Spannungsfeld: Referent war der Präsident des Thünen-Institutes Prof. Dr. Folkhard Isermeyer.

Der Konflikt hat sich zugespitzt

Dachau - In der Landwirtschaft muss sich was ändern: Denn wenn in der Nutztierhaltung alles so bleibt wie bisher, dann entspricht das nicht der Erwartung der Bevölkerung. Das zumindest erklärte der Agrarökonom Folkhard Isermeyer den Landwirten beim Kreisbauerntag in Ried.

Der Kreisbauerntag am Montag im Gasthaus Doll in Ried hat sich mit dem Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Weltmarkt und kritischen Verbrauchern“ befasst. Emotional diskutiert werde dieses Thema seit Langem, „teilweise undifferenziert, in den großen Medien und in der Bevölkerung“, sagte BBV-Kreisobmann und Bezirkspräsident Anton Kreitmair. Als Referenten begrüßte er den Präsidenten des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts in Braunschweig, Prof. Folkhard Isermeyer. Das Institut erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen als Entscheidungshilfe für die Agrar- und Verbraucherschutzpolitik der Bundesregierung.

Alles, was an biologischen Ressourcen nachwächst, betrachtet das Forschungsinstitut in einem Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Technologie, sagte Isermeyer: „In dieser Zusammenschau versuchen wir der Bundesregierung und der Öffentlichkeit nahe zu bringen, was zu tun ist, um eine nachhaltige Nutzung von Feldern und Tierhaltung zu erreichen.“ Ein Thema, das von der Öffentlichkeit sehr emotional diskutiert werde, sei der Umgang mit den Nutztieren. Er plädierte dabei für eine „nationale Nutztierstrategie“. Dabei sollten alle Akteure auf Landes-, Bundes und EU-Ebene, Politik, Wirtschaft und Forschung, zusammenarbeiten, um gleichermaßen die wirtschaftlichen, ökologischen und ethischen Aspekte zu berücksichtigen. Denn der Landwirtschaft alleine werde es trotz zahlreicher Anstrengungen zur Verbesserung der Situation allein nicht gelingen, das teilweise negative Bild in der Öffentlichkeit zu beseitigen.

Die Deutsche Landwirtschaft ist eine Nettoimporteurin, ihre Wettbewerbskraft hat sich gut entwickelt und hat Marktanteile hinzugewonnen. Doch der Agrarstrukturwandel, der dies ermöglicht habe, so Isermeyer, läuft in eine Richtung, die den gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft teilweise widerspricht. Eine großbetriebliche ressourceneffiziente Präzisions-Nutztierhaltung entspreche „möglicherweise nicht den künftigen Erwartungen der Bevölkerung“. Bezüglich der Nutztierhaltung habe sich der Konflikt in den vergangenen Jahren massiv zugespitzt, auch vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wertewandels in der Bevölkerung. Das Verhältnis zum Mitgeschöpf Nutztier habe sich verändert. Eine Fortsetzung der bisherigen wirtschaftlichen Entwicklungslinien mit größeren Beständen, höheren Tierleistungen und stärkeren Automatisierungen werde mit den künftigen gesellschaftlichen Erwartungen nur schwer in Einklang zu bringen, so Isermeyer. Die derzeitigen Aktivitäten von Politik und Wirtschaft bezeichnete der Wissenschaftler als „unkoordiniert“. Sie bieten kaum Orientierung für investitionsbereite Landwirte.

Deshalb sei also eine „nationale Nutztierstrategie“ hilfreich, die unter Einbindung der Wünsche von Verbrauchern, Forschung und Wissenschaft im Laufe der Zeit zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung mit einer Gewinnperspektive für die Landwirte führen könne. Der zahlreiche Besuch beim Kreisbauerntag zeuge davon, dass dieses Thema auch den Bauern des Landkreises auf den Nägeln brenne.

MdL und Kreisobmann Anton Kreitmair hob in seinem Bericht hervor, dass die Landwirte derzeit mit einem generellen Preisverfall bei allen landwirtschaftlichen Produkten zu kämpfen haben. Trotzdem sei es die Zielsetzung der Bayerischen Agrarpolitik, die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu erhalten. Einen Systemwechsel wird es auch bei der Investitionsförderung geben, generell sei nur noch eine Investitionsförderung bis zu 400 000 Euro möglich, der Fördersatz wird auf 25 Prozent gesenkt. Ein Problem sah Kreitmair auch beim Grundstückverkehrsgesetz. Der Grundstücksmarkt in der Region sei geradezu „explodiert“, immer mehr Investoren aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich kauften Grundstücke aus der Landwirtschaft, „das hat mit Landwirtschaft nichts zu tun“. Wenn eine Kommune vernünftige Projekte errichtet, sei dagegen nichts einzuwenden. Ein Problem sei aber manchmal die überdimensionale Vorratshaltung einiger Kommunen. Der Kreisobmann hob schließlich die Bedeutung einer guten Ausbildung hervor.

Landrat Stefan Löwl sagte in seinem Grußwort, dass im Zeichen der Globalisierung eine lokale Verwurzelung ebenso wichtig sei. Hier erfülle die Landwirtschaft eine wichtige Funktion und trage zur Ernährungssicherheit und der Pflege der Landschaft bei. MdL Bernhard Seidenath hofft, dass die heimische Landwirtschaft Zukunft hat. Die Landwirtschaft sei eine wichtige Berufsgruppe im Landkreis Dachau: Obwohl die Gewinne in der Landwirtschaft im vergangenen Jahr um 19 Prozent zurückgegangen sind, habe sich der Strukturwandel verringert und die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht. Auch Landtagskollege Martin Güll lobte die heimische Landwirtschaft mit der Erzeugung von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln.

(fh)

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