Sie wollen den Erdbebenopfern helfen: Alessio Sanna, Giammarco Guddo, Berardo Salvi, Anita Patrzalek (verdeckt), Gustavo Brando und Juljeta Gashi (von links) spenden pro Portion Bucatini Amatriciana drei Euro an die Hilfsaktion. foto. sj

Restaurant Tonino beteiligt sich an Hilfsaktion

Pasta essen für Erdbebenopfer

Karlsfeld/Dachau - Sie trauern um die Opfer, sie fühlen mit mit den Überlebenden, sie wollen beim Aufbau der zerstörten Städte helfen: Adriana und Berardo Salvi, die das italienische Restaurant „Tonino“ in Karlsfeld führen, beteiligen sich an einer Spendenaktion für den Wiederaufbau der Stadt Amatrice.

Nicht nur in Italien herrscht große Trauer und Sorge um die Opfer des Erdbebens. 290 Menschen sind nach bisherigen Erkenntnissen bei den Erdbeben in Italien ums Leben gekommen, tausende wurden obdachlos. Das schwere Erdbeben hat vor allem die Städte Amatrice, Accumoli und Pescara erschüttert. Auch mehrere italienische Lokale im Landkreis haben Familie, Freunde oder Bekannte in der mittelitalienische Region und bangen um deren Sicherheit und Zukunft. Adriana Salvi, Besitzerin des italienischen Restaurants Tonino in Karlsfeld, und Familie Fracasso von der Pizzeria Roma in Dachau wollen ihren Landsleuten helfen.

Adriana und Berardo Salvi besitzen seit 1972 das „Tonino“ am Karlsfelder Rathausplatz. Ursprünglich kommen sie aus den Orten Isola die Gran Sasso und Alba Adriatica in den Abruzzen. Auch nach über 30 Jahren in Deutschland haben beide noch Verwandtschaft, Häuser und Besitz in der Bergregion, deren Hauptstadt L’Aquila bereits 2009 unter einem schweren Erdbeben und den langfristigen Folgen zu leiden hatte. Immer wieder ist die selbe Gegend mit hunderten Todesopfern, immensen finanziellen Schäden und vom Verlust einzigartiger Kulturstätten betroffen.

„Meine Schwester und Nichten leben in einem unserer Häuser auf dem Gran Sasso“, erzählt Adriana Salvi. „Auch mein Neffe und seine Familie machen gerade Urlaub dort. Inzwischen haben wir zum Glück von allen gehört und wissen, dass es ihnen gut geht.“

Es sei nicht das erste Mal, dass auch sie die Auswirkungen eines Erdbebens quasi am eigenen Leib zu spüren bekommen haben. „Anscheinend gab es einen solchen Knall, wie einen Gewehrschuss, als das Beben anfing – so etwas haben auch unsere dortigen Verwandten noch nicht erlebt“, fährt die Restaurantbesitzerin fort.

„Ob unsere Grundstücke diesmal auch Schaden davon getragen haben, wissen wir noch nicht. Das wird sich bei unserem nächsten Besuch im Oktober zeigen“, erklärt Berardo Salvi. Die Schäden des letzten Bebens an den Häusern seien noch nicht mal ganz repariert gewesen. Trotz allem würden sie niemals ihre Heimat aufgeben: „Egal, wie viele Erdbeben noch kommen, wir lassen uns nicht aus den Abruzzen vertreiben“, sagt die 59-Jährige bestimmt.

Um selbst und mit dem Lokal mit einer kleinen Spende zur Hilfe für die Erdbebenopfer beizutragen, schloss sich Adriana Salvi einer ganz bestimmten Idee an: Sie will zusammen mit ihren Gästen etwas Gutes zu tun. „Für eine Woche setzen wir das beliebte Pastagericht ,Bucatini Amatriciana‘ auf die Speisekarte und legen von jedem bestellten Teller drei Euro beiseite. Das Rezept mit Speck und Zwiebeln in Tomatensoße stammt, wie der Name schon sagt, aus Amatrice. Den Erlös schicken wir dann nach Italien, um für den Wiederaufbau der Stadt zu spenden.“ Eine Verlängerung der Aktion schließe sie auch nicht aus. Die ursprüngliche Idee zu der Initiative hatte ein Grafiker aus Rom: In seinem Blog veröffentlichte er die Idee, die sich binnen weniger Stunden rasend schnell verbreitete. Über 700 italienische Restaurants weltweit haben sich der Spendenaktion bereits angeschlossen.

Auch Familie Fracasso von der Pizzeria Roma hat nahe Verwandte und Häuser in der betroffenen Region. Augusto Fracassos Bruder Gabriele wohnt mit seiner Familie nach wie vor in Pescara und war dieses Jahr gerade zu der Zeit, als das Erdbeben stattfand, zu Besuch in Dachau.

Augustos Sohn Gianluca Fracasso ist froh darüber: „Die ganze Familie meines Onkels wohnt da unten. Zum Glück ist ihnen nichts passiert, die Grundstücke sind auch verschont geblieben.“ Das Erdbeben von 2009 hätte auch ihnen damals stärker zugesetzt als dieses. Trotzdem seien die Leute geschockt. „Übers Handy hat mich meine Familie erreicht und informiert“, erzählt der 30-Jährige.

Über eine ähnliche Aktion wie im Tonino hatte die Familie Fracasso aber noch keine Zeit zum Nachdenken. Wegen des Volksfests und des generell hohen Betriebs im Sommer sei es bis jetzt zu stressig gewesen, um twas auf die Beine zu stellen. „Die Idee finde ich aber gut, vielleicht lassen wir uns auch noch etwas einfallen, um zu helfen“, meint Gianluca Fracasso.

Susanne Just

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