Thomas Slamanigist Spezialist für         Cyberkriminalität.  ans

Medien machen Mobbing leicht

Dachau - Thomas Slamanig (34) ist Jugendbeamter bei der Polizei und hat sich vor allem auf die Gefahren im Netz spezialisiert: Mobbing, sexuelle Viktimisierung, Gewalt im Netz.

Er betreut Mobbing-Opfer mit Depressionen oder Jugendliche, die bereits einen Selbstmordversuch hinter sich haben und erinnert sich an einen besonders schweren Fall von Cybermobbing im Landkreis.

Als Jugendbeamter der Polizeiinspektion Dachau ist Thomas Slamanig (34) ein Spezialist. Er kennt sich aus bei Straftaten im Netz und hat schon viel erlebt. Ein Fall ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben.

„Es war ein 16-jähriges Mädchen, von dem ihre Klassenkameraden gesagt haben, dass sie aussieht wie ein Junge. Weil sie eben noch keine Brüste hatte“, erzählt der Jugendbeamte ruhig. Über zwei Jahre lang schikanierten die jugendlichen Täter ihr Opfer. Sie beleidigten das Mädchen zum Beispiel mit „Du bist doch ein Junge“. Außerdem veröffentlichten die Täter Fotos von Männern mit freiem Oberkörper und setzten den Kopf des Mädchens darauf - und das alles im WhatsApp-Chat. Die Hänseleien machten das 16-jährige Mädchen fertig, sie wurde schwer depressiv. „Der Fall gipfelte darin, dass die Mobber ein Nacktfoto von dem Mädchen verlangten“, erzählt Thomas Slamanig. „Stattdessen hat das Mädchen ein Video von sich geschickt, in dem sie sich selbst befriedigt, um zu zeigen, dass sie ein Mädchen ist. Das Video ist dann an vier Schulen rumgegangen.“

Das Video war der Höhepunkt des zweijährigen Mobbings und gleichzeitig auch der Tiefpunkt für das 16-jährige Mädchen. Sie suchte sich Hilfe bei einem Vertrauten. An diesem Punkt begann die Arbeit von Thomas Slamanig. Denn die 16-Jährige wollte, dass das Mobbing-Drama endlich ein Ende nimmt. Schritt für Schritt in Zusammenarbeit mit der „Geschädigten“, wie Slamanig sie nennt, ging er auf die mobbenden Jugendlichen zu: „Ich musste sie dazu überreden, dass sie das Video nicht weiter verschicken“, erzählt Slamanig und hatte Erfolg. Außerdem sprach er mit den Jugendlichen grundsätzlich über Mobbing, erklärte ihnen, was die Schikanen aus dem Opfer machten. Letztendlich hörten die Mitschüler auf, die 16-Jährige psychisch zu terrorisieren - eben wegen der Arbeit von Slamanig.

Nach der langjährigen Tätigkeit als Jugendbeamter stellt er fest: „Medien machen Mobbing sehr leicht.“ Denn die Hemmschwelle im Internet sei sehr niedrig, die Jugendlichen fühlten sich anonym und sähen nicht, wie das Opfer direkt reagiere. Dazu kommt: „Oft wird Mobbing von den Kids gar nicht als Mobbing gesehen“, sagt Thomas Slamanig. Und genau das sei das Fatale daran.

Denn vielen Jugendlichen fehle es an der medialen Erziehung durch die Eltern, unter anderem an der „Netiquette“, dem respektvollen Benehmen in der elektronischen Kommunikation, so Slamanig. Einer der Grundsätze der Netiquette ist zum Beispiel: „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!“ Vor allem die Eltern möchte Thomas Slamanig wachrütteln, ihre Kinder auf die Gefahren des Netzes vorzubereiten: „Auch wenn man jemanden im Internet beleidigt, ist das eine öffentliche Straftat.“ Und zu was das führen kann, zeigt das Martyrium des 16-jährigen Mädchens.

Anna Schwarz

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