Ein sensationeller Ausblick auf Jerusalem: (v.l.) Sascha Plönnigs, Philip Schwinghammer, unsere Berichterstatterin Tabea Reisländer, Stefanie Kleist, Theresa Klotzbücher und Jonathan Lubrich auf ihrer Reise durch Israel. foto: ta

Ganz Israel mit Arabern hautnah erleben

Dachau - Israel ist ein Land voller Gegensätze und außergewöhnlicher Orte. Unsere Mitarbeiterin Tabea Reisländer aus Oberumbach versuchte, im Toten Meer zu schwimmen, was ihr misslang, oder die Gedenkstätte Yad Vashem zu besuchen, was zu einem mystischen Erlebnis führte. Möglich machte die Reise eine Jugendeinrichtung - bei der sich jederzeit junge Menschen aus dem Landkreis bewerben können.

„Eine Reise in ein Land mit anderer Kultur, Sprache und vielen Religionen. Durch mein Freiwilliges Ökologisches Jahr an der Jugendbegegnungsstätte in Oberschleißheim bin ich auf diese einzigartige Reise gestoßen: Für zehn Tage nach Israel im Rahmen eines interkulturellen Jugendaustausches. Perfekt, um eine andere Kultur gemeinsam mit Gleichaltrigen kennenzulernen. Keinesfalls bin ich sofort überzeugt, dass ich mitfahre. Wer reist schon ohne zu überlegen in ein Land, bei dem einem geraten wird, sich vorher auf der Seite des Auswärtigen Amtes über die aktuelle Lage zu informieren. Doch dann wird mir klar: Die Chance will ich mir nicht entgehen lassen.

In Tel Aviv am Flughafen werden wir sehr herzlich von den Austauschpartnern begrüßt. Eine große Gruppe von 16- bis 18-Jährigen stürzt auf uns, jeder sucht sich einen Partner aus. Mich strahlt ein großes Mädchen mit langen dunklen Haaren an. Maryam, 17, erklärt mir, dass sie ab sofort meine Partnerin sei. Na dann gut, denke ich. Maryam ist katholisch und macht deutlich: Sie ist eine Araberin und keine Israeli. So wie der Rest der Jugendlichen auch - obwohl sie alle in Israel wohnen.

Dann geht es los, mit dem Bus nach Jerusalem. Das Tolle: Wir haben das Gefährt samt Chauffeur die gesamten zehn Tage rund um die Uhr zur Verfügung.

Der Basar in Jerusalem ist eine mit Eindrücken überflutende Erfahrung. In jeder noch so kleinen Ecke ist ein Stand. Schaut man nach oben, sieht man keinen Himmel, sondern nur ein Durcheinander an Plastikdächern. Von den Decken hängen Kabel. Man fühlt sich wie in einer unterirdischen Gasse. Rechts, links, wieder rechts und alles schaut gleich aus. Ohne unsere arabischen Partner hätten wir uns leicht in dem Labyrinth verlaufen. Überall gibt es Gewürze, verschiedene Stände mit Essen und typisch orientalische Schals. Mitten drin kann man ,frischen’ Fisch kaufen. Dass gleich nebenan gebrauchte Schuhe verkauft werden, regt mich aber nicht gerade zum Kaufen an. Auch die Kinder der Verkäufer stehen auf dem Basar und versuchen laut schreiend Kunden zu werben. Einer übertönt den anderen.

