Torfstechen am Kurfürstenweg – Besuch einer Schulklasse um 1960. foto: josef huber

Das Gold des Mooses

Eschenried - Der Eschenrieder Josef Huber öffnet sein Fotoalbum: Wie sich das Leben in und um Eschenried verändert hat.

„Gold im Moor“, so heißt die Überschrift einer Seite des Lesebuches für Grundschüler aus dem Jahre 1960. Das Eschenrieder Urgestein Josef Huber hat anlässlich seines 80. Geburtstages ein Foto aus dem Familienbesitz, das aus dieser Zeit stammt, hervorgeholt, um seinen Gästen aus dem In- und Ausland mit dem Bild auf der Einladungskarte zu demonstrieren, wie sich das Moos entwickelt hat.

Mit dem Einzug des Tennis-und Golfsports hat sich das einst karge Leben entscheidend verändert. „Die unglaubliche Wandlung eines schönen Landstrichs innerhalb eines knappen Jahrhunderts voller dramatischer und oft unglaublichen Geschichten“, hat Josef Huber in seinem Buch über „Torfstecher, Wilderer und Golfspieler“ festgehalten.

Eine Schulklasse mit ihrem hoch geschätzten Lehrer Wilhelm Hauff, der auch Josef Huber noch unterrichtet hat, schaut auf dem Bild den Hubers beim Torfstechen am Kurfürstenweg in Eschenried zu. Zu sehen sind die Eltern, Thomas und Rosina Huber, mit ihrem Sohn Josef. Die Hälfte des gestochenen Torfes blieb den Hubers für den Eigenbedarf, die anderen 50 Prozent gehörten dem Landbesitzer. Das Torfstechen war ein hartes Brot. „So ärmlich, wie ich aufgewachsen bin“, sagt Josef Huber, „verliere ich den Boden unter den Füßen nicht.“ „Dass jeder jedem hilft“, sei immer eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Um 1850 hatten sich die ersten Siedler im so genannten Gündinger Moos eingekauft, um Torf zu stechen. Ihre Hausnummern sind auf das Jahr 1865 datiert. Siedler aus dem Donaumoos brachten Erfahrung mit. Um den Grundwasserspiegel abzusenken, wurde entlang der Straße von Eschenried nach Neuhimmelreich ein Entwässerungsgraben angelegt. Durch die Grundwasserregulierung schuf man die Voraussetzung für die landwirtschaftliche Nutzung des Mooses. In vierzigjähriger Pionierarbeit wurde, wie Lehrer Hauff in seinen Aufzeichnungen schrieb, eine große Fläche des Mooses in eine Kulturlandschaft verwandelt.

Andreas Wagner, der sich in den vergangenen Jahren als Heimatforscher betätigt hat, zog 1953 mit seinen Eltern nach Gröbenried. Sie pachteten ein landwirtschaftliches Anwesen, „das natürlich auch seine Torfgründe besaß“. Er erinnert sich: „Torfstiche und Torfhütten gab es zu meiner Kindheit und Jugendzeit auch im benachbarten Graßlfing“. Der gestochene, aufgehäufelte und getrocknete Torf diente mit sowohl als Eigenbedarf an Brennmaterial für den Winter als auch als zusätzliche Einnahmequelle für den spärlichen Lebensunterhalt. Der Verkauf erfolgte in erster Linie an die Brauereien in Dachau, unter anderem zur Beheizung des Sudhauses. Aber auch an die Münchner Brauereien wurde vereinzelt geliefert.

KZ-Häftlinge wurden in der Nazizeit als billige Arbeiter eingesetzt. Andreas Wagner führt dazu als Quelle einen Text im Amperboten vom September 1933 an, der unter der Überschrift „Schutzgefangene beim Torfstechen“ berichtet. Vereinzelt sei „bis vielleicht 1980/90“ noch Torf gestochen worden, meint Wagner. „Natürlich nicht aus Notwendigkeit, da ja viele andere energetische Stoffe dieses schwarze arbeitsaufwendige Material ersetzten“. Gastwirt Ernst Sirtl von der Wirtschaft „Zum Haderecker“ in Graßlfing habe vor einigen Jahren noch einmal ein Schautorfstechen für ein paar Interessierte durchgeführt.

Das ehemalige Schulhaus in der Münchner Straße 37 in Eschenried, das die Gemeinde Bergkirchen sehr aufwendig im mehreren Phasen zum Kulturhaus umbauen ließ, beherbergt unter anderem die Geschäftsstellen des 1997 gegründeten Vereins Dachauer Moos und des Landschaftspflegeverbands Dachau. Beide setzen sich für den Natur-und Umweltschutz und den Erhalt der Artenvielfalt über Gemeindegrenzen hinaus ein. Im Kulturhaus haben ferner die verschiedenen Musikgruppen der Gemeinde Bergkirchen ihre Übungsräume, die Jugend hat ein Zuhause gefunden, und die Freiwillige Feuerwehr Eschenried-Gröbenried ist im Anbau des Hauses untergebracht.

(ink)

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