund um die Uhr gibt es auf diesen Höfen an Automaten frische Milch zu zapfen. Die Kunden können dazu entweder eigene Gefäße mitnehmen oder Gläser kaufen. „Es ist eine unbehandelte Kuhmilch, also direkt so, wie sie aus der Kuh kommt“, erklärt Martin Kiening. Die Milch sollte möglichst schnell verzehrt werden, sie ist nur ein paar Tage haltbar. Es wird außerdem empfohlen, die Milch abzukochen – zwingend notwendig ist das aber nicht. 

Bei allen Höfen kostet ein Liter Milch einen Euro. Das ist zwar teurer als im Supermarkt, dafür bleibt für die Landwirte aber auch mehr als nur ein Dumping-Preis übrig. Alle Bauern verkaufen zusätzlich Milch an die Molkereien. Josef Mall betreibt eine Biolandwirtschaft mit 14 Kühen und bekommt zwischen 50 und 55 Cent pro Liter Milch. „Da bin ich zufrieden, damit kann ich gut auskommen“, sagt er. 

Anders ist es bei den anderen Bauern. Sie bekommen nur ungefähr 25 bis 27 Cent pro Liter – viel zu wenig, um rentabel wirtschaften zu können. 

„Wenn der Milchpreis weiter so niedrig ist, können wir nicht überleben“, sagt Maria Groß. „Neue Maschinen werden wir uns in nächster Zeit nicht anschaffen.“ Ihr Sohn Johannes möchte eines Tages den Hof übernehmen, er war es auch, der die Idee zur Milchtankstelle hatte. Rund 20 000 Euro hat die Familie dafür investiert, seit knapp einem Jahr ist die Hütte mit dem Milchautomaten fertig. „Bis das Geld wieder rein kommt, dauert es noch eine Zeit“, sagt Maria Groß. Trotzdem ist Familie Groß zufrieden mit dem Projekt: „Es wird gut angenommen“, sagt Johannes Groß. 

Auch beim Maisinger Hof läuft es gut: „Wir liegen in einem guten Bereich, in dem es sich rechnet“, sagt Claudia Gasteiger. Bei ihnen gibt es seit September einen Milchautomaten, seit einiger Zeit verkauft die Familie Gasteiger in einem kleinen Häuschen außerdem Eier und Kartoffeln von Partnerbetrieben sowie Käse aus der eigenen Milch. „Unser Sohn macht gerade die Ausbildung zum Landwirt, wir wollen etwas finden, damit wir überleben können“, sagt Claudia Gasteiger. Die Kunden schätzen die frische Milch, dass ein Euro dafür zu teuer ist, hat noch keiner gesagt. Als Haupteinnahmequelle ist ihr Milchautomat aber nicht geeignet: „Es ist eine Nische, die Einnahmen schwanken“, sagt sie. „Aber man kann sowieso nicht aufwiegen, was man von den Leuten zurück bekommt.“ 

Nicht so gut läuft die Milchtankstelle von Martin Kiening aus Niederroth, die ebenfalls seit September in Betrieb ist. Investitionen im fünfstelligen Bereich hat er dafür getätigt. Dazu kommen laufende Kosten, wie die Arbeitszeit, die Milch und die Stromkosten für den Kühlautomat. „Wenn der Absatz so bleibt, wie es jetzt ist, ist die Milchtankstelle unrentabel“, sagt Martin Kiening. Auch er verkauft noch andere Waren, im Durchschnitt müsste er aber auch pro Tag 25 bis 30 Liter verkaufen, um Gewinn zu machen – meistens ist es aber weniger. Aufgeben möchte er mit seiner Milchtankstelle aber noch nicht: „Vielleicht dauert es eine Zeit, bis es sich einspielt.“ „Ich versuch es noch ein oder zwei Jahre.“ 

Dass sich eine Milchtankstelle langfristig lohnen kann, hat Josef Mall erfahren. Schon seit rund 20 Jahren gibt es bei ihm einen Milchautomaten. „Früher konnten die Kunden sich zu einer bestimmten Zeit Milch bei uns holen“, erklärt Mall. „Aber dann wurde es für den Ausschank zu viel.“ Das Angebot war damals sehr beliebt und ist immer noch sehr gefragt. Bei dem Automaten profitieren sowohl der Bauer, als auch die Kunden: Beide müssen sich nicht mehr an bestimmte Zeiten halten. Und noch einen Service gibt es bei allen Bauern gratis zur Milch dazu: Das Bauernhof-Gefühl. „Wir zeigen den Leuten alles, was sie wollen“, sagt Johannes Groß. Kinder können Kälber streicheln, füttern oder auch einmal zuschauen, wie der Bauer die Kühe melkt. „Es ist schön, wenn die Leute wieder zurück zur Landwirtschaft kommen“, sagt Groß. „Das freut mich immer wieder."

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