Am nächsten Tag gehen wir zur Klagemauer. Ich bin völlig baff, als ich plötzlich vor dem berühmten Wahrzeichen Jerusalems stehe. Entgegen meiner Erwartungen ist es ziemlich klein. Ein großer Bereich ist abgesperrt und ich gelange nur durch einen Sicherheitscheck in das Innere. Ein Junge unserer Gruppe trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: ,I love Palestine’ und darf erst durch, nachdem er es auszieht und in seiner Tasche verstaut. Überraschenderweise darf aber jeder, egal welcher Religion er angehört, bis vor zur Klagemauer gehen. Einzige Bedingung: Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen. Vorne an der Mauer stehen Gläubige aus der ganzen Welt und wippen während des Gebets auf der Stelle vor und zurück. Manche stecken auch einen kleinen Zettel mit Wünschen oder Gebeten in die Spalten. Doch wo sind unsere Austauschpartner? Der Großteil der arabischen Partner hat kein Interesse an der Mauer, was wahrscheinlich auf den Konflikt zwischen Juden und Arabern zurückzuführen ist. Abseits treffen wir sie wieder; sie wirken gelangweilt.

Nächstes Ziel ist das Tote Meer. Rund um das Ufer liegt ein starker Schwefelgeruch in der Luft. Ein Traum wird wahr: Einmal im Toten Meer liegen. Ja, liegen, denn anders kann ich das nicht nennen - in dem salzigen Wasser ist normales Schwimmen fast nicht möglich, weil man wirklich nichts dazutun muss, um an der Oberfläche zu bleiben. Geschlafen haben wir direkt am Strand, mit Schlafsack und Isomatte.

Am nächsten Morgen ist die Aufregung groß. Das erste Mal begegne ich der Familie von Maryam in deren Heimatdorf Ibilin im Norden Israels. Alle sind da: Mutter, Vater, zwei Brüder und zwei Schwestern. Es gibt ein riesiges Buffet mit typischem israelischem Essen. Dazu zählen Humus, ein Salat aus Petersilie und Tomaten, Krautsalat oder Falafeln. Und dann gibt es noch Hackfleisch mit Reis und Mandeln, nicht ganz mein Geschmack. Doch: Egal, ob es mir schmeckt oder nicht, mein Teller wird trotzdem voll beladen.

Als ich an einem Abend mit meiner deutschen Freundin Stefanie in der Öffentlichkeit zu Musik, die aus einem Café dringt, tanze, werden wir schnell von unseren Austauschpartnern gestoppt. Solches Verhalten werfe in einem kleinen Ort wie Ibilin ein schlechtes Bild auf die Familie. Jeder kenne dort jeden und so etwas spreche sich schnell herum. In großen Städten dagegen sei so etwas kein Problem. Stefanie und ich verstehen nicht ganz, was sie uns sagen wollen, aber es hört sich an wie ,Schande’. Da hören wir lieber auf. Als Stefanie und ich auf der Heimfahrt lachen, werden wir von Maryam ermahnt, ruhig zu sein. Seltsam - in einem Land, in dem alle Autofahrer sehr hupfreudig sind und so jeden auf der Straße grüßen.

Ein beeindruckendes Erlebnis ist der Besuch der Yad Vashem, der weltberühmten Gedenkstätte an die Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust. Wir bekommen eine Führung, bei der uns kleine Denkanstöße gegeben werden. An den Wänden hängen viele Originale von Reichsflaggen, Propagandaplakate der Nazis und massenhaft Fotos. Vor allem das Children’s Memorial rührt mich persönlich sehr. Im Inneren wird durch Spiegel und fünf Kerzen ein Bild der Unendlichkeit erzeugt. In der Dunkelheit entstehen magisch viele Kerzenlichter, die an die Zahl der während des Holocaust verstorbenen Kinder erinnern sollen.

Die zehn Tage in Israel sind schnell vorbei. Wir bringen tolle Geschichten mit zurück. Eine Reise, die sich auf jeden Fall gelohnt hat.“

Jugendbegegnungsstätte

Die Jugendbegegnungsstätte in Oberschleißheim veranstaltet Reisen für Jugendliche. Interessierte zwischen 16 und 23 Jahren können sich jederzeit für den Israelaustausch anmelden. Daneben werden auch Reisen nach Frankreich oder Polen für andere Altersgruppen angeboten. Infos gibt es unter www.jbs-am-tower.de oder unter 0 89/12 11 46 70.

(ta)

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