Heimat gestalten – aber bitte ohne EU: Die Jetzendorfer bauen einen Wanderweg rund um ihren Ort in Eigenregie. foto: bb

Mit EU-Geldern doppelt so teuer

Jetzendorf - Die Gemeinde Jetzendorf möchte mit Geldern aus dem EU-Förderprogramm Leader einen Wanderweg errichten. Nun stellte sich heraus, dass der Weg doppelt so teuer kommt, als wenn die Kommune ihn in Eigenregie baut.

Die herrliche Lage Jetzendorfs im oberen Ilmtal biete landschaftliche Reize, schreibt Bürgermeister Manfred Betzin auf der gemeindlichen Homepage. Auf einem Wanderweg, naturnah und umweltschonend, ließe sich der Ort prima erkunden, meinte der Gemeinderat. Rund 30 000 Euro kostet die etwa fünf bis acht Kilometer lange Rundstrecke um Jetzendorf und den Ortsteil Priel, hat die Gemeindeverwaltung errechnet. Das Projekt entspricht haargenau dem Sinn und Zweck des Förderprogramms Leader der Europäischen Union (siehe Kasten). Also trat Jetzendorf der lokalen Aktionsgruppe Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm bei, um den Weg zu planen und die EU-Gelder (etwa 15 000 Euro) zu beantragen.

Doch die wanderlustigen Jetzendorfer waren bald völlig von den Socken. Der Grund: Der Bau des Weges kommt mit Leader-Geldern ungefähr doppelt so teuer. Klingt paradox, ist aber so.

Bürgermeister Betzin erklärt, warum: „Das Leader-Programm ist ein bürokratisches Monster.“ Genauer gesagt, sei der Aufwand an Zeit und Geld, bis alle Planunterlagen den zuständigen Sachbearbeitern am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten genehm seien, so hoch, dass es weitaus günstiger käme, das Projekt ohne die EU durchzuziehen. Und genau das möchten die Jetzendorfer jetzt tun. „Ich denke, wir können den Weg um 50 bis 60 Prozent billiger bauen“, sagt Betzin, weist in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass die Gemeinde noch keine Angebote eingeholt habe. Erst dann könne er Genaueres sagen. Was der Gemeindechef allerdings jetzt schon sagen kann, ist: „Der Wanderweg lässt sich mit Leader nicht verwirklichen.“

Wie unsäglich detailbesessen und langsam die Behörden agieren, schildert Manfred Betzin an einem weiteren Vorhaben der Jetzendorfer, das ebenfalls über das Leader-Programm förderfähig ist: ein Naturschwimmteich. Dazu möchte die Kommune eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Den Antrag hierfür stellte die Gemeindeverwaltung im Mai. „Doch er ist bis heute beim Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten noch nicht einmal eingegangen“, so Betzin. Immer wieder komme das Begehr zurück, weil angeblich noch etwas fehle. Um jede noch so kleine Formalie müsse die Kommune ringen. Und: Manche dieser Formalien sind schlichtweg nicht erfüllbar. Beispiel Bodenproben. „Da sollen wir Angebote von drei Firmen vorlegen. Doch wir wissen ja noch gar nicht, ob wir Proben brauchen, und wenn ja, wieviele notwendig sind“, sagt Betzin. Bei derart hohen Hürden wird das Förderprogramm zum Projektverhinderungsprogramm.

Mit dem Leader-Programm unterstützt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nach eigenen Angaben die ländlichen Regionen auf ihrem Weg einer selbstbestimmten Entwicklung - ganz nach dem Motto: Bürger gestalten ihre Heimat. Eigentlich sei Leader eine gute Idee, so Betzin, „aber kleinere Projekte lassen sich damit nicht verwirklichen“.

Vielleicht spendet ein Satz von Søren Kierkegaard Betzin und seinen Jetzendorfern Trost. Der dänische Philosoph sagte einst: „Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.“ Ein schöner Vorschlag, den die Jetzendorfer befolgen können, sobald der Wanderweg fertig ist. Das soll 2017 oder 2018 sein. Dann haben die Bürger überdies ihre Heimat gestaltet, ohne das Bürokratiemonster EU.

Leader-Förderprogramm der Europäischen Union

Leader ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden. Lokale Aktionsgruppen (LAG) erarbeiten vor Ort Entwicklungskonzepte. Ziel ist es, die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen. Für die Durchführung der EU-Förderprogramme in Deutschland sind die Bundesländer zuständig. Zentrale Ansprechpartner und Koordinatoren für Leader sind die Leader-Manager an bestimmten Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Rund 111 Millionen Euro an EU- und Landesmitteln (Steuergelder) stehen für die Projekte in Bayern in der Förderperiode 2014 bis 2020 zur Verfügung.

Thomas Zimmerly

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