Der kleine Schlawiner: der Riedteufel. schwiebinger

Das Juwel unter den Mooren

Palsweis - „Naturjuwel“: So heißt das Projekt, das derzeit im Palsweiser Moos läuft. Dass dieser Name auch wirklich passt, davon durften sich nun Presservertreter bei einer Führung überzeugen.

Erst hat der Besucher noch die lärmende Autobahn direkt hinter sich, doch bereits nach einem kurzen Fußmarsch in den Wald hinein hört man von all dem nichts mehr. Es breitet sich eine angenehme Stille zwischen den Bäumen aus. Wenn man tiefer in den Wald vordringt, wird der Boden weicher, bis man dieses typische, federnde Moor-Boden-Gefühl hat. Zwischen den Bäumen tun sich immer wieder kleine Lichtungen auf, die teilweise von kleinen Weihern flankiert werden. Die Landschaft ist herrlich naturbelassen, und tatsächlich fliegen auf den wilden Wiesen besonders viele Schmetterlinge herum.

Viele der berühmten Niedermoorlandschaften der Münchner Schotterebene, wie das Erdinger Moos und das Dachauer Moos, sind heute leider nur noch dem Namen nach bekannt. Von den einst ausgedehnten Mooren sind nur noch kleine Restbestände geblieben. Das Palsweiser Moos bei Bergkirchen hingegen bildet, trotz Abtorfung und Entwässerung in den 60er Jahren, zusammen mit dem westlich angrenzenden Fußbergmoos im Landkreis Fürstenfeldbruck einen der größten noch zusammenhängenden Niedermoorkomplexe im Landkreis. Das ursprüngliche Schotterplatten-Quellmoor erstreckt sich über gut sieben Quadratkilometer südwestlich der A 8. „Eine so große zusammenhängende Fläche Moor in Bayern ist selten“, betont Dr. Roderich Zauscher, Vorsitzender der Kreisgruppe Dachau des Bund Naturschutz (BN).

Da sich trotz Entwässerung und landwirtschaftlicher Nutzung viele Arten zwar halten konnten, aber selten geworden sind, wurde von der Gemeinde Bergkirchen und dem BN das Biodiversitätsprojekt „Das Palsweiser Moos - ein Naturjuwel in der Gemeinde Bergkirchen“ ins Leben gerufen. Im Zuge des Projekts wurden Flächen gekauft, gepachtet, und es wurden Pflegeerlaubnisse erteilt, wodurch nun insgesamt über 22 Hektar zusammenhängende Fläche für den Naturschutz gesichert wurden. Die Pflege dieser Flächen wird vom BN und dem Landschaftspflegeverband Dachau organisiert und von ehrenamtlichen Mitgliedern des BN, von der Brücke Dachau und von Landwirten durchgeführt.

Die Flächen werden entbuscht und regelmäßig, zu ganz bestimmten Zeiten, gemäht. So werden für die Leitarten im Palsweiser Moos optimale Lebensbedingungen geschaffen. Für Schmetterlinge und Insekten werden beispielsweise Durchflugschneisen durch Waldstücke geschlagen, damit sie von einer Lichtung zur nächsten fliegen können. Christine Margraf, Artenschutzreferentin beim BN, erzählt: „Wir haben im Niedermoorbereich in Bayern nur drei Projekte, die wirklich erfolgversprechend sind. Das Palsweiser Moos ist eines davon.“

Leitarten sind die Arten, an denen sich ein Biodiversitätsprojekt orientiert. Im Palsweiser Moos zählen zum Beispiel die Kreuzotter und der Riedteufel, beziehungsweise blauäugiger Waldportier, dazu. Dieser Schmetterling lebt, wie der Name schon vermuten lässt, an Waldrändern, braucht aber große, offene Bereiche, um ausreichend Nahrung zu finden. Doch nicht nur Tierarten wie der Baldrian-Scheckenfalter oder der Sumpfgrashüpfer werden im Moos geschützt, sondern auch sehr seltene Pflanzenarten wie die Strauchbirke, der Kamm-Wurmfarn und die Sumpf-Stendelwurz. Viele dieser Arten wurden erst durch die intensiven Beobachtungen im Rahmen des Projektes entdeckt und galten eigentlich schon als ausgestorben. Nun wird alles daran gesetzt, dass sie sich wieder etablieren können.

Ein solcher Erfolg braucht aber immer einen tatkräftigen Verantwortlichen. Das denkt auch der Ministerialrat Georg Schlapp, Vorsitzender des bayerischen Naturschutzfonds: „Wir haben mit Andreas Fuchs einen gefunden, der sich wirklich voll einbringt und dadurch auch schon viel erreicht hat.“ Fuchs hat als Leiter des Projektes bei seiner Führung allerdings immer wieder Probleme, zu Wort zu kommen, denn: Alle paar Minuten gibt es einen schrillen Aufschrei, gefolgt von einem: „Sehen Sie nur, so ein schöner Schmetterling!“ Oder: „Diese Pflanze ist unheimlich selten!“

Um all das kümmert sich Andreas Fuchs nun schon seit dreieinhalb Jahren. Dabei standen ihm 282 000 Euro zur Verfügung. 230 000 Euro hat der bayerische Naturschutzfonds unter anderem aus Mitteln der Glücksspirale übernommen, der Bezirk Oberbayern beteiligte sich mit weiteren 17 000 Euro, den Rest schulterten der Bund Naturschutz und die Gemeinde Bergkirchen. „Uns war es sehr wichtig, mit im Boot zu sitzen und auch mit zu gestalten, wenn in unserer Gemeinde so ein Naturjuwel entstehen soll“, erklärt der Bürgermeister Simon Landmann.

Nach all dem Erfolg und Lob hatten alle Beteiligten große Lust, das Projekt fortzuführen. Der Antrag auf Verlängerung für weitere drei Jahre wurde vom bayerischen Naturschutzfonds und vom Bezirk Oberbayern auch schon genehmigt. Ziel ist es nun, das Projektgebiet in Richtung Fußbergmoos zu erweitern. Hier, auf Fürstenfeldbrucker Seite, pflegt der Landesbund für Vogelschutz seit über 30 Jahren eine zunehmende Zahl von Flächen. „Wir haben uns mit dem Landesbund für Vogelschutz auch schon verständigt“, erklärt Fuchs. Und dann geht es wieder aus dem Wald heraus - hinein in die normale Welt. Wenn einen der Lärm der Autobahn wieder trifft, kommt sich der Besucher tatsächlich vor, als wäre er gerade in einer anderen Welt gewesen.

Ein Naturjuwel

braucht auch viel Pflege. Wer sich im lokalen Umweltschutz engagieren möchte und gerne draußen in der Natur arbeitet, kann sich bei der Kreisgruppe Dachau des Bund Naturschutzes melden, entweder unter der Telefonnummer 0 81 31/8 03 72 oder per E-Mail an bn.kreis.dachau@t-online.de.

Stefanie Ritter

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