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Prozess zu Telekom-Spitzelaffäre

Karlsfelder Sexualstraftäter wieder vor Gericht

Warum war er auf freiem Fuß?

Ein 51 Jahre alter Mann steht derzeit vor dem Landgericht Regensburg. Dem ursprünglich aus Karlsfeld stammenden Angeklagten wird versuchte sexuelle Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen, wie die Mittelbayerische Zeitung berichtet. Doch viele fragen sich: Warum war der Mann überhaupt auf freiem Fuß?

Es ist der 20. Dezember 2015, 20 Uhr. Eine 60-jährige Reinigungskraft ist in der Regensburger Altstadt auf dem Heimweg. Es ist dunkel, die Straßen sind menschenleer. Plötzlich hört die polnischstämmige Frau Schritte hinter sich. Dann wird sie umgerissen.

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der 51-jährige Deutsche die Frau zu Boden brachte, um sie „zu sexuellen Handlungen zu zwingen“, wie die Mittelbayerische schreibt. Die 60-Jährige wehrt sich verzweifelt. Zum Glück hören zwei Security-Mitarbeiter, die in einer nahe gelegenen Asylbewerberunterkunft Dienst tun, ihre Schreie. Sie kommen dem Opfer zur Hilfe, halten den Angreifer fest, bis die Polizei eintrifft.

Der Mann aus Karlsfeld wuchs in einer kinderreichen Familie auf. Gewalt war an der Tagesordnung. Vor allem der alkoholabhängige Vater habe zugeschlagen, sagte der Angeklagte aus.

Er selbst wurde früh straffällig. Mit 16 Jahren wurde gegen ihn erstmals eine Jugendstrafe verhängt. Bis heute hat der Mann insgesamt 23 Jahre im Gefängnis, in der Psychiatrie oder in Sicherungsverwahrung verbracht. Im Jahr 1991 vergewaltigte er erstmals eine Frau, quälte sie über Stunden, wie die Mittelbayerische Zeitung schreibt. Damals war er auch schon HIV-positiv. Zum Glück steckte sich die Frau nicht an. Wenige Monate später misshandelte der heute 51-Jährige eine Taxifahrerin, verletzte die Frau schwer. In beiden Fällen stand der Täter unter erheblichem Alkoholeinfluss.

Für die beiden Taten erhielt der Mann acht Jahre Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der Täter sollte also nicht mehr in Freiheit kommen.

Doch die Strafe wird umgewandelt. Der Verurteilte soll in die Psychiatrie. Dort macht er Therapien. 2012 gelingt ihm mit zwei Mitinsassen die Flucht.

Dann die nächste Straftat. Um an Geld zu kommen, überfällt er eine Frau. Die aber wehrt sich, setzt den Angreifer mit Pfefferspray außer Gefecht.

Kurz darauf stellt sich der Flüchtige. Er wird zu mehr als zwei Jahren Gefängnis verurteilt und kommt frei – unter Auflagen. Unter anderem darf er keinen Alkohol mehr konsumieren, zudem muss er eine elektronische Fußfessel tragen.

An jenem Dezemberabend stand der 51-Jährige unter Alkoholeinfluss, und er trug die Fessel. Die Frau erlitt Schürfwunden, Prellungen und eine leichte Nackenverletzung. Sie leidet psychisch unter den Folgen der Attacke, traut sich kaum noch auf die Straße.

Das Urteil wird für den 23. September erwartet. Das Gericht muss auch entscheiden, ob es wieder Sicherungsverwahrung anordnet.

(tol)

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