Die sechs Grillmeister aus Altomünster (von links): Helmut Stiller, Patrick Dämmer, Michael Hutzl, Achim Tuffensamer und Michael Fertl. foto: KN

Haute Cuisine auf Holzkohle

Altomünster - Klar, jeder grillt gerne, und die meisten Hobby-Griller können es auch ganz gut. Doch das Niveau, auf dem sich dieses sechs Griller aus Altomünster bewegen, das ist nochmal was ganz anderes: mit Polenta-Tomaten-Ziegenfrischkäse-Talern, Bacon-Jam und Apfel-Blätterteig-Rose. Damit wurden diese Herren soeben zu bayerischen Grillmeistern gekürt.

Die sechs Herren aus Altomünster verband von Anfang an vor allem eines: die Leidenschaft zum Grillen. Sie wollten nicht immer nur Würstchen grillen, sie strebten nach mehr: Nach der „Haute Cuisine“ auf dem Grill. Sie wollten sich mit anderen Teams messen. Aber warum grillt man nicht einfach nur im heimischen Garten? „Grillen im Wettbewerb ist für uns ein Hobby, das wir sehr leidenschaftlich betreiben“, sagt Team-Chef Michael Hutzl. „Es macht uns einen Heidenspaß und wir sind vielleicht auch einfach alle verrückt genug, es zu tun.“

Denn sowohl der finanzielle als auch der zeitliche Aufwand sind schon enorm, betont Hutzl. Doch die Verlockung der Grillmeisterschaft war zu groß, der ersten offiziellen bayerischen Grillmeisterschaft in Poing. Der Wettbewerb wurde von Uli und Nina Wette organisiert und fand im Rahmen des Poinger Straßenfestes statt, und zwar schon zum dritten Mal - doch dieses Jahr war er das erste Mal durch die German Barbecue Association lizenziert. So wurde er zur offiziellen bayerischen Grillmeisterschaft, nur für Holzkohlegrills. Und deren Sieger lautete: die „Zuagroastn“ aus Altomünster.

Michael Hutzl hatte seine Mitstreiter durch das Forum des Grillsportvereins im Internet kennengelernt und mit ihnen das Team gegründet. Der Name „die Zuagroastn“ entstand ganz zu Beginn, da die drei Gründungsmitglieder nicht aus Bayern, sondern aus Baden-Württemberg und Sachsen stammen. Mittlerweile ist das Team gewachsen, nun sind auch waschechte Bayern dabei - doch der Name ist geblieben.

Durch ihren Sieg in der bayerischen Meisterschaft haben die Altomünsterer nicht nur einen Titel, sondern auch einen festen Start-Platz in der Deutschen Grillmeisterschaft. Dort fahren sie dann im nächsten Jahr hin. Denn es gibt davor noch viel vorzubereiten. „Für einen Wettbewerb wie die Deutsche Grillmeisterschaft brauchen wir ungefähr eine Vorlaufzeit von drei Monaten“, erklärt Hutzl.

Nachdem fest steht, was in dem Wettbewerb gefordert wird, müssen sie Ideen sammeln und kreativ werden, um ausgefallene Gerichte zu finden. Jeder einzelne hat dann die Verantwortung für einen Gang, und muss dafür ein Gericht entwickeln. Sobald der Gang fertig entwickelt ist, muss derjenige ihn für den Rest des Teams einmal Probe-Grillen. Wenn alle Gerichte stehen und aufeinander abgestimmt sind, erarbeiten sie einen akribischen Zeitplan. „Dann wird trainiert und alle Gänge werden mehrmals Probe-Gegrillt, bis jeder Handgriff sitzt“, erklärt Hutzl.

