Die Schlacht um die Hügelgräberhöhen: Johann Heitmair im Odelzhauser Pfarrheim. map

Feldherr aus Leidenschaft

Odelzhausen - Rund 25 Feldherren aus ganz Bayern sind im Odelzhauser Pfarrheim gegeneinander angetreten: Sie haben Ihre Armeen in die Schlacht ziehen lassen, auf Kampforten wie „Osgiliath“ oder dem „Auenland“. Denn die Feldherren sind keine echten Krieger, sondern nur: leidenschaftliche Herr-der-Ringe-Fans.

„Johann Heitmair gegen Patrick Popp“, schallt es von der kleinen Bühne im Pfarrsaal Odelzhausen. Aber die beiden Kontrahenten treten nicht in einem Boxkampf an, sondern: in „Hobbit Tabletop“. Oder eher „Herr-der-Ringe-Schlacht“, wie es die beiden 24-Jährigen nennen. Dabei treten die Spieler in einer Art Strategiespiel mit Spielfiguren wie Gandalf, Frodo oder Bilbo aus der Herr-der-RingeSaga von Schriftsteller J.R.R. Tolkien gegeneinander an. Der Todtenrieder Johann Heitmair und seine beiden Freunde Paul Trexler und Michael Riepl haben dafür ein ganzes Turnier in Odelzhausen organisiert.

Insgesamt sind rund 25 Spieler aus ganz Bayern gekommen, und sogar zwei Schweizer haben den Weg ins Odelzhausener Pfarrheim auf sich genommen. „Wir waren vor ein paar Monaten in Regensburg bei einer bayerischen Meisterschaft im Hobbit Tabletop“, erklärt der Dachauer Michael Riepl, „da haben wir uns gedacht, so etwas auch mal machen zu wollen“. Zudem sei das Pfarrheim preiswert zu mieten und Odelzhausen nahe der Autobahn - praktisch zu erreichen für Spieler aus Nürnberg oder München.

Überall im Pfarrsaal sind Tische aufgebaut, darauf elf verschiedene Spielfelder mit selbstgebastelten Landschaften, die alle an Spielorte aus der Fantasy-Saga erinnern. „Die Teilnehmer haben sie mitgebracht“, erklärt Johann Heitmair. Holz, Styropor und ganz viel Farbe haben die Herr-der-Ringe-Fans dafür verwendet. So entstanden beispielsweise die kargen, dunkelgrauen Burgruinen von „Osgiliath“ oder die saftig-grünen Wiesen und Hügel des „Auenlands“, der Heimat der namensgebenden Hobbits. Auch die Spielfiguren sind detailreich ausgestaltet: So schimmerten sogar die wenige Millimeter großen Stiefel mancher Reiter, Zauberer oder Zwerge in Gold. „Zwischen 200 und 300 Stunden habe ich bestimmt in das Bemalen der Figuren invesitiert“, überlegt Patrick Popp. Popps Spielgegner Johann Heitmair ergänzt, dass das Hobby sei auch sehr kostspielig: „Die Spielfiguren hier auf dem Feld sind zusammen mindestens 600 Euro wert.“

Ein Hobby, das viel Leidenschaft abverlangt. Aber schon einige Anhänger hat. Die Herr-der-Ringe-Fans organisieren sich in einer Szene: Sie sind über eine Fan-Gruppe auf der Internetseite Facebook vernetzt. „Mit über 1000 Mitgliedern“, sagt der Dachauer Paul Trexler. Sogar eine eigene Spielervereinigung mit dem Namen „Hobbit Tabletop Liga“ existiert, sie richtet die Bayerische und die Deutsche Meisterschaft aus. „Da wollen wir im nächsten Jahr auch hin“, sagt Johann Heitmair ehrgeizig.

Aber bis dahin heißt es für die Gefährten wohl noch: üben, üben, üben. Vier Schlachten haben sie dafür im Pfarrsaal Zeit, ein Duell dauert eine Stunde und 45 Minuten. In Spiel Nummer 3 muss Johann Heitmair gegen den Nürnberger Patrick Popp antreten. Das Spielfeld heißt „Hügelgräberhöhe“, ein Spielort aus dem ersten Teil der Herr-der-Ringe-Saga. Beide entscheiden sich für jeweils eine Armee: Der eine nimmt die Spielfiguren der guten Charaktere, der andere nimmt die Bösen. „Wir haben beide schon zweimal gewonnen“, erzählte Patrick Popp. Die beiden spielten eine Spielvariante, bei dem sie bestimmte Fahnen auf dem Spielfeld durch Vorrücken der Spielfiguren erreichen und besetzen müssen - ähnlich wie bei Computerspielen, nur mit Würfeln und originalgetreuen Spielfiguren.

Denn als Vorbereitung für das Turnier kommt zum Basteln und Malen auch noch das Erlernen der Regeln hinzu. Im „Hobbit Tabletop“ existieren nämlich verschiedene Spielarten. Jede Figur besitzt auch noch zusätzlich verschiedene Werte wie Angriff oder Verteidigung, die aber allesamt entscheidend für den Spielverlauf sind. Doch all das Malen, basteln und Regellernen lohne sich: „Wir lernen viele neue Leute kennen, die wir ansonsten nicht treffen würden“, sind sich der Oberbayer und der Mittelfranke einig.

Sie tauchen mitten hinein in die Welt von J.R.R. Tolkien und beginnen ihre Schlacht um die „Hügelgräberhöhen“. Modelle gegen Modelle. „Sind das eigentlich Orks?“, fragt eine Zuschauerin und zeigt auf grimmig dreinblickende Fabelwesen. „Nein, natürlich Gobblins“, entgegnet Johann Heitmair und blickt seinen Kontrahenten an. Beide schüttelten verständnislos grinsend den Kopf - und würfeln auch schon weiter. Nach fast zwei Stunden Würfeln, Figuren verschieben und Fachbegriffen wie „Nahkampf, Zaubern und Willenskraft“ ist das Duell beendet. Gewonnen hat Johann Heitmair, er landet am Ende sogar auf dem dritten Platz. Einer der Schweizer Gäste konnte das Turnier schließlich für sich entscheiden - der lange Weg hat sich also gelohnt.

(map)

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