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Doppeltes Gen-Glück: Tobias Stich aus Radenzhofen und seine Cousine Elisabeth Losinger konnten mit ihrer Stammzellenspende helfen.

Ihre Stammzellen passen zu zwei Patienten

Cousin und Cousine als Lebensspender

Ob gute Gene oder einfach nur Glück – dem Patienten in Großbritannien dürfte es herzlich egal sein. Seine Krankheit kann möglicherweise geheilt werden – dank Tobias Stich aus Radenzhofen. Der 18-Jährige spendete Stammzellen. Kurios daran: Schon seine Cousine konnte wenige Monate zuvor mit ihrer Stammzellenspende einem Erkrankten helfen.

Tobias Stich ist ein Lebensspender. Der angehende Bankkaufmann hatte sich im April 2015 bei einer Aktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (kurz DKMS) an der Dachauer Berufsschule typisieren lassen – mit rund 280 anderen Schülern. Ein Jahr später konnte der 18-jährige Altomünsterer einem Patienten in Großbritannien seine Stammzellen spenden. 

Seine Cousine, Elisabeth Losinger aus Rohrbach im Landkreis Friedberg, spendete im Februar 2015 bereits lebensrettende Stammzellen. Deshalb war Tobias Stich über das Thema bereits bestens informiert. Elisabeth Losinger, 26 Jahre alt und Büroangestellte, verhalf damals einem 49-Jährigen Mann aus Kanada zu einer neuen Lebenschance und machte ihn damit zu ihrem genetischen Zwilling.

 Umso überraschender, dass auch die Gene ihres Cousins Tobias geeignet waren. Im Oktober 2015 erhielt er einen Brief der DKMS, dass auch seine Gewebemerkmale zu denen eines Patienten passten. Es folgte ein umfangreicher Gesundheitscheck und die sogenannte Feintypisierung, bei der das Blut des Spenders ausgiebig untersucht wird. Als auch diese Hürde genommen war, stand einer Spende nichts mehr im Wege – und Tobias Stich willigte sofort ein. 

Dass es so wie bei Elisabeth Losinger und Tobias Stich nach der Typisierung auch zu einer Spende kommen kann, passiert ungefähr alle 100 Tests. „Dass sich gleich zweimal passende Gene in der selben Familie befinden, ist zwar selten, aber kommt durchaus vor“, sagt Brigitte Lehenberger von der DKMS. In Dachau haben sich seit der Gründung des DKMS 1991 bereits 6495 hilfsbereite Menschen typisieren lassen. 65 von ihnen wurden aufgrund von passenden Genen zu Spendern. Dennoch gibt es nach wie vor zu wenig Spender. „Immer noch bekommt jeder siebte Patient keine passenden Stammzellen“, sagt Brigitte Lehenberger. 

Dabei ist der Vorgang mit wenig Aufwand für den Spender verbunden: Zur Typisierung reicht zunächst ein Wangenabstrich mit einem Wattestäbchen. Im Falle eines Treffers werden alle danach folgenden Arzt- und Reisekosten übernommen. In 80 Prozent der Fälle ist, wie bei Tobias Stich, auch keine Operation notwendig.

 Im März 2016 spendete der Auszubildende aus Altomünster schließlich seine Stammzellen an einen 49- jährigen Mann aus Großbritannien. Dazu musste Tobias Stich zum Entnahmezentrum im Klinikum Köln. Zunächst wurde dem 18-Jährigen ein Wachstumsfaktor verabreicht, um die Zahl der Stammzellen im Blut zu erhöhen. „Die angekündigten Grippesymptome bei der vorherigen Stimulierung der Stammzellbildung waren gut auszuhalten“, erinnert er sich. Fünf Stunden harrte er dann bei der eigentlichen Entnahme in einem Stuhl aus, bevor ein Kurier die lebensrettenden Stammzellen nach Großbritannien brachte. 

Die Spende ist anonym. Nach zwei Jahren gibt es die Möglichkeit für Spender und Empfänger sich kennenzulernen. Sowohl Elisabeth Losinger als auch Tobias Stich wollen diese Möglichkeit nutzen. Tobias Stich war der erste Stammzellenspender aus dem Aufruf an seiner Berufsschule in Dachau. Er wünscht seinem Patienten, dass dieser seine Krankheit möglichst bald bezwingen kann. 

Seine Cousine hat die erlösende Nachricht bereits erhalten: Ihr genetischer Zwilling befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Aljoscha Huber

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