Hört sich aufwendig und spektakulär an? Das ist es auch. Das Menü der bayerischen Meister liest sich wie aus einer Speisekarte eines Sternerestaurant. Erster Gang: Hähnchenkeule, langsam und schonend gegart, mit einem Polenta-Tomaten-Ziegenfrischkäse-Taler. Zweiter Gang: Filet einmal mit und einmal ohne Baconmantel auf Bacon-Jam mit Süßkartoffelrösti und Gemüseauflage. Dritter Gang: Falafel im frisch gegrilltem Fladenbrot, dazu mit Schafskäse und Zucchini gefüllte Mini-Paprikas. Vierter Gang: „Variationen vom Apfel“, mit im Apfel gegrilltem Apfel-Crumble, einer Apfel-Blätterteig-Rose und Apfelkücherl an Mascarpone-Creme mit Apfel-Gelee.

Damit wäre der zeitliche Aufwand schon mal erklärt. Und auch der finanzielle: Die Teilnehmer müssen den Grill, sowie alle Utensilien, Zutaten, Gewürze und Soßen selbst mitbringen. Hinzu kommen natürlich die Kosten für alle Tests, und die Reisekosten.

Hinzu kommt: das Wissen. Wer bei einer Grill-Meisterschaft teilnehmen möchte, hat sich an ein umfassendes Regelwerk zu halten. Zum Beispiel dürfen auf dem Teller nur essbare Sachen sein, also kein Zahnstocher oder keine Deko, die man nicht essen kann, die Abgabe der verschiedenen Gänge ist genau terminiert, und die Gänge sind auch vorgegeben. Bei der bayerischen Grillmeisterschaft mussten die Teilnehmer vier Gänge mit jeweils vier Portionen für die Juroren abgeben, eine Portion wird dazu für die Besucher ausgestellt.

Jeder Gang hat eine Vorgabe. Der erste Gang musste ein „Huhn mit Beilage“ bieten. Beim zweiten gab es einen „geheimer Warenkorb“, das heißt, alle Teilnehmer erhalten diesen Korb mit genau denselben Zutaten - von denen aber niemand vorher weiß, was darin ist. Spontaneität ist da gefragt. Beim dritten Gang wurde ein vegetarisches Gericht mit Beilage gefordert und der vierte Gang sollte eine Nachspeise, bestehend aus einer Hauptkomponente und einer Beilage, vom Grill sein.

Das Zeitfenster zwischen den Gängen betrug je eine Stunde und beurteilt wurden die Gerichte von einer 20-köpfigen Jury, die „blind“ gearbeitet hat: Die Juroren durften also nicht wissen, von welchem Team welches Essen kommt.

Beurteilt wurde nach fünf Kriterien, die unterschiedlich gewichtet wurden: Gesamteindruck (Optik) des Gerichts (15 Prozent), Garzustand des Hauptbestandteils (15), Geschmack des Hauptbestandteils (35), Geschmack der Beilage (25) und Geschmackliche Harmonie des Gesamtgerichts (10). Für jede Kategorie vergab jeder Juror Punkte von 1 („ungenießbar“) bis 10 („das Beste, was ich je in meinem Leben hatte“).

Die „Zuagroastn“ gewannen in Summe mit 682 Punkten, gegen neun weitere Teams. Bei den Gängen „vegetarisch“ und „Dessert“ erreichten sie jeweils den ersten Platz. Und: Mit ihrem Menü erlangte das Team laut Hutzl „unendlichen Ruhm und Ehre“. Außerdem gab es als Preis einen tragbaren Gas-Grill, ein Zeitschriften-Abo für jedes Team-Mitglied, einen Pokal, Urkunden - und eben den Startplatz bei der Deutschen Grillmeisterschaft. „Wir sind wirklich sehr stolz auf unseren Sieg“, sagt Hutzl.

Doch so ernst sich das alles nun anhören mag, laut Hutzl steht der Spaß an der Sache immer im Vordergrund. „Ich habe keine Ahnung, was wir für Chancen bei der Deutschen Meisterschaft haben. Ich freue mich einfach auf ein Wochenende mit coolen Leuten und ganz viel Spaß.“

(sr)

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