Erfolg auf ganzer Linie: die „Italian Baroque Academy“ mit Sänger und Violinist Dmitry Sinkovsky (mit Pferdeschwanz) beim Auftritt im Dachauer Schloss. foto: susanna morper

Faszinierende Klangschönheit

Dachau - Stehende Ovationen, nicht mehr enden wollender Applaus und begeisterte Zuhörer - das Schlosskonzert war mit historischen Klängen der „Italian Baroque Academy“ und ihrem außergewöhnlichen Solisten ein Erfolg auf ganzer Linie.

Ein Barockorchester bekommt man nicht jeden Tag zu hören, weshalb die „Baroque Academy“ an sich mit ihren historischen Instrumenten das Publikum schon faszinierte: Neben der für die Barockzeit typischen Theorbe (Lauteninstrument), einem Cembalo und einem Kontrabass musizierten die Interpreten auf Barockviolinen, -bratschen und einem Barockcello.

Im Gegensatz zu den heute üblichen Versionen dieser Instrumente fehlen den historischen Geigen und Bratschen Kinnhalter und Schulterstütze, da diese erst nach der Barockzeit erfunden wurden. Neben einer Bespannung mit Saiten aus Tierdarm statt Stahl, die einen weicheren und dunkleren Klang erzeugen, ist vor allem der Barockbogen erwähnenswert. Er unterscheidet sich vom heute handelsüblichen Bogen vor allem durch die gewölbte Form und die Art, wie man ihn hält, er ermöglicht eine spezifische Artikulation.

Die hohen Streicher des Ensembles spielten im Stehen, was heute ebenfalls ungewöhnlich ist.

Die „Italian Baroque Academy“ unter der Leitung von Stefano Molardi hat sich auf die Musik hauptsächlich italienischer Komponisten des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisiert, und in diesem Sinne führten sie Werke von Antonio Vivaldi, Nicola Antonio Porpora und Georg Friedrich Händel auf. Die Schwierigkeit der Barockmusik liegt weniger in technischer Virtuosität als in Präzision, abwechslungsreicher Klangschattierung und Dynamik.

Mit voller Konzentration schaffte es das Orchester, die Lebhaftigkeit, den Tanzcharakter oder die schreitende Erhabenheit der Musik zu vermitteln und selbst die Pausen mit Spannung zu füllen. Allerdings war das Vibrato der einzelnen Musiker nicht immer gut angepasst und die Barockbögen hatten manchmal einen eher schroffen Klang, was wohl der unterschiedlichen Handhabung geschuldet war.

Auch ohne völlig überzogene Tempi steckte das Spiel des Ensembles dennoch mal voller Energie, mal voller puristischer Abgeklärtheit.

Der eindeutige Star des Abends war jedoch der russische Countertenor Dmitry Sinkovsky. Mit seinem - zugegebenermaßen nicht ganz zeitgemäßen - Pferdeschwanz kam er in völliger Ruhe und Souveränität auf die Bühne und begann zu singen. Seine glockenreine, schlanke und doch auch mit sehr wenig Vibrato klangvolle und dunkle Stimme rührte die Herzen des Publikums auf ganz besondere Weise.

Mit großer Innigkeit, geschmackvollen Trillern, Charme und Witz in den Coloraturen trug Sinkovsky Arien aus verschiedenen Barockopern der drei oben genannten Komponisten vor, wobei „Gelido in ogni vena“ aus Vivaldis „Farnace“ ein absolutes Highlight war. In dieser Arie betrauerte der Countertenor als Pharnakes II. seinen toten Sohn. Untermalt von einer erst aschfahlen, dann hochdramatischen Orchesterbegleitung bewegte er die Zuhörer mit würdevoller Verzweiflung und großem inneren Schmerz.

Das Publikum war von dem Sänger bereits hingerissen, als Dmitry Sinkovsky mit einer weiteren Überraschung auftrumpfte: Auf einmal trat der Russe mit einer Barockvioline in der Hand auf und spielte das Solo in zwei von Antonio Vivaldis „Concerti für Violine, Streicher und Basso continuo“. Er begeisterte mit seinem wunderschönen, vollen Ton und technisch spielerischer Leichtigkeit, zeigte auch hier, dass seine größte Stärke die Musikalität ist. Der Geiger spielte genau so, wie er zuvor gesungen hatte: mit starkem Ausdruck, Verschmitztheit, Klangschönheit und geschmackvoller Phrasierung. Bei den schnelleren Passagen wirbelte der Pferdeschwanz nur so umher, als der Musiker seinem Temperament freien Lauf ließ.

Auch auf der Geige konnte man deutlich sehen, dass Sinkovsky ganz in die Musik abtauchte. Hatte er beim Singen während der getragenen Zwischenspiele verträumt zur Decke geblickt, so lachte er nun beim Spielen vor Freude.

Durch die vielen kurzen Stücke des Programms wurde der Abend äußerst kurzweilig und abwechslungsreich, nicht nur Fans der Barockmusik kamen auf ihre Kosten. Im Gegenteil, die Gäste wollten nach dem letzten Stück gar nicht mehr aufhören, zu klatschen und zu jubeln. Als der Applaus nach der ersten Zugabe, dem Sommersturm aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, nicht verebbte, ließen sich die Mitwirkenden noch zu einer weiteren Zugabe hinreißen.

Doch auch danach konnte sich das Publikum nicht beruhigen und zollte dem Barockorchester und Dmitry Sinkovsky mit noch lange andauerndem Beifall und stehenden Ovationen Tribut.

Susanna Morper

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