„Du kannst Dir aussuchen, ob Du stirbst“

Dachau - Eine „klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation“, wie der Richter es bezeichnete, wurde nun am Dachauer Amtsgericht verhandelt: sexuelle Nötigung, kurz nach der Trennung, im gemeinsamen Schlafzimmer. Der 25-jährige Angeklagte wurde verurteilt.

Es ist eine Fortsetzungsverhandlung im Prozess wegen sexueller Nötigung mit Gewalt, und entsprechend der Brisanz der Anklage ist der Zuschauerraum im Amtsgericht Dachau voll besetzt. Großen Schrittes kommt der 25-jährige Angeklagte in den gerichtssaal - mit Sonnenbrille in den Haaren. Er setzt sie auch die gesamte Verhandlung nicht ab.

Ganz im Gegensatz zum selbstbewussten Angeklagten erscheint der Auftritt des Opfers. Sie tritt vor Gericht als Nebenklägerin auf, und man hat das Gefühl, ihr anzusehen, wie schwer ihr das erneute Aufrollen der Geschehnisse fällt. Es ist eine sogenannte „Beziehungstat“. Und so wird die Aufklärung mühsam, da es sich um eine „klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation“ handelt, wie Richter Christian Calame erklärt.

Rückblick: Die Tat aus Sicht der Nebenklägerin, die schon beim ersten Verhandlungstag ausgesagt hatte. Die Nebenklägerin und der Angeklagte waren ein Paar. Trotz der Trennung im Herbst 2015 erlaubte die Frau ihrem Exfreund, noch weiter in ihrer Wohnung in Sulzemoos zu leben. Rund anderthalb Monate später, im Oktober 2015, will sie ihr Exfreund zum Sex überreden. Die Frau lehnt ab. Als sie sich wenig später im Schlafzimmer entkleidet, kommt der Angeklagte unvermittelt ins Zimmer, wirft sie brutal aufs Bett und nähert sich ihr auf allen Vieren. Das Opfer nimmt eine Schutzhaltung ein, verschränkt die Arme vor der Brust und presst die Beine zusammen. „Du kannst Dir noch aussuchen ob vaginal oder anal - oder ob Du sterben willst“, soll er gedroht haben. Sie fängt an zu schreien, der Täter presst ihr die Hand vor den Mund, so dass sie nur noch schwer Luft bekommt. Sie winselt: „Warum tust du das?“ Wenig später lässt er von ihr ab, noch bevor es zu einer Vergewaltigung kommt. Kurz nach der Tat bekundet der Angeklagte sein Bedauern über das Geschehen.

Die Frau ging erst einmal nicht zur Polizei - weil sie sich geschämt habe. Als der Angeklagte rund eine Woche später einen Bekannten von ihr aus Eifersucht mit einem Faustschlag niederstreckt, vertraut sie sich aber einem zu Hilfe gerufenen Beamten an. Den Schlag gestand der Angeklagte bereits am ersten Verhandlungstag, doch die sexuelle Nötigung bestritt er. Am zweiten Prozesstag wurde der Polizist in den Zeugenstand gerufen, der damals die Aussage des Opfers aufgenommen hatte. Er sagte aus, keinerlei Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussagen gehabt zu haben.

Die Verteidigerin des Angeklagten hatte in einem Beweisantrag die Hinzuziehung eines Sachverständigen zur Prüfung der Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin gefordert. Der Antrag wurde vom Schöffengericht um Amtsrichter Calame allerdings abgelehnt, da es aus Sicht des Gerichts keine Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen gab.

Die Anwältin bekundete auch in ihrem Schlussstatement erhebliche Zweifel an der Version des Opfers. „Ich sage es Ihnen jetzt als Frau: Das geschilderte Verhalten des Opfers ist surreal. Mir stellt sich die Frage: Warum schlage oder trete ich in so einer Situation nicht?“ Ihr Plädoyer wurde durch einen empörten Zwischenruf aus dem Zuschauerraum unterbrochen. „Wenn ich in Panik bin dann beiße ich doch in die Hand, die mir den Mund zu hält“, setzte sie ihre Rede fort.

Zur Sprache kam im Vorfeld, dass sich der Angeklagte wenige Tage nach der Tat eine Kleinfeuerwaffe besorgte und deshalb wegen der Verwahrung einer Schusswaffe ohne Erlaubnis, eine Geldstrafe aufgebrummt bekommen hatte. Des Weiteren ist er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis bereits vorbestraft.

„Die Tat wurde begangen“, davon zeigte sich der Richter trotz der Skepsis der verteidigung überzeugt. Er sah auch nach sorgfältiger Prüfung aller Aspekte keinen Grund, warum sich das Opfer die Tat hätte ausdenken sollen. Der Angeklagte wurde zu einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsstrafe sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, aber nur „mit erheblichen Bauchschmerzen“, so Calame.

(ahu)

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