Schluss mit schwindelerregenden Höhen: Bisher haben Mitarbeiter die Fahrgeschäfte jeden Morgen gewartet – jetzt wird das Volksfest abgebaut.

Seit zehn Tagen beendet

Dachauer Volksfest - nicht alle ziehen positive Bilanz

Dachau - Nach zehn Tagen ist das Dachauer Volksfest schon wieder vorbei. Schausteller, Polizei, die Stadt und der Festwirt ziehen eine positive Bilanz. Die Bedienungen sind weniger zufrieden.

Am Montagmittag sitzt Bedienung Brigitte wartend auf einer Bierbank im großen Festzelt. Ihre sechs Tische sind leer. „So einen Montag wie heute hätte es früher nicht gegeben“, sagt sie frustriert. Aber die wenigen Festzeltbesucher am letzten Volksfesttag sind kein Einzelfall. Bereits seit 45 Jahren bedient die 70-Jährige im großen Zelt - aber so schlecht wie heuer war das Geschäft noch nie. „Ich habe ein Drittel weniger Verdienst als in den letzten Jahren.“ Es sei heuer wesentlich ruhiger gewesen.

Der Leiter des Hauptamts im Rathaus, Josef Hermann, kann das nicht bestätigen: „Wir schätzen die Besucherzahlen wieder um die 300 000.“ Das sei auch auf dem Niveau der vergangenen Jahre.

Den Weg ins große Festzelt haben aber wohl nicht alle gefunden: „Am Anfang haben wir uns sogar gefragt, ob das überhaupt noch was wird“, erzählt Kellnerin Brigitte. Sie vermutet, dass viele Volksfestfreunde nach den Gewalttaten in Ansbach, Würzburg und München verunsichert waren. Vor allem Familien mit Kindern würden nur noch vereinzelt ins Festzelt kommen. Auch ihre Kollegen hatten mit dem Besucherschwund zu kämpfen.

Festwirt Ewald Zechner sieht es positiv: „Wir waren nie überfüllt, sondern hatten immer ein Platzerl frei“, sagt der 39-Jährige. Auch sei es im Festzelt besonders friedlich gewesen. Den Grund dafür sieht Zechner darin, dass die Besucher nicht mehr so viel Bier trinken: „Heutzutage ist das Volksfest nicht mehr so ein Besäufnis“, erklärt der er: „Leute, die sechs bis sieben Mass trinken, werden immer weniger.“ Die Meisten blieben eher bei zwei bis drei Mass. Zechner schätzt, dass die Volksfestbesucher in seinem Festzelt rund 12 000 Hendl verspeist haben. Der Bierkonsum bewegt sich wieder um die 1000 Hektoliter.

Auch Schaustellersprecher Paul Tille zieht ein Fazit nach dem zehntägigen Volksfestmarathon: „Bis zum Kindertag lief das Volksfest ganz gut“, und fügt an: „Ab Donnerstag war es dann wegen dem Regenwetter nicht so gut besucht.“ Besonders beliebt waren unter den Schaustellerbuden die Stände, an denen Alkohol ausgeschenkt wurde, sagt Tille: „Cocktails werden von den jungen Leuten sehr gut angenommen.“

Polizei: Vor allem an den Wochenenden kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen

Der Alkoholpegel spielt auch bei den Straftaten eine Rolle. Aus Sicht des Polizei-Pressesprechers Ernst Ziegenheim war der Verlauf des Dachauer Volksfests durchwachsen: Vor allem an den Wochenenden kam es immer wieder zu Körperverletzungen. Größere Schlägereien gab es aber nicht: Bisher kamen 13 Körperverletzungsdelikte zur Anzeige. In zwei Fällen müssen die Beteiligten mit Anzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung rechnen.

Außerdem gab es vier Sachbeschädigungen und vier Diebstahlsdelikte. Mehrere Personen hat die Polizei von der Thomawiese verwiesen, um Ruhe herzustellen und Straftaten zu verhindern. Die „Wildbiesler“, die ihre Notdurft vor allem an den Streifenwagen verrichtet hätten, müssen mit einer Anzeige rechnen.

Auch BRK-Einsatzleiter Dieter Ebermann betont, dass der Einsatz seiner Helfer nicht größer gewesen sei als in den vergangenen Jahren: Sie haben rund 350 Patienten betreut, davon sechs Notarzteinsätze. „Vom Pflaster bis zur Herzerkrankung war alles dabei“, sagt Ebermann. 37 Patienten mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Insgesamt waren rund 30 ehrenamtliche Helfer in zwei Schichten im Einsatz, heuer wegen der Gewaltakte sogar bei erhöhter Personalstärke.

Die Stadt, der Festwirt, die Polizei und das BRK sind mit dem Verlauf des Dachauer Volksfests zufrieden. Bedienung Brigitte ist es nicht. Sie wird nach diesem Jahr als Kellnerin auf dem Volksfest aufhören.

Anna Schwarz